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Tischfußball: TFC Paderwahn Seniors steigen in die 2. Bundesliga auf

Mehr als ein Zeitvertreib

Paderborn

Immer, wenn der kleine Kunststoffball mit lautem Knall gegen die sogenannte Prallplatte schlägt, weiß der Kickerfreund, dass soeben ein Tor gefallen ist. Kickern ist vielen Zeitgenossen als Freizeitvergnügen in Gaststätten und Jugendeinrichtungen bekannt. Doch Kickern ist mehr als nur Zeitvertreib: Für manche ist es „Hochgeschwindigkeitsschach.“ Je besser die Spielenden, desto weniger spielt der Faktor Glück eine Rolle.

Die Seniors des TFC Paderwahn von links: Wolf Greiner, Axel Lindemann, Stefan Schanz, Horst Petersen (tritt in 2022 nicht mehr an), Sven Mindermann und Matthias Braun. Es fehlen Michael Döring und Philippos Gaglias. Foto: Privat

Tischfußball, so die korrekte Bezeichnung, wird längst in Vereinen ausgeübt, die in Dachverbänden organisiert sind. Neben den Landesverbänden regelt bundesweit der DTFB den Ligabetrieb bis hin zur 1. Bundesliga. International organisiert die ITSF (International Table Soccer Federation) Turnierserien und Weltmeisterschaften. Deutschland gehört zu den erfolgreichsten Nationen, speziell der Junioren- und Seniorenbereich wird dominiert.

Es braucht Hand-Augen-Koordination, Energie und Ausdauer: Kürzlich hat sich die Ü50-Seniorenmannschaft des TFC Paderwahn Paderborn für die 2. Senioren-Bundesliga qualifiziert. So dürfen Axel „Paul“ Lindemann, Wolf Greiner, Stefan Schanz, Sven Mindermann, Michael Döring, Matthias Braun und Philippos Gaglias in 2022 an zwei Spieltagwochenenden die Paderborner Farben gegen Mannschaften aus ganz Deutschland vertreten, von Hamburg bis Freiburg. Zusätzlich tritt das Team auch weiterhin in der Senioren NRW-Liga an, wo man sich in der abgelaufenen Saison für die 2. Bundesliga qualifizieren konnte. Besonders gefeiert wurde der 6:2 Erfolg über den OWL-Rivalen DSC Arminia Bielefeld.

Der in der kommenden Saison angestrebte Bundesliga-Klassenverberleib wird ein schwieriges Unterfangen. Die Gegner sind fast ausschließlich mit Spielern bestückt, die seit Jahrzehnten kickern. „Unser Team besteht hauptsächlich aus Quereinsteigern. Michael und Stefan sind eigentlich gelernte Basketballer, Sven und ich kommen vom Fußball“, sagt Matthias Braun aus Höxter. „In Paderborn haben wir eine sehr aktive und sympathische Community angetroffen. Dort haben wir Kurse belegt, die vom TFC im Rahmen des Hochschulsportprogramms angeboten werden – und dann Feuer gefangen.“

Gecoacht wird die Paderborner Seniorentruppe von Axel Lindemann, den alle nur „Paul“ rufen. Der Willebadesser hat bereits in frühen Jahren deutschlandweit Turniere besucht und ist der Spitzenspieler des Teams. Den organisatorischen Part übernimmt als Mannschaftskapitän Stefan Schanz aus Altenbeken, Lindemanns Doppelpartner.

Schanz und Lindemann haben in der vorigen Saison erstmals an den ITSF Leonhart World Series teilgenommen, mit beachtlichem Erfolg. Der Leonhart-Tischkicker ist das einzige bei der ITSF zugelassene deutsche Fabrikat. Das Turnier fand an drei Tagen im saarländischen St. Wendel statt und gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft auf dem Leonhart. In der Disziplin Seniorendoppel konnten die beiden Newcomer den ersten Platz in der B-Divison belegen. Beim Doppel im Classic-Modus sprang Position sechs in der A-Divison heraus.

Im Einzel belegte Lindemann nach der Vorrunde den Bronzerang im Feld der 70 Teilnehmer. Er musste sich nur dem späteren Turniersieger geschlagen geben, besiegte dafür zuvor einen deutschen Nationalspieler. In den K.o.-Spielen war gegen einen holländischen Nationalspieler Endstation. „Wir sind bei den World Series mit dem Ziel angetreten, uns respektabel zu verkaufen und internationale Erfahrung zu sammeln. Mit diesen Ergebnissen hätten wir niemals gerechnet“, erzählt Stefan Schanz. „Für die meisten Gegner waren wir völlige Nobodies. Nach den Begegnungen wurden wir mehrfach erstaunt angesprochen, wer wir denn eigentlich seien.“

Die Ergebnisse kommen nicht von ungefähr, sondern resultieren aus intensivem Training. „Der Aufwand ist schon beachtlich. Ich stehe beinahe täglich am Tisch und übe dort diverse Techniken. Bis eine Schusstechnik im Spiel auf Wettbewerbsniveau sicher angewendet werden kann, sind bis zu 2000 Wiederholungen nötig. Hinzu kommen wöchentliche Treffen mit meiner Trainingsgruppe, die aktuell nur in privatem Rahmen stattfinden können“, erklärt Schanz. „Unsere Paderborner Spielorte im Black Sheep und in der Akka sind pandemiebedingt leider weggebrochen.“ So wurde mit Hochdruck nach einem bezahlbaren Vereinsheim besucht. Die Paderwahn-Crew ist in Neuenbeken fündig geworden. Am 1. März wird das neue Vereinsdomizil bezogen. „Dennoch bemühen wir uns weiterhin um Spielorte in Paderborn, gerne auch in Zusammenarbeit mit Gaststätten“, merkt Stefan Schanz an und müht sich um ein ernstzunehmendes Image. „Immerhin gehören wir mit gut 80 aktiven Mitgliedern und vielen weiteren Gelegenheitsspielern zu den größten Kickervereinen in NRW. Daher sollten wir ein attraktiver Partner sein, gerade auch für Sponsoren, die im Sport mittlerweile unverzichtbar sind“, appelliert Vorstandsmitglied Schanz an die Paderborner Wirte und Unternehmen um Unterstützung.

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