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Agrargroßhändler

Agravis: Weiter steigende Preise durch Ukraine-Krieg

Münster/Hannover (dpa)

Der Angriff auf die Ukraine wird auch Konsequenzen für die Preise von und die Versorgung mit Nahrungsmitteln haben. Weil das Land nicht nur viel Getreide anbaut, droht eine Knappheit von Agrarrohstoffen in vielen Ländern. Wie sieht ein großer Marktakteur die Lage in Europa?

Von dpa

Ein Lastwagen mit Futtermittel fährt über das Produktionsgelände in Münster. Foto: Caroline Seidel/dpa/Archivbild

Europas zweitgrößter Agrarhändler Agravis hält infolge des Krieges in der Ukraine eine nochmalige Verteuerung von Lebensmitteln für wahrscheinlich. Die schon zuvor verzeichneten Zuwächse dürften vorerst anhalten. Verbraucher müssten mit steigenden Preisen rechnen, hieß es am Freitag aus dem Konzern.

Vorstandschef Dirk Köckler stufte die Auswirkungen des russischen Angriffs für den internationalen Handel mit Agrarrohstoffen wie Getreide und Ölsaaten insgesamt noch als beherrschbar ein. «Aufgrund überwiegend langfristig abgeschlossener Kontrakte mit Industrie und Landwirtschaft ist die Versorgung mit Betriebsmitteln in den nächsten Monaten sichergestellt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Der Rohstoffpreis-Anteil ist bei vielen Nahrungsmitteln - etwa Brot - zwar meist relativ gering. Aber größere Ausschläge zum Beispiel durch Knappheit nach schlechten Ernten oder bei politischen Konflikten können sich durchaus im Geldbeutel der Endkunden bemerkbar machen. Köckler verwies außerdem auf die stark zunehmenden Kosten für Energie sowie für Dünge- und Pflanzenschutzmittel, die viele Bauern belasten.

Für Landwirte mit Tierhaltung spielen überdies die Futtermittelpreise eine zentrale Rolle. Hier sei die Belieferung derzeit ebenfalls noch gesichert, sagte Köckler. Wegbrechende Einfuhren von Sonnenblumenöl aus der Ukraine könnten beispielsweise mit Rapsöl aufgefangen werden.

Die Ukraine gilt als Kornkammer Europas. Sie ist aber auch ein wichtiger Exporteur von Ölsaaten wie Raps oder Sonnenblumen. Die Bedeutung der Landwirtschaft ist groß: Nach UN-Daten waren Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste 2020 mit insgesamt 19,1 Prozent die größte Warengruppe unter allen Ausfuhren - deutlich vor Stahlprodukten (15,6 Prozent). Fette, Öle und Wachse tierischen oder pflanzlichen Ursprungs kamen mit 11,7 Prozent auf den dritten Rang.

Die Agrarminister der sieben großen Industrienationen beraten am Freitag über die Auswirkungen des Krieges auf die Ernährungssicherung - denn die Effekte können Experten zufolge weitreichend sein. In der EU sind Länder wie Frankreich oder Deutschland zwar ebenso große Akteure auf dem Getreidemarkt. Doch auch die ukrainischen Exporte können die Preise global beeinflussen - nicht zuletzt für Entwicklungsländer.

Die Agravis Raiffeisen mit Hauptsitz in Münster beobachtet die politische und klimatische Lage in den Gebieten um das Schwarze Meer laufend. In der Vergangenheit hatten Dürren in der Ukraine, in Moldawien, in Russland und in Kasachstan zu Ernteeinbußen geführt, welche die Kosten für Lebensmittelrohstoffe teils merklich ansteigen ließen.

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