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SC Grün-Weiß Paderborn: Oster-Solo-Lauf 2.0 startet im März und wächst zu einer zwölfteiligen Laufserie an

„Die Zukunft ist hybrid“

Paderborn

Was treibt die Läufer um in Corona-Zeiten, wo liegen wirklich ihre Bedürfnisse? Um Antworten auf solche Fragten zu finden, hat der SC Grün-Weiß Paderborn der „Szene“ mit einer deutschlandweiten Online-Läuferumfrage eine Stimme gegeben.

Jörg Manthey

Seit Monaten im Corona-Stillstand: Wolfgang Krenz, Vorsitzender des SC Grün-Weiß Paderborn, sorgt sich angesichts gravierender finanzieller Einbußen um die Zukunft des Großvereins. Foto:

Den Rücklauf von insgesamt 2226 Teilnahmen (Alter zwischen zwölf und 86 Jahren) aus nahezu allen Bundesländern findet Osterlauf-Organisationsleiter Christian Stork „großartig“ und spricht von einem „repräsentativen“ Ergebnis.

750 Einsendungen kamen alleine aus dem Kreis Paderborn. Diese Zielgruppe sei mit ein bis drei Laufstunden wöchentlich überwiegend Breitensport-orientiert. 70 Prozent der Befragten gaben an, aus Angst vor Infektionen aktuell Präsenzveranstaltungen meiden zu wollen.

Obgleich es 72 Prozent eher leicht falle, sich selbst zu motivieren, „vermissen die Läufer den Wettkampf und auch den Spaß am Event“, erklärt Projektleiter Jonathan Völk-ner. Der Leiter des Osterlauf-Büros hat die Online-Befragung im Rahmen seines Masterstudiums im Bereich Sport, Organisationsentwicklung und Management begleitet und ausgewertet. 60 Prozent haben bereits an einem virtuellen Lauf teilgenommen. Heißt: „Es gibt also einen Markt mit Potenzial“, sagt Völkner. 65 Prozent merkten freilich an, dass die virtuelle Variante kein Ersatz für einen „richtigen“ Lauf sei. Dazu meiden wettkampforientierte Sportler virtuelle Läufe eher.

„Wir haben mehr als 550 Ideen zugeschickt bekommen“, dankt Christian Stork. Ob Zeitmessung auf einer festgelegten Strecke oder kein Massenstart, ob virtuell zeitgleich starten oder ein Discolauf zur Abendstunde über einen Rundkurs, mit bunten Lichtern und Partymusik beschallt. Stork freut sich genauso sehr über 750 gute Wünsche gegen den Corona-Blues. „Das hält uns bei Laune und schenkt uns ein gutes Gefühl.“

Letztlich ist jedes grüne Licht für den Sport abhängig von der behördlichen Einschätzung. Storks Vorstoß, angelehnt ans Konzept des Freiburg-Marathons, die Zuschauer doch bitteschön nicht zur Veranstaltungsfläche zu zählen, stieß beim Paderborner Ordnungsamt auf wenig Gegenliebe. Auch das schlüssige Hygienekonzept für den Martinslauf im Neuhäuser Schlosspark war abgeschmettert worden. Die Aussicht auf ein reales Laufevent motiviert mehr als 60 Prozent der Befragten. „Es ist uns immens wichtig, dass wir im Sommer auf die Straße zurückkehren dürfen, wenn es die Inzidenzwerte zulassen. Und wenn es nur für kleinere Events ist“, meint also Stork und fügt energisch an: „Wir wehren uns gegen eine pauschale Absage von Veranstaltungen und möchten den Menschen eine Perspektive schenken.“

Die Absicht: neue Formate zu entwickeln. Denn die deutsche Lauffamilie brennt darauf, endlich wieder loszulegen. Und es ist auch schon etwas Adäquates in Arbeit: Der SC Grün-Weiß kündigt nach dem großen Erfolg des Oster-Solo-Laufes 2020 mit 9467 Finishern eine professionellere Neuauflage an. Die ausbaldowerte virtuelle Fortsetzung ist eine Art Klon des 7CRuns. Marketingleiter Jan Braun lässt die konzeptionellen Erfahrungen der acht Monate in den Oster-Solo-Lauf 2.0 einfließen. Das Ergebnis: zwölf Monate, zwölf Herausforderungen. Von Ostern bis März 2022 soll eine jeweils neuntägige Serie zum Laufen motivieren. Pfingstlauf, Liborilauf, Halloweenlauf, Silvesterlauf, Karnevalslauf, Frühlingslauf und Co. werden allerdings nicht kostenfrei sein: sieben Euro Startgebühr pro Lauf, 49 Euro für die komplette Serie. Dafür winken den Teilnehmern digitale Starterbeutel inklusive Laufshirt, Sonderpreise, Ranglisten, Urkunden und mehr. Auch der gute Zweck kommt nicht zu kurz.

Jan Braun („Ich traue uns eine Zuwachsrate zu“) hofft, viele Vereine aus der Region zum Mitmachen bewegen zu können, damit sich über das Jahr eine spannende Team-Challenge entwickelt. „Die Teams machen die Musik.“

Er orakelt: „Die Zukunft ist hy-brid.“ Heißt: eine Kombination aus digital weltweit erlebbaren und „echten“ Läufen. Das ermöglicht den Laufveranstaltern, auf künftige Anforderungen flexibel zu reagieren. Gleichzeitig wird der Laufcommunity ein ganzheitliches Angebot geboten.

Der SC Grün-Weiß ist darauf erpicht, auch solche Läufer abzuholen, die aktuell Motivationsprobleme haben. Storks Schlusswort: „Es ist genauso wichtig, passende Angebot für virtuelle Läufe zu vergrößern und so den Läufern noch mehr Möglichkeiten zu bieten, sich in der aktuell schwierigen Situation körperlich und geistig fit zu halten.“

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