1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Speer: „Einfach genießen“

  6. >

Baseball: Untouchables Paderborn gastieren im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft bei den Bonn Capitals

Speer: „Einfach genießen“

Paderborn

„Es liegt eine andere Stimmung in der Luft. Das sind die Spiele, für die wir das ganze Jahr über trainieren. Um solche Matches wie jetzt die in Bonn zu spielen“, sagt Jendrick Speer entschlossen. In der Rheinaue in Bonn-Hochkreuz gilt‘s: Die Untouchables Paderborn fahren Samstag mit dem festen Vorsatz in den Ballpark der Bonn Capitals, an der deutschen Baseball-Hierarchie zu rütteln und den Hausherren die erste Niederlage in dieser Meisterschaft beizubringen.

Von Jörg Manthey

Hoffnungsträger für einen starken Auftritt im zweiten Spiel am Sonntagmittag: Pitcher Angel Duno. Foto: Elmar Neumann

„Bonn ist ohne Frage eine super Mannschaft. Was mich positiv stimmt, ist unsere Entwicklung“, erzählt der erfahrene U‘s-Headcoach. „Wir befinden uns in einer guten Form und sind an den zurückliegenden Spieltagen richtig gut zusammengewachsen. Ich baue auf die Stimmung, die gerade im Team herrscht, und glaube, das werden Duelle auf einem gleichen Niveau.“

Im DM-Halbfinale am Samstag (18 Uhr) und Sonntag (13 Uhr, im Falle eines Splits fällt die Entscheidung im dritten Duell ab 16.30 Uhr) sprechen indes zahlreiche Faktoren gegen den angestrebten Clou. Bonn ist in mehrfacher Hinsicht im Vorteil, angefangen beim Heimrecht. Stichwort Saisonvorbereitung: Als der Ahorn-Ballpark noch gesperrt war, absolvierte der Gegner längst Freundschaftsspiele. Oder das direkte Aufeinandertreffen in der Saison. Beide Punktspiele in Bonn gingen verloren, 3:8 (nach 3:0-Führung) und 10:11 (nach 2:11-Rückstand). Die offensivstarken Caps marschierten mit 14:0-Siegen durch die Saison und schossen im Viertelfinale die Dohren Wild Farmers ab (21:5, 10:6).

Nicht zu vergessen die internationalen Meriten: Bonn nahm als deutscher Vertreter am Champions Cup im tschechischen Ostrava teil, arbeitete sich im Spitzenfeld bis ins Endspiel vor und unterlag dort Italiens Topklub ASD Parma mit 4:6; nach 3:0-Führung. „Respekt für diesen Erfolg. Baseball auf europäischem Topniveau zu spielen, ist natürlich immer gut. Das war für die wie ein Trainingslager während der Saison“, lobt Speer. Mit Sascha Koch oder dem Australier Wilson Lee haben die Gastgeber Top-Pitcher in ihren Reihen.

Nicht zuletzt ein Rückblick in die jüngere Historie hebt die Caps auf den Favoritenschild. Seit 2015 schlossen sie sechs Mal als Nordmeister ab, seit 2017 haben die Bonner regelmäßig das DM-Finale erreicht. Dort steht drei Niederlagen gegen die Heidenheimer Heideköpfe der bislang einzige Titelgewinn im Jahre 2018 gegenüber. In der Rheinaue gab‘s für Paderborn schon länger nichts zu holen.

Trotz der vermeintlich wenig erfolgsversprechenden Vorzeichen bleibt Jendrick Speer ruhig. „Das ist Sport, und da kann alles passieren.“ Nicht zuletzt die Erfahrungen aus dem souverän gestalteten Viertelfinale gegen die Hamburg Stealers machten stark. „Daraus haben die Jungs Selbstvertrauen gezogen.“ Der deutsche Rekord-Nationalspieler hofft, dass seine Spieler Anfangsnervosität rasch ablegen und Frechheit aufbauen können. Sein Rat: „Gute Spieler sind auch in Stresssituationen ruhig. So können sie überlegtere und bessere Entscheidungen treffen. Diese Einstellung gilt es zu verinnerlichen.“

Bonns Headcoach Max Schmitz ahnt wohl, dass seinem Team Schwerstarbeit bevorsteht, dass sich ein anderes Paderborner Team präsentieren wird als noch im Juni. Schmitz: „Sie sind in jedem Fall stark einzuschätzen, sind durch ihre Verstärkungen ausbalancierter. Wir werden sie in keinem Fall unterschätzen.“

Die Untouchables checken im nahen Maritim-Hotel ein. Vieles steht und fällt mit der Tagesform. „Der Ausgang des ersten Spiels ist richtungsweisend. Wer das gewinnt, ist im Vorteil“, so Speer. Sein Appell: „Wir können frei aufspielen. Lasst uns diese Partien einfach genießen.“

Personell wird sich kaum etwas ändern. Daniel Hinz steht nur punktuell zur Verfügung. Wenn seine Schlagkraft benötigt wird, so Speer. Ein Comeback Nadir Ljatifis ist ausgeschlossen. „Das Thema ist durch. Nach weiteren Untersuchungen haben wir ihn komplett auf Eis gelegt. Er soll seine Rückengeschichte in Ruhe auskurieren. Nadir wird erst im April 2022 wieder für uns einsatzbereit sein.“

Startseite