Meine Corona-Zeit, Folge 21: Snookerspieler Jan Eisenstein hat seit November 2019 kein Turnier mehr bestritten

„Impfen ist der Schlüssel“

Paderborn

Folge 21 unserer laufenden Serie „Meine Corona-Zeit“ gehört Jan Eisenstein aus Delbrück. Der 28-Jährige betreibt den Gentleman-Sport Snooker und hat es bis zum Weltmeisterschafts-Teilnehmer gebracht. Zu Trainingszwecken besitzt der Verwaltungsfachangestellte beim Kreis Paderborn einen eigenen Snookertisch in Hövelhof. Sein letztes Turnier hat der „Graf vom Eisenstein“, wie ihn seine Essener Teamkollegen getauft haben, im November 2019 gespielt.

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Ein Sport für Gentlemen: Jan Eisenstein spielt Snooker. Dabei müssen mit dem Queue 15 rote und sechs andersfarbige Kugeln eingelocht werden. Rot zählt einen Punkt, Gelb gibt zwei, Grün drei, Braun vier, Blau fünf, Rosa sechs und Schwarz sieben Punkte. Foto:

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Jan Eisenstein: Zum Glück hatte ich noch keinen bekannten Fall in meiner Familie oder dem engeren Freundeskreis. Wir lassen uns auch alle regelmäßig testen, damit das so bleibt. Toi toi toi...

Was überwiegt bei Ihnen: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Eisenstein: Tatsächlich ist es ein Mix aus allem. Ich vertraue jedoch darauf, dass die Verabreichung der Impfstoffe bald zu einer Herdenimmunität und somit wieder zu mehr Freiheiten führt. Ich glaube daran, dass Impfen der Schlüssel ist, um bald wieder ein „normales“ Leben zu führen.

Der Amateursport ruht seit Monaten. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Pro-blems oder ein Teil der Lösung?

Eisenstein: Natürlich ist es für jeden Freizeit- oder Amateursportler schwierig, wenn ihm die Möglichkeit genommen wird, seiner Leidenschaft nachzugehen. Ich denke aber, dass es in vielen Sportarten, gerade in Mannschafts- und Kontaktsportarten, kaum vorstellbar ist, dem Infektionsschutz entsprechend zu agieren. Die Minimierung der Kontakte ist leider notwendig. Daher denke ich, dass wir als Sportler nun einfach in diesen sauren Apfel beißen müssen.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Eisenstein: Bundeseinheitliche Regelungen. Einfach zu verstehen, aber streng in der Durchsetzung, damit jedem Bundesbürger eine klare Linie der Freiheiten vorgegeben wird. Viele wissen nicht einmal mehr, ob sie nun im Baumarkt einen einfachen Pinsel kaufen können, ohne das Bundesland verlassen zu müssen.

Was tun Sie und wo tun Sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Eisenstein: Tatsächlich kommt die Fitness momentan etwas zu kurz bei mir. Vielmehr versuche ich derzeit Dinge zu regeln, die mir schon länger im Hinterkopf wabern. Abgesehen von ein paar ruhigen Stunden am Snookertisch hilft es mir natürlich auch, zu Hause mal das Instrument in die Hand zu nehmen und die Ideen für ein paar Songs zu Papier zu bringen.

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Eisenstein: Ich bin noch immer der gleiche Mensch wie vor der Pandemie – wenn auch mit ein paar Kilos mehr auf der Waage. Ich versuche mich nicht durch die aktuelle Situation zu verändern. Auch habe ich das Glück, dass ich nach wie vor normal arbeiten kann und darf. Viele können das zu Corona nicht oder nur eingeschränkt und bangen täglich um ihre Existenz. Von daher möchte ich nicht meckern.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Eisenstein: Der ist tatsächlich zu Hause. Wo soll man auch groß sonst hin momentan? Dort hab ich meine Freundin und meine Instrumente – die Teile meines Lebens, die mich auch vor der Pandemie täglich begleitet haben. Aber ich bin natürlich auch sehr gerne bei meinen Eltern und meinem Bruder zu Besuch, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Eisenstein: Neben der Arbeit durchlaufe ich momentan eine mehrjährige Fortbildung, quasi ein duales Studium. Dort hab ich allerlei deutsche Gesetze für die Verwaltungspraxis im öffentlichen Dienst zur Hand. Fesselnde Lektüre, das kann ich Ihnen versichern (schmunzelt).

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Eisenstein: Ich sehne diese Normalität sicherlich genauso herbei wie jeder andere auch. Natürlich freue ich mich, wenn ich am Snookertisch auch wieder gegen jemanden spielen kann, anstatt ständig nur mit mir selbst zu trainieren. Die Bundesliga, die Grand Prix‘, Meisterschaften – all die Turniere, wo man Freunde und Kollegen des Sports trifft, das soll so schnell wie möglich wiederkommen. Aber ich brenne auch darauf, wieder Festivals zu besuchen und mit meiner Band Huckleberry‘s Wildest Dream Konzerte zu spielen, mit der Partnerin in den Urlaub zu fliegen und sorgenfrei am Strand zu liegen oder einfach mit Freunden ein blondes Kaltgetränk im eigenen Garten zu genießen. Ich glaube, wir werden irgendwann wieder dorthin kommen. Und wann das sein wird, liegt auch zum kleinen Teil an unserem eigenen Verhalten.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Eisenstein: Das dürfte in keiner Zeitung der Welt gedruckt werden.

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