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„Meine Corona-Zeit, Folge 13: Catcher Maurice Bendrien vom Baseball-Bundesligisten Untouchables Paderborn

„Komplett im Fühlmodus“

Paderborn

In der 13. Folge unserer Serie „Meine Corona-Zeit“ gibt Maurice Bendrien (21), Catcher beim Baseball-Bundesligisten Untouchables Paderborn, einen Einblick in sein Leben mit der Pandemie.

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Baseball-Nationalspieler Maurice Bendrien (Mitte) ist als Catcher in besonderer Weise gefordert. Er gibt seinen Pitchern mit einer Geheimsprache per Fingern taktische Zeichen. Foto: Jörg Manthey

Vor allem Yoga hat es dem Studenten angetan. Auf der Matte kann er eine Leere im Kopf erzeugen und Energie auftanken. Für die Stärkung des Mentalen, die Fokussierung auf ein Ziel, hilft ihm Darts.

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Maurice Bendrien: Zum Glück noch nicht allzu nah. Ich kenne zwei, drei Menschen persönlich, die sich mit dem Virus infiziert haben, aber keiner von denen kommt aus Paderborn. Ich bin daher sehr dankbar, dass mein Umfeld bis jetzt davon verschont geblieben ist.

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Bendrien: Definitiv Vertrauen und Gelassenheit. Der Leistungssport hat mich gelehrt, mich nur um die Dinge zu kümmern, die ich selbst in der Hand habe. Und nach diesem Motto gestalte ich nach wie vor mein Leben. Dazu gehört, alle Verhaltens- und Hygieneregeln einzuhalten, aber trotz der Einschränkungen das Beste daraus zu machen. Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich stets positiv denke und bleibe, denn so macht das Leben einfach mehr Spaß. Oder wie einst mein Lieblings-Schulleiter sagte: „Happiness can be found, even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.“ Von Albus Dumbledore.

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Bendrien: Das ist eine sehr gute Frage. Auf der einen Seite verstehe ich, dass der Amateursport ruhen muss, damit die sozialen Kontakte minimiert werden können. Andererseits verstehe ich auch jeden Einzelnen, der gerne wieder Sport in einer Gruppe treiben will. Die Entscheidung, ob der Amateursport nun Teil des Problems oder Teil der Lösung ist, überlasse ich Experten auf diesem Gebiet.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Bendrien: Ein Begrüßungsgesetz einführen. Jeder Mensch soll in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel an der Kasse beim Einkaufen oder beim aneinander Vorbeilaufen auf dem Bürgersteig, sein Gegenüber freundlich grüßen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber in der Realität leider viel zu selten passiert.

Was tun sie und wo tun sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Bendrien: Um meine körperliche Fitness auf Trab zu halten, gehe ich seit November wieder drei bis viermal die Woche ins Training. Ich bin sehr dankbar, dass der Ahorn-Sportpark uns Kaderathleten die Möglichkeit bietet, dank eines hervorragenden Hygienekonzepts weiter trainieren zu können. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Untouchables und den Ahorn-Sportpark für diese Möglichkeit. Gerade da es im Moment nicht selbstverständlich ist, Sport treiben zu dürfen, sehen wir es als unsere Pflicht, Vollgas zu geben, damit wir den Fans im Ahorn-Ballpark ein Baseballjahr 2021 bieten, das all den Frust der Pandemie verblassen lässt. Für meine geistige Fitness mache ich Yoga und spiele Darts. Beides bei mir in der Wohnung. Yoga befreit meinen Kopf und hilft mir gleichzeitig, an meiner Mobilität zu arbeiten. Beim Darts finde ich die mentale Seite des Sports beeindruckend. Man muss exakt im entscheidenden Moment das richtige Feld treffen, um zu gewinnen. Gleichzeitig bietet sich viel Zeit zu überlegen, zu zweifeln. Die Kunst ist es also, den Fokus auf das eine Ziel zu lenken. „Get your mind right!“ – einer von vielen Mantra-Sprüchen, den ich in meiner Zeit bei der Deutschen Baseball-Akademie gelernt und verinnerlicht habe. Das mentale Spiel ist auch beim Baseball entscheidend und macht auf Topniveau oft den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage. Ich finde, Darts hat in dieser Hinsicht viele Parallelen zum Baseball. Es hilft mir dadurch, weiter an meinem mentalen Baseballspiel zu feilen.

Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Bendrien: Ich habe definitiv realisiert, worauf es für mich im Leben ankommt. Dazu gehört auch, über das Leben als großes Ganzes nachzudenken, was ich erreichen und machen möchte. Auf Grundlage dessen haben sich auch meine Wahrnehmung und mein Denken angepasst. Ich glaube, diese Auszeit von der turbulenten Welt vor der Pandemie gibt uns allen genau diese Möglichkeit. Jeder Einzelne hat genug Zeit, um zu entscheiden, was er oder sie im Leben erreichen, machen und sehen möchte.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Bendrien: Über die Zeit ist meine Yogamatte immer mehr zum Ort geworden, an dem ich Energie auftanke. Für eine halbe Stunde probiere ich dort, meine Gedanken leer werden zu lassen und mich komplett in einen Fühlmodus zu begeben. Nach jeder Yoga-Einheit, die ich meistens morgens mache, fühle ich mich kraftvoll und bereit, den Tag anzugreifen.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Bendrien: Im Moment lese ich „Big Five for Life“ von John Strelecky. Eine absolute Empfehlung für jeden.

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Bendrien: Ich versuche immer, im Hier und Jetzt zu leben. So bemühe ich mich, sehr wenige Gedanken daran zu verschwenden, wann eine Normalität wieder anfangen könnte. Es gibt aber definitiv Momente, in denen ich mir die Normalität zurückwünsche. In solchen Momenten mache ich mir dann immer wieder klar, dass andere Menschen unglaubliche Schicksalsschläge durch die Pandemie hatten und haben. Und mache mir weiter klar, dass ich sehr dankbar sein kann, im Vergleich wenig von den Einschränkungen betroffen zu sein. Ich habe ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Tisch und kann meiner Bildung und meinem Sport nachgehen. Ich sehe keinen Grund, über meine persönliche Situation zu meckern.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Bendrien: Reicht jetzt!

m entscheidenden Moment das richtige Feld treffen, um zu gewinnen: Beim Dartsport gefällt Maurice Bendrien die mentale Herausforderung. Foto:
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