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Kein Silvester-Cup: Interview mit Heides Organisationschef Thomas Dreßler

„Die letzte Träne ist noch nicht geweint“

Paderborn.

Normalerweise hätte Thomas Dreßler in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Die 33. Auflage des Silvester-Cups um den Preis der Sparkasse Paderborn-Detmold war vom 28. bis 30. Dezember geplant.

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Ein voll besetztes Sportzentrum Maspernplatz: Das ist das gewohnte Bild beim Silvester-Cup des SV Heide Paderborn. 2021 gibt es einen neuen Anlauf. Foto: Oliver Schwabe

Es wäre die 15. Veranstaltung unter der Leitung Dreßlers, seines Zeichen Fußball-Abteilungsleiter des ausrichtenden SV Heide Paderborn, gewesen. Was denkt Dreßler mit etwas Abstand über die Absage, wie haben die Vereine reagiert und welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Amateursport? Darüber sprach Redakteur Peter Klute mit dem 53-Jährigen.

Herr Dreßler, seit drei Monaten ist klar, dass der Silvester-Cup in diesem Jahr nicht stattfindet. Sie sagten damals, dass Sie nicht todtraurig seien. Wie geht es Ihnen damit jetzt, kurz bevor der Budenzauber im Sportzentrum Maspernplatz losgegangen wäre?

Thomas Dreßler: Ich bin todtraurig und es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre. In der Familie diskutieren wir täglich darüber, wie viele Tage es noch gewesen wären. Wir alle haben ein weinendes Auge, weil es einfach immer so viel Spaß macht, dieses Turnier zu organisieren und zu erleben. Aufgrund der Gesamtsituation ist es zwar sehr traurig, aber absolut richtig und vernünftig, dass der Silvester-Cup nicht stattfindet. Fest steht jedoch ganz sicher auch: Die letzte Träne ist noch nicht geweint.

Was machen Sie jetzt zwischen den Tagen? Reisen sind ja nur schwer möglich.

Dreßler: Was soll ich machen? Freizeitmöglichkeiten sind nicht gerade üppig vorhanden. Ich bleibe zuhause, feiere mit der Familie Weihnachten und Silvester. Da halten wir uns an die Vorgaben und Kontaktbeschränkungen.

Wie war die Resonanz seitens der Vereine auf die Absage?

Dreßler: In den sozialen Netzwerken ist uns von vielen Teilnehmern mitgeteilt worden, wie traurig sie über die Absage des Event sind. Da der Spielbetrieb seit November ruht, gab es seitdem nur noch wenig persönliche Kontakte. Davor bin ich häufiger darauf angesprochen worden, dass der Silvester-Cup ausfällt, aber da war alles noch so weit weg. Je näher der Termin rückt, umso trauriger ist es, dass wir nicht spielen dürfen.

So darf sich Überraschungssieger FSV Bad Wünnenberg/Leiberg jetzt zwei Jahre lang Silvester-Cup-Sieger nennen. Haben Sie mal ernsthaft über eine Ersatzveranstaltung im Sommer nachgedacht?

Dreßler: Nein, der Silvester-Cup ist der Silvester-Cup. So ein Original kann man nicht kopieren. Wir haben mal kurz ein E-Sports-Turnier in Erwägung gezogen, uns dann aber dagegen entschieden. Wir nehmen nächstes Jahr einen neuen Anlauf. Das Datum bleibt, gespielt wird von Dienstag bis Donnerstag.

Welcher finanzielle Schaden ist dem Verein entstanden?

Dreßler: Der Schaden ist immens. Es geht vor allem um Zuschauereinnahmen, Erlöse aus der Bewirtschaftung und Sponsorengelder. Eine Gesamtsumme zu nennen, die dem Verein verloren geht, ist schwierig und es wäre auch unseriös. Natürlich hatten wir als SV Heide auf die Einnahmen durch den Silvester-Cup gebaut, aber wir haben in den vergangenen Jahren so gut gewirtschaftet und Rücklagen gebildet, dass wir den Verlust verkraften können.

Was passiert mit dem Silvester-Cup, wenn die Maspernhalle aufgrund von Renovierungsarbeiten in naher Zukunft über einen längeren Zeitraum geschlossen bleiben sollte?

Dreßler: Wie schon beim Corona-Konzept würden wir uns auch in diesem Fall an den Uni Baskets orientieren und eine mögliche mobile Halle, die als Ausweichstandort dienen könnte, mitnutzen. Es wäre in der Tat der Super GAU, wenn der Silvester-Cup 2020 wegen Corona ausfallen musste und ein Jahr später nicht stattfinden könnte, weil es keine Halle gibt. Aber irgendwo müssten die Baskets ja spielen.

Waren Sie mal soweit, die Lust zu verlieren?

Dreßler: Nein, Das kommt für mich nicht infrage, dafür hängt am Silvester-Cup zu viel Herzblut. Wir versuchen es im nächsten Jahr wieder und wenn es auch dann nicht klappen sollte, spielen wir wieder in 2022.

Wie lange wollen Sie noch an der Spitze des Organisationsteam stehen?

Dreßler: Das weiß ich noch nicht. Aber eines weiß ich ganz genau: So kann ich nicht aufhören.

Der SV Heide hat durch Corona insofern profitiert, dass die Mannschaft durch den Saisonabbruch als Herbstmeister mit dem damaligen Tabellenführer SCV Neuenbeken aufgestiegen ist. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden in der Landesliga?

Dreßler: Sehr zufrieden. Aus meiner Sicht wäre es ungerecht gewesen, wenn wir nach dem Saisonabbruch als Tabellenzweiter in der Bezirksliga geblieben wären. Da bis zum Abbruch der Spielzeit im März 2020 nur fünf Spieltage der Rückrunde stattgefunden hatten, ist für mich der Herbstmeister der richtige Aufsteiger. Dass wir in der Landesliga so gut klarkommen und nach acht Spieltagen bei noch einem Nachholspiel mit 13 Punkten auf Platz sechs liegen, das hat uns selbst überrascht. Damit hatten wir nicht gerechnet.

Viele Vereine nutzen die Pause, um den Vertrag mit dem Trainer zu verlängern. Wie sieht es beim SV Heide aus?

Dreßler: Auch wir werden demnächst Gespräche mit Markus Driller führen. Er ist jetzt in der dritten Saison unser Trainer und die Mannschaft spielt sehr gut. Der einzige Grund, warum Markus über den Sommer kein Trainer bei uns ist, wäre, wenn er das nicht mehr möchte. Vom Verein aus gibt es nichts, das gegen eine weitere Zusammenarbeit spricht.

Welche Konsequenzen hat Corona mittelfristig auf den Amateursport. Spüren Sie, auch bei sich selbst ein bisschen Entwöhnung?

Dreßler: Beim SV Heide haben wir den Vorteil, dass im Verein durch den Aufstieg immer noch Euphorie herrscht. Die haben wir mitgenommen, unsere Heimspiele in der Hinrunde waren trotz Maskenpflicht und weiteren Auflagen sehr gut besucht. Für die Bundesliga muss ich sagen, sind die Zuschauer das Salz in der Suppe, das macht so keinen Spaß. Ich denke, dass sich der Amateursport erholen wird, aber da es auch vielen Sponsoren aus der Wirtschaft nicht gut geht, werden viele Vereine nach dem Neustart kleinere Brötchen backen und Abstriche machen müssen. Aber es wird weitergehen.

Denken Sie, dass die Saison fortgesetzt wird?

Dreßler: Ja, wir brauchen noch zehn Spiele, um eine Wertung sicherzustellen. Ich würde mir wünschen, dass der Verband endlich mal klare Kante zeigt und klipp und klar sagt, was kommt. Für mich gibt es nur eine Lösung. Wenn wir im Februar wieder trainieren können, kann die Saison Mitte oder Ende März weitergespielt werden. Aber nur diese zehn Spiele, dann muss Schluss sein und man hat genug Spielraum, falls noch einmal unterbrochen werden muss. Alles andere ist unrealistisch und nicht planbar. Der Gefahr eines erneuten Abbruchs wäre viel zu groß. 27 Spiele bekommen wir niemals noch über die Bühne. Ich habe auch schon im Frühjahr dafür plädiert, dass die Saison zu Ende gebracht wird, damit man nicht zwei Spielzeiten an die Wand fährt. Genau das passiert jetzt. Das Problem sind nicht die Spiele, das Problem ist, wenn die Mannschaften zu den Spielen anreisen. Da droht die höchste Ansteckungsgefahr.

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