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Fußball

Bielefeld: «Papa» Kostmann und ein Ausgleich als «Kick»

Bielefeld (dpa/lnw) -

In der 90. Minute des Spiels gegen Hertha BSC schien Arminia Bielefeld so gut wie abgestiegen. Der Ausgleich von Joakim Nilsson in der Nachspielzeit schürt die Hoffnung auf die Relegation. Und lässt Arminia nun gar an einen psychologischen Vorteil glauben.

Von Holger Schmidt, dpa

Fans jubeln im Stadion. Foto: Bernd Thissen/dpa/Symbolbild

Erst das große Zittern, dann die große Erleichterung: Als sie dem fast sicheren Abstieg nochmal von der Schippe gesprungen waren, feierten Fans und Spieler von Arminia Bielefeld als stünde der Klassenerhalt schon fest. Platz 17, nur zwei Punkte und drei Tore aus den letzten neun Spielen, die zweitschlechteste Bilanz ihrer Bundesliga-Geschichte zu diesem Zeitpunkt - die Zahlen sprechen im Abstiegskampf weiter klar gegen die Ostwestfalen. Doch der Ausgleich von Joakim Nilsson zum 1:1 gegen Hertha BSC in der Nachspielzeit wirkte euphorisierend.

«Wir hatten die ganze Zeit im Hinterkopf: Wenn du hier verlierst, bist du raus», sagte Ex-Nationalspieler Gonzalo Castro: «Deshalb kann der Punkt uns einen Kick geben.» Und plötzlich sehen sie auf der Alm sogar einen psychologischen Vorteil. «Wir spielen nun schon am Freitag in Bochum. Da können wir richtig Druck aufbauen», sagte Castro. Denn mit einem Sieg 130 Kilometer entfernt vom eigenen Stadion könnte die Arminia am vorletzten Spieltag vorübergehend auf den Relegationsplatz springen. «Und Stuttgart muss am Samstag zu den Bayern», sagte Castro: «Dann schauen wir mal, wie es danach aussieht.»

Einen Kick dieser Art hat die Arminia aber auch dringend gebraucht. Die pure Leistung gegen die Hertha gab nämlich eigentlich wenig Anlass zum Optimismus. Die Verunsicherung war greifbar, Nilssons Ausgleich erst die zweite Torchance im gesamten Spiel. Andererseits gaben die Bielefelder nie auf und ließen sich nicht unterkriegen. Nicht durch den Rückstand, nicht durch einen verweigerten Strafstoß, nicht durch die scheinbare Aussichtslosigkeit der Situation.

Das ist laut des erfahrenen Castro das Verdienst von Interimstrainer Marco Kostmann. «Er hat einen neuen Impuls gegeben», sagte 34-Jährige: «Die Jungs glauben wieder an sich. Er ist einfach eine Erscheinung. Und nimmt mit seinem Papa-Sein sehr viel Druck von ihnen.» Der vor knapp zwei Wochen vom Torwart-Trainer zum Chefcoach beförderte Kostmann reagierte mit einem Lächeln. «Ich bin 1,90 Meter, meine Frau ist auch 1,80 Meter», sagte er: «Da wäre schon einiges komisch gelaufen, wenn Gonzalo Castro unser Sohn wäre.» Der misst nämlich nur 1,71 Meter.

Die Devise für das Spiel in Bochum ist jedenfalls klar. «Dort müssen wir alles oder nichts gehen», sagte Castro. Und Kostmann, mit einer zweijährigen Unterbrechung seit 2011 im Verein, versprühte nach dem Punkt, den er «Arminia like» nannte, Optimismus. «Wir haben schon viel erlebt mit Arminia», sagte er: «Das stärkt.»

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