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Abellios letzter Tag: Übergabe der Züge bis Mitternacht

Hagen (dpa/lnw)

Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde der Bahnverkehr liberalisiert, auch in NRW drängten Regionalbahn-Firmen auf den Markt und boten der DB Regio die Stirn. Einer der großen Bahn-Konkurrenten verschwindet nun vom Markt in NRW.

Von dpa

Ein von Unbekannten besprayter Zug des Bahnunternehmens Abellio im Hagener Hauptbahnhof. Foto: Alex Talash/dpa/Archivbild

Zum letzten Mal sind am Montag auf wichtigen Pendlerstrecken Nordrhein-Westfalens Züge des Regionalbahn-Unternehmens Abellio unterwegs gewesen. Für den Abend war die Einstellung des Betriebs vorgesehen. Man werde die Züge wie verabredet bis Mitternacht den Nachfolge-Linienbetreibern übergeben, sagte ein Firmensprecher am Montagnachmittag in Hagen. Hierbei verlaufe alles nach Plan.

Die finanziell schwer angeschlagene Firma scheidet aus dem Markt in Nordrhein-Westfalen aus, die Bahnfirmen DB Regio, National Express und Vias übernehmen die Strecken. Noch am Abend sollten die Züge mit den Logos und Kennzeichen der neuen Betreiber beklebt werden. Ab Dienstag früh betreiben dann die Nachfolgeunternehmen wichtige NRW-Linien wie etwa den RE 1 (Hamm-Aachen), RE19 (Düsseldorf-Arnheim) und die S7 (Solingen - Wuppertal).

In Nordrhein-Westfalens Schienen-Personen-Nahverkehr (SPNV) war Abellio das zweitgrößte Unternehmen, die Züge und S-Bahnen fuhren pro Jahr mehr als 21 Millionen Kilometer - grob gesagt jeder sechste Zugkilometer in dem Bundesland ging auf das Konto von Abellio.

Doch für die Tochterfirma der Niederländischen Staatsbahn war das Geschäft hoch defizitär, da sich Personalkosten und Baustellen-Folgekosten etwa für Schienenersatzverkehr mit den Jahren deutlich erhöht hatten. Nachverhandlungen mit den Nahverkehrsverbünden über bessere Konditionen brachten nicht das von Abellio gewünschte Ergebnis. Stattdessen setzten die Verbünde auf Notvergaben und die anderen Bahnfirmen bekamen den Zuschlag.

Die Abellio Rail GmbH wird ab Februar liquidiert. Von ihren zuletzt 1080 Lokführern, Zugbegleitern und anderen Beschäftigten kamen zwischen 90 und 95 Prozent bei den drei Nachfolgebetreibern unter, wie aus informierten Kreisen verlautete. Einige Mitarbeiter sattelten beruflich um und wechselten in andere Branchen. Noch bis Ende Februar gilt ein Übergangsfahrplan für die bisherigen Abellio-Linien, der insgesamt weniger Züge vorsieht als im Normalbetrieb. Grund für das abgespeckte Angebot sind Personalengpässe.

Das vorzeitige Abellio-Aus und kurzfristige Einspringen anderer Unternehmen in Nordrhein-Westfalen verursacht allein bis Ende nächsten Jahres Mehrkosten von rund 167 Millionen Euro - 92,5 Millionen Euro 2022 und 74,5 Millionen 2023. Das hat das NRW-Verkehrsministerium vor kurzem mitgeteilt. Das Geld werde etwa für das kurzfristige Einstellen von neuem Personal und Ersatzverkehre per Bus in der Zeit des Übergangs benötigt.

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