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Bogensport: Ludwig Assling feiert Titel beim Heimspiel – Varler glänzen als Gastgeber

Meisterschützen und Rekorde bei DM in Varl

Varl

Schießen wie einst Robin Hood: Die Deutschen Meisterschaften im Bogenschießen lockten hundert Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet ins kleine Varl. Die heimische Bogensportabteilung trumpfte dabei nicht nur als Ausrichter groß auf.

Von Alexander Grohmann

Spannung liegt in der Luft: Bei den Deutschen Meisterschaften in Varl trafen die Bogenschützinnen und -schützen auch ohne Zielhilfe aus 50 Metern ins Gold. Das Wetter spielte an beiden Tagen mit. Foto: Alexander Grohmann

Besser hätte das große Wochenende für die Bogensportabteilung der Schützengilde Varl nicht laufen können. Bei den von den heimischen Sportlern ausgerichteten Deutschen Meisterschaften für „Bögen ohne Visier“ klappte die Organisation von Anfang bis Ende blendend – und als Krönung gab es einen Meistertitel obendrauf.

Ludwig Assling, Abteilungsleiter des SC Bogensport Varl, triumphierte in der Altersklasse Ü55 mit dem Langbogen mit großem Vorsprung und stellte bei seinem Heimspiel zwei neue Deutsche Rekorde auf. Assling knackte mit 306 Punkten nicht nur die bisherige Bestmarke auf 40 Meter, dem Varler Bogensport-Ass gelang in den vier zu absolvierenden Durchgängen auch eine neue Gesamtbestleistung (1172 Punkte). Damit überbot Ludwig Assling zugleich den Rekord im Deutschen Bogensport-Verband (DBSV), den er bis dato selbst gehalten hatte (1157). „Es hätte schlechter laufen können“, zog der Mann vom Ausrichter mit einem zufriedenen Lächeln trocken Bilanz.

Verlor trotz der organisatorischen Aufgaben nicht die Spannung im Wettkampf: Varls Abteilungsleiter Ludwig Assling stellte beim Heimspiel zwei neue Deutsche Rekorde auf. Foto: Alexander Grohmann

Etwa hundert Bogensportlerinnen und -sportler aus ganz Deutschland kämpften auf dem Fußballplatz von Union Varl an zwei Tagen um die Titel. „Es hat nur fünf Absagen gegeben, das ist selten“, sagte Assling über die hohe Starterfüllung. Die Teilnehmer bekamen einen perfekt organisierten Wettkampf geboten. Es gab viel Lob für die rührige Varler Bogensport-Abteilung, aus der mehr als 20 Helferinnen und Helfer zum Gelingen beitrugen. Nach der Absage der Veranstaltung im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie genossen die Varler nun doch noch ihr DM-Erlebnis.

Auf dem weiträumigen Sportgelände im „United Park“ herrschten ideale Bedingungen. Auf einem der Fußballplätze hatten die Helfer die 27 Zielscheiben aufgebaut, die über zwei Tage in einer Tour „befeuert“ wurden. Zur Verfügung standen den Sportlern Jagd- oder Langbögen ohne Visier, das Zielen wurde somit vor allem auf die großen Entfernungen zur Kunst.

Während am ersten Wettkampftag die Durchgänge über 50 und 40 Meter auf dem Programm standen, waren die Teilnehmer am Sonntag auf 30 und 20 Meter gefordert. Ein Treffer „ins Gold“, also ins Zentrum der Scheibe, wird mit den maximalen zehn Punkten belohnt. Die Punktzahl im ersten Durchgang (50 Meter) fällt somit traditionell niedriger aus.

Karin Wirth vom BSV Werste wird Deutsche Vize-Meisterin

Neben Assling starteten für Bogensport Varl auch Rosa Janwlecke (Damen Ü50 Jagdbogen), die nach einem durchwachsenen ersten Tag am Ende Deutsche Vize-Meisterin wurde, und die junge Mia Willmann (Damen Blankbogen), die in ihrer Klasse Fünfte wurde. Für den BSV Werste (Bad Oeynhausen) mischte Karin Wirth (Damen Ü50) mit, die sich mit starken 1092 Punkten den zweiten Platz und somit einen Platz auf dem Siegertreppchen sicherte.

Ihr Vereinskollege Wolfgang Wirth spürte dagegen einen gewissen Trainingsrückstand. „In der Corona-Zeit konnte man ja höchstens im Garten mal auf 20 Metern üben“, so der Werster, der bei den Herren Ü55 mit dem Blankbogen aber immerhin auf 907 Punkte in der Endabrechnung kam – Platz acht.

Ampelanlage, Konzentration und Gummistiefel

Das beste Ergebnis des gesamten DM-Wochenendes gelang Heiko Poppe (Schwedt) mit dem Blankbogen – 1247 Punkte nach vier Durchgängen standen für den Meisterschützen zu Buche. In drei Durchgängen knackte der Sieger in der Ü55-Klasse die 300-Punkte-Marke. Auf 20 Metern standen sogar 331 Ringe zu Buche. Zum Vergleich: Bei 360 Punkten hätte man jeden der 36 Pfeile genau in der Mitte der Scheibe (80 Zentimeter Durchmesser) versenkt. Kaum zurückstehen musste Isabell Bärwolf (Weißensee), die in der Klasse Damen Jagdbogen mit 1207 Punkten den Titel abräumte.

Zwölf Mal drei Pfeile, eine sogenannte Passe, werden bei der DM pro Durchgang geschossen. Eine Ampelanlage läutet das Zeitintervall ein, das den Sportlern für ihre Versuche bleibt. Während des Konzentrationsvorgangs herrscht gespannte Stille im Varler „United Park“, die erst von dem Schnippen der Sehnen unterbrochen wird, das zu hören ist, wenn die Schützen ihre Pfeile auf die 27 Zielscheiben abfeuern. Mit einem Fernglas überzeugt sich anschließend der oder die Schützin schon einmal, ob der Versuch erfolgreich gewesen ist.

Kampfrichter Werner Ripkens (Geldern) hatte auf dem Sportplatz in Varl die Aufsicht. Er war von der Organisation der Gastgeber angetan und hatte nichts zu beanstanden. Foto: Alexander Grohmann

„Entschieden wird ein Wettkampf meist auf 50 oder 30 Metern“, erklärt Kampfrichter Werner Ripkens (Geldern). Denn bei den kürzeren Distanzen an Tag zwei wird auf kleinere Scheiben gezielt. „Wer sich am schnellsten darauf einstellt, macht die Ringe“, so Ripkens. 144 Pfeile an zwei Tagen – das geht nicht nur in die Arme. „Man zieht über den Wettkampf verteilt drei Tonnen, sagt man“, verweist Ripkens auf die Belastung.

Gut im Rennen liegt nach Tag eins Dennis Druffel (Herren Langbogen). Sorgen bereitet dem Sportler des SV Diestedde allerdings der Wetterbericht. „Wenn es morgen regnet, wird es ein anderer Wettkampf“, sagt Druffel mit sorgenvollem Blick. Denn bei Regen werden die Pfeile unberechenbar. „Der Schwerpunkt verändert sich dann total.“

Dennis Druffel (links) zählt nach einer Passe (drei Pfeile) an der Scheibe seine Punkte zusammen. Beim Auszählen kontrollieren sich die Bogensportler gegenseitig. Foto: Alexander Grohmann

Die Sorgen sind zum Glück unbegründet. Das gute Wetter hält auch am zweiten Tag bis zum Ende des Wettkampfs. Dabei haben sich ein paar Teilnehmer für eine mögliche Schlammschlacht gewappnet, kommen morgens mit Gummistiefeln aufs Gelände .

Bei der Siegerehrung am Nachmittag knallt die Sonne vom Himmel. Die Stimmung am Sportplatz ist blendend. Die Varler haben sich als tolle Gastgeber erwiesen – das ist am Ende sogar fast mehr wert als ein Deutscher Rekord.

Gäste in der Gartenhütte

„Wir Bogensportler sind eine große Familie“, sagt Ludwig Assling. Der Vorsitzende der Varler Bogensportler hat dieses Motto bei den Deutschen Meisterschaften am Wochenende selbst mit Leben erfüllt. Gleich vier Teilnehmern gewährte der Rahdener über die Turniertage bei sich „Asyl“.

Weil nur ein Gästezimmer zur Verfügung stand, quartierten sich zwei Bogensportler von den Schwanfeld Forest Archers (Bayern) in der Gartenhütte Asslings ein. Unter ihnen mit Helmut Römmelt übrigens auch ein langjähriger Rivale des Varlers. „Er hat mir schon einige Rekorde abgeknöpft“, sagt Assling über Römmelt, mit dem er sich blendend versteht. „Unter Bogensportlern gibt es nicht diesen Konkurrenzkampf. Da freut man sich mit dem Anderen, wenn der drei Mal ins Gold trifft.“ So war es auch selbstverständlich, dass Assling seine Gäste am Samstagabend zum Essen in den „Speukenkieker“ einlud.

DM-Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten die Reise nach Varl angetreten. Der Großteil kam in den umliegenden Hotels und Gasthöfen unter. Andere übernachteten im Wohnwagen neben der Anlage oder schlugen – wie ein Magdeburger – sogar das Zelt auf. „Das war allerdings nicht ganz so bequem wie gedacht“, berichtete der Sportler von einer kurzen Nacht.

Liebe zum Detail: Mit Deutschland-Fahnen wiesen Varls Bogensportler auf den Austragungsort der DM hin. Die Meisterschaft, im Sommer 2020 eigentlich als Programmpunkt der Varler 750-Jahr-Feier gedacht, war wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben worden. Foto: Alexander Grohmann

Der Ausrichter hatte mit viel Aufwand und Liebe fürs Detail dafür gesorgt, dass kein Auswärtiger den „United Park“ verfehlen konnte. Neben Zielscheiben, die an Kreuzungen als Wegweiser angebracht waren, deuteten zahlreiche Deutschland-Fahnen auf den Zielort der Deutschen Meisterschaften hin.

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