1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. „Die Zeit ist reif für eine Veränderung“

  8. >

Squash-Profi Simon Rösner verkündet das Ende seiner PSA-Karriere

„Die Zeit ist reif für eine Veränderung“

Paderborn

Der beste Deutsche Squasher aller Zeiten verlässt die ganz große Bühne: Simon Rösner, zuletzt die Nummer acht der Welt, wird ab sofort nicht mehr auf den Turnieren der PSA World Tour anzutreffen sein.

Elmar Neumann  

Simon Rösner beendet seine Einzelkarriere als Profi-Squasher. Der 33-Jährige spielt künftig nur noch für den Paderborner SC in der Bundesliga sowie für die deutsche Nationalmannschaft. Foto: Besim Mazhiqi

„Das ist eine Entscheidung, die sich mit Beginn der Corona-Pandemie entwickelt hat. Als die ersten Turniere stattgefunden haben, wir uns nur innerhalb der Blase bewegen durften und uns fast wie im Gefängnis fühlen mussten, war mir relativ schnell klar: Das ist nicht das Richtige für mich“, sagt der 33-Jährige. Der sechsmalige Paderborner Sportler des Jahres bezeichnet sich als Kopfmensch. Sobald außerhalb des Courts irgendetwas nicht zu 100 Prozent passe, schlage sich das auf seine Leistungen nieder und so war es auch in diesem speziellen Jahr, in dem so wenig passt. Die vage Aussicht, dass selbst diese Krise irgendwann ein Ende finden dürfte, hat den Entschluss nicht beeinflussen können: „Vielleicht ist das Ganze in einem halben Jahr vorbei, aber ich habe mir gesagt: Die Zeit ist reif für eine Veränderung.“

Das heißt nicht, dass der World-Games-Gewinner 2017 den Schläger ganz aus der Hand legt. Der Paderborner Squash Club und die Nationalmanschaft können weiterhin auf die Dienste des „German Tree Chopper“, des deutschen Holzfällers, wie er ob seiner ausladenden Ausholbewegung genannt wird, zählen. Aber nach fast 17 Jahren und mehr als 500 Matches auf der PSA-Tour verschieben sich die Prioritäten. Rösner freut sich auf mehr Zeit mit seiner Frau Vivien und dem gemeinsamen Sohn Liam, der am 28. Dezember zwei Jahre alt wird, und arbeitet an einer beruflichen Perspektive. Zum einen wird er beim TSC Heuchelhof in seinem Geburtsort Würzburg ins Management einsteigen und als Trainer fungieren. Zum anderen absolviert Rösner eine Ausbildung zum Fitnesscoach, um alsbald in der „Vitality Lounge“, ein spektakulär ausgestattetes Fitness- und Gesundheitsstudio, das sein Freund Ralf Eckel auf dem einstigen Zaunkreisel-Gelände in Schloß Neuhaus entstehen lässt, mitzuwirken. „Das sind spannende Aufgaben, auf die ich mich sehr freue“, sagt Rösner, der mit seiner Familie in Elsen wohnt.

Von 2007 bis 2017: Elfmal in Folge Deutscher Einzelmeister – auch diese Serie von Simon Rösner dürfte unerreicht bleiben. Dieses Bild zeigt ihn nach seinem letzten DM-Triumph im Jahr 2017. Anschließend trat Rösner nicht mehr bei den nationalen Titelkämpfen an und überließ den Thron seinem Vereinskollegen Raphael Kandra (links). Foto: Henning Angerer

Mit einem Rückblick auf die Karriere tut er sich noch schwer, die sei ja schließlich noch nicht vorbei. Insbesondere als Mannschaftssportler könnte noch der eine oder andere Triumph hinzukommen, doch die Liste seiner Erfolge sucht längst ihresgleichen: Mit 16 Jahren aus Würzburg zum PSC gewechselt, gewann Rösner neun PSA-Turniere, besagtes Gold bei den World Games 2017, wurde elfmal in Folge Deutscher Einzelmeister (2007 bis 2017), auch elfmal Deutscher Mannschaftsmeister sowie siebenmal Europapokalsieger. Wenn er einen Moment herausheben muss, dann ist es dieser: „Das Highlight bleibt für mich der Sieg beim Tournament of Champions 2018 in der Grand Central Station von New York. Das ist etwas, was ich nie vergessen werde und von dem ich nicht zu träumen gewagt hätte, als ich 2004 Profi geworden bin“, sagt der Mann, der vor zwei Jahren als erster Deutscher auf Platz drei der Weltrangliste geführt wurde.

Punkte für das PSA-Ranking wird er nun nicht mehr sammeln, für den PSC aber schon und das freut die Verantwortlichen natürlich: „Simon hat die Erfolgsgeschichte des PSC in den vergangenen 16 Jahren maßgeblich mitbestimmt. Wir sind sehr froh, dass er Paderborn weiterhin als Lebensmittelpunkt betrachtet und für uns in der Bundesliga spielt“, sagt der Vorsitzende Andreas Preising. „Vor seiner Entscheidung haben wir großen Respekt und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm“, ergänzt Geschäftsführerin Anna Wedegärtner.

Die Suche nach dem nächsten PSA-Star aus Paderborn steht derweil schon fast vor dem Abschluss. Liam Rösner hat von Andreas Preising zur Geburt einen Minischläger geschenkt bekommen und trainiert fleißig auf dem Flur. „Das kann was werden. Zumindest am Trainer sollte es nicht scheitern“, sagt der Papa.

Startseite