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Rhein-Sieg-Kreis

Amokalarm an Schule: Entwarnung und Erleichterung

Siegburg (dpa/lnw)

Schrecken an einer Realschule in Siegburg: Ein Unbekannter soll dort mit einer Waffe hantiert und in die Luft geschossen haben. Es wird Amokalarm ausgelöst, die Polizei rückt mit Spezialkräften an. Dort gibt es später Entwarnung. Sorgen macht ein verdächtiger Gegenstand.

Von dpa

Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen am Siegburger Bahnhof. Foto: Henning Kaiser/dpa

Ein Amokalarm an einer Realschule und ein verdächtiger Rucksack haben die Polizei und mehrere Spezialeinheiten am Mittwoch in Siegburg bei Bonn stundenlang in Atem gehalten. Am Nachmittag stand zur Erleichterung von Einsatzkräften sowie Schülern und Lehrern zunächst fest, dass an der Alexander-von-Humboldt-Schule nichts Schlimmes passiert oder zu erwarten war. Um kurz vor 15.00 Uhr twitterte die Polizei unter den Hashtags «Aktueller #Einsatz #Siegburg #Gefahrenlage», dass die Durchsuchung der Realschule abgeschlossen sei und alle Kinder wohlbehalten ihren Eltern übergeben wurden. Gut drei Stunden später konnte auch ein weiterer Einsatz wegen eines verdächtigen Gegenstands, der an einem Berufskolleg unweit der Schule gefunden worden war, beendet werden.

Zuvor hatte am Vormittag einiges auf eine größere Gefahrenlage hingedeutet. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte eine Zeugin auf dem Schulgelände eine vermummte Person beobachtet, die mit einer Waffe hantiert und in die Luft geschossen haben soll. Weitere Zeugen hatten Knallgeräusche vernommen. Amokalarm wurde ausgelöst.

Sofort rückte ein Großaufgebot der Polizei aus, Spezialeinsatzkräfte (SEK) wurden hinzugerufen. Das Gelände rund um die Gesamtschule wurde weiträumig abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste stundenlang über dem Gebiet.

Knapp zwei Kilometer von der Schule entfernt an einem Siegburger Berufskolleg wurde parallel zu dem Vorfall an der Schule ein verdächtiger Gegenstand unter einem Fahrzeug entdeckt, teilte die Polizei nachmittags per Twitter mit. Der Gegenstand entpuppte sich als Rucksack. Ein «Entschärfer» des Landeskriminalamts (LKA) nahm ihn in Augenschein. Ob ein Zusammenhang mit dem Amokalarm an der Schule besteht, konnte die Polizei noch nicht sagen. «Das wird noch geprüft», so ein Sprecher.

Für die Zeit der Untersuchung des Rucksacks auf dem Parkplatz des Berufskollegs sollte zunächst im Umkreis von 400 Metern alles geräumt werden, darunter auch Wohn- und Geschäftsräume. Kurz darauf hieß es von der Polizei, nach Einschätzung des LKA-Spezialisten sei eine solch große Räumung nicht notwendig. Es genüge, im unmittelbaren Gefahrenbereich zu evakuieren und im Radius von 400 Meter abzusperren. Am frühen Abend war dann endlich klar, dass auch von dem Rucksack keine Gefahr ausging. «Die Untersuchung des verdächtigen Gegenstandes verlief negativ. Die polizeilichen Absperrungen werden schrittweise aufgehoben», hieß es von der Kölner Polizei. Der gesamte Einsatz konnte nach gut sieben Stunden beendet werden.

Geräumt wurde zuvor der nahe gelegene Siegburger Bahnhof, auch ein Streckenabschnitt der Bahn wurde laut DB Regio gesperrt. Der Zugverkehr wurde vorübergehend eingestellt. Es kam zu Verspätungen und Zugausfällen im Regionalverkehr. Auch der Fernverkehr auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln wurde lahmgelegt. Züge mussten laut Deutscher Bahn weiträumig umgeleitet werden und konnten nicht in Siegburg/Bonn, Montabaur und Limburg-Süd halten.

Zunächst hatten sich Schüler und Lehrer der Realschule - wie üblich bei solchen Alarmmeldungen - in den Klassenräumen eingeschlossen. Später wurden dann alle von Polizeikräften aus der Schule begleitet. Beamtinnen und Beamte durchsuchten das ganze Gebäude - ohne Ergebnis. Verdächtige Personen oder Gegenstände wurden nicht gefunden.

Draußen vor der Realschule hatten Beamte Reste von Knall- und Feuerwerkskörpern gefunden. Berichte über gefundene Munition oder Patronenhülsen erwiesen sich als Falschmeldungen. Unterdessen war längst eine Fahndung nach Verdächtigen angelaufen. «Es wurden mehrere Personen angetroffen, auf die die Täterbeschreibung passte. Sie wurden von uns überprüft», sagte der Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. «Von einer Festnahme kann man aber nicht sprechen.» Später hieß es zunächst, es seien «zwei junge Männer» überprüft, mit nach Köln genommen und dort vernommen worden.

Wie die Polizei am Abend mitteilte, handelte es sich bei einem der Männer um einen 14-Jährigen, auf den die Täterbeschreibung zutraf, der aber nach einer Überprüfung und der Durchsuchung seiner Wohnung als unverdächtig entlassen worden sei. Der andere Mann war laut Polizei ein 52-Jähriger, der ebenfalls als unverdächtig entlassen wurde.

Darüber hinaus entschieden die Verantwortlichen, einen für den Abend geplanten St.-Martins-Zug durch die City von Siegburg abzusagen.

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