1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. NRW
  4. >
  5. Kegelclub aus Münster auf Mallorca: Acht Mitglieder weiterhin in U-Haft

  6. >

Brand auf Mallorca

Acht Kegelbrüder weiter in U-Haft – Hilfe für Angehörige in Münster

Münster

Nach einem Brand eines Restaurant auf Mallorca sind inzwischen fünf Kegelbrüder wieder frei. Die weiteren acht sitzen nun seit etwa einem Monat in Untersuchungshaft. Die Angehörigen in Münster bekommen besondere Unterstützung.

Von Ralf Repöhler, Thomas Schubert, Gunnar Pier und dpa

Acht Kegelbrüder aus Münster und Umgebung sitzen weiter auf Mallorca in Untersuchungshaft. Sie sollen für den Brand in diesem Lokal zuständig sein, beteuern jedoch ihre Unschuld. Foto: dpa

Seit gut einem Monat sitzen acht Kegelbrüder aus Münster und Umgebung auf Mallorca in Untersuchungshaft. 13 Kegelbrüder waren Ende Mai auf der Ferieninsel festgenommen worden, fünf wurden bereits wieder freigelassen.

Die Zukunft der acht inhaftierten Männer ist ungewiss. Den Männern wird vorgeworfen, bei einer privaten Party auf den Balkonen der Hotelzimmer brennende Zigarettenkippen und Alkohol auf das Terrassendach einer Gaststätte geworfen zu haben.

Männer "beteuern ihre Unschuld"

„Sie beteuern alle nach wie vor ihre Unschuld“, sagt Pfarrer Holmfried Braun von der evangelischen Gemeinde auf Mallorca. Zusammen mit seinem Team und dem Kollegen der katholischen Gemeinde besuchte er die jungen Männer aus Münster und Umgebung Mitte Juni.

„Es war ein intensives Gespräch, bei dem zum ersten Mal alle acht Insassen sich in einem Raum trafen und gemeinsam austauschen konnten“, erzählt Braun. „Sie schilderten, dass sie kurz vor dem Brand essen waren und sich zum Ausgehen fertig machten“, sagt Pfarrer Braun. Er selbst habe Fotos von zwei Kegelbrüdern auf dem Balkon kurz vor dem Ausbruch des Feuers gesehen. „Da war nichts von wilder Party zu erkennen“, so Braun. Als das Feuer ausbrach, hätten sie „aus dem Inneren heraus geholfen“ – wie Feuerwehrleute eben: Sie hätten geholfen, das ­Hotel zu räumen, darauf geachtet, dass kein Auto mehr in die Straße einbiegt.“

"Wie konnte uns das passieren?"

Die Frage, die im Gespräch immer wieder auftauchte und doch nicht beantwortet werden kann: „Wie konnte uns das passieren? Wir ­wollten doch nur Urlaub ­machen.“

Am Wochenende reisten Angehörige und Freundinnen der Kegelbrüder nach Mallorca, um sie im Gefängnis zu besuchen. Denn noch ist unklar, wie es mit den acht Kegelbrüdern weitergeht.

Doch auch für die Angehörigen ist die Situation schwierig. Deshalb bekommen sie in Münster psychologische Hilfe vom Psychosozialen Unterstützungsteam (PSU) der münsterischen Feuerwehr. Das Team soll die Angehörigen dabei unterstützen, mit der belastenden Situation umzugehen.

Die ersten Kegelbrüder sind zurück in Münster

Die bislang fünf aus der Untersuchungshaft in Mallorca entlassenen deutschen Touristen sind zurück in Münster und Umgebung. „Sie berichten, dass sie in der U-Haft gut behandelt wurden und sich gegenseitig unheimlich gestärkt haben“, heißt es aus ihrem Umfeld.

Vier junge Männer sind gegen die Zahlung einer Kaution von je 12 .000 Euro freigelassen worden. Einer ist ohne Auflagen aus dem Gefängnis gekommen, weil er offenbar nachweisen konnte, dass er im Hotel unter der Dusche gestanden habe, als das Feuer ausgebrochen war.

Männer sollen Feuer verursacht haben

Die Kegelbrüder aus Münster und Umgebung im Alter von 24 bis 29 Jahren werden von den spanischen Behörden beschuldigt, bei einer privaten Party auf den Balkonen der Hotel-Zimmer brennende Zigarettenkippen und Alkohol auf das Terrassendach einer Gaststätte geworfen zu haben. Das Schilfdach brannte und beschädigte zwei Lokale, eine Wohnung und das Hotel. Zwei Menschen wurden leicht verletzt. Die Urlaubergruppe, die in einem Hotel im Vergnügungsviertel El Arenal untergebracht war, war aufgrund von Zeugenaussagen nach dem Brand festgenommen worden. Die jungen Leute bestreiten, das Feuer gelegt zu haben.

Eine Zeugin soll laut der „Mallorca Zeitung“ vor dem Untersuchungsrichter am Mittwoch ihre Aussage wiederholt und die Männer, die ihre Unschuld beteuern, erneut belastet haben. Aus dem Umfeld der Männer heißt es, dass es viele Ungereimtheiten bei der Zeugenaussage gebe. Es gelte die Unschuldsvermutung. Der Anwalt verspricht sich entlastende Informationen durch ein von den Behörden in Auftrag gegebenes Brandgutachten.

Familien tragen 500.000 Euro zusammen

Die Familien der wegen Brandstiftung auf Mallorca verdächtigen deutschen Urlauber haben nach Angaben ihres Rechtsanwalts 500 .000 Euro als vorläufige Solidarhaftung zusammengelegt. Ein spanischer Richter hatte die Summe für eingetretene Schäden am Donnerstag festgelegt. Die Haftung könnte wirksam werden, sollte es zur Verurteilung der Touristen aus dem Münsterland kommen.

Die volle Summe sei von den Angehörigen „zur Untermauerung der Kooperationsbereitschaft“ bereits zusammengetragen worden, teilt deren Anwalt gegenüber unserer Zeitung Anfang Juni mit. „Die Summe wird zeitnah bei der spanischen Justiz hinterlegt werden.“ Vor der Einzahlung in den kommenden Tagen müssten restliche formelle Kriterien geklärt werden.

Acht Kegelbrüder weiterhin in Untersuchungshaft

Wie lange die anderen acht Verdächtigen, bei denen der Richter eine Freilassung gegen Kaution ablehnte, noch in Untersuchungshaft bleiben müssen und ob es zu einer Anklage kommt, ist noch offen. Untersuchungshaft kann in Spanien Monate aber auch bis zu vier Jahre dauern. Die Verteidigung wartet dringend auf ein von der Ermittlungsbehörde in Auftrag gegebenes Gutachten zur Entstehung des Brandes, das noch nicht vorliege. „Dieses Gutachten wird weitere objektiv entlastende Momente offenbaren“, sagt der Anwalt.

Die auf Mallorca inhaftierten Münsteraner hinterlassen im Gefängnis offenbar einen positiven Eindruck. Vernünftiges, besonnenes und höfliches Auftreten, das „so gar nicht mit dem Bild von Ballermann-Krawallbrüdern zusammenpasst“, schreibt die "Mallorca-Zeitung". Demnach hätten die Inhaftierten am Pfingstwochenende (4./5. Juni) Besuch bekommen von Mitgliedern des deutschen Konsulats auf Mallorca sowie der katholischen und evangelischen Gemeinde.

Videomaterial soll Männer entlasten

Hoffnungen hatte den Männern und den Angehörigen ein Anwalt bereits in der letzten Mai-Woche mit angeblichem Videomaterial gemacht, das die Münsterländer entlasten soll. Es soll nach Medienberichten zu sehen sei, wie zwei andere Männer, die nicht zur Gruppe gehören, direkt an der Bar kurz vor Ausbruch des Feuers stehen. Der Anwalt beruft sich bei den Indizien, die die Unschuld beweisen sollen, zudem auf Whatsapp-Text- und Sprachverläufe. Demnach hätten die jungen Männer andere Gäste gewarnt, heißt es.

Väter besuchen Söhne im Gefängnis

Bereits Ende Mai haben Väter der in Untersuchungshaft sitzenden Kegelbrüder ihre Söhne im Gefängnis in Palma besucht. Das berichtete die „Mallorca Zeitung“. Es sei ein Besuch von knapp einer halben Stunde möglich gewesen.

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns derzeit nicht äußern möchten, solange der Fall noch läuft“, soll laut Zeitung einer der Väter zu den wartenden Journalisten gesagt haben. Kurz zuvor hatten sich zwei Väter, die auf Mallorca sind, gemeinsam mit einem Anwalt an die Öffentlichkeit gewandt und die spanischen Behörden aufgefordert, ihre Söhne aus dem Gefängnis zu entlassen.

Bilder zeigen Festnahme der Männer

Zahlreiche Medien zeigen Bilder von der Festnahme der Männer, wie sie in Palma in Handschellen abgeführt werden. Andere Quellen berichten, einige der Kegelbrüder hätten zunächst gedacht, sie sollten als Zeugen vernommen werden, als die Polizei sie mitnahm. Nach dem Brand in unmittelbarer Nähe sei bei der Gruppe zwei Mal ein Kohlenmonoxid-Test durchgeführt worden. Die Touristen sollen nach Medienberichten zunächst ebenfalls als Opfer gegolten haben und seien auf Rauchvergiftung untersucht worden.

Die Untersuchungen zum Brandgeschehen und ob und welche mutmaßliche Rolle die deutschen Touristen dabei spielen, können sich hinziehen. Kommt es zur Anklage wegen fahrlässiger Brandstiftung, droht ein Freiheitsentzug von mindestens einem Jahr bis zu durchaus mehreren Jahren. Bei Vorsatz und der Gefährdung von Menschenleben kann das Urteil auch deutlich schärfer ausfallen.

Auch Feuerwehrleute unter Kegelclub-Mitgliedern

Nach Informationen der „Mallorca Zeitung“ waren die Männer am 20. Mai (Freitag) zu einem Wochenendtrip in dem Hotel an der Playa de Palma angekommen. Doch statt im Hotel haben die Kegelbrüder die erste Nacht auf der Polizeiwache und die zweite Nacht in Untersuchungshaft verbracht.

Einige der festgenommenen Männer sind offenbar Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. "Nach unseren noch ungesicherten Erkenntnissen gehörten zu der Kegelclub-Reisegruppe auch fünf Mitglieder des Löschzuges Albachten sowie ein Mitglied des Löschzuges Roxel der Freiwilligen Feuerwehr", sagte Martin Fallbrock aus der Leitung der Berufsfeuerwehr Münster, am Montag in einer städtischen Pressemitteilung.

Ausschussvorsitzender warnt vor Vorverurteilung

Der Vorsitzende des für die Feuerwehr zuständigen Ratsausschusses der Stadt Münster, Stefan Leschniok, warnt vor einer Vorverurteilung. Einige der Männer, denen Brandstiftung vorgeworfen wird, sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Leschniok sagte, er habe volles Vertrauen in die Arbeit der spanischen Behörden. Sollte sich der Verdacht gegen die jungen Männer bestätigen, hätte das auch Folgen für ihre ehrenamtliche Feuerwehrtätigkeit.

"Über mögliche Konsequenzen für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr muss zum richtigen Zeitpunkt gesprochen werden, zunächst müssen wir die Ermittlungen der spanischen Behörden abwarten", sagte am Montag bereits Wolfgang Heuer, Ordnungsdezernent der Stadt Münster. Inzwischen liegt der Stadt die Information vor, dass ein städtischer Verwaltungsmitarbeiter ebenfalls zur Reisegruppe gehört.

Reiseabschluss war in Albachten geplant

In Albachten machen die Vorgänge auf der Balearen-Insel natürlich die Runde. "Alles ehrbare Burschen, nicht sozial auffällig", beschreibt ein Albachtener, der namentlich nicht genannt werden will, die Männer, die jetzt für Schlagzeilen sorgen.

Eine Bekannte sagt, dass die Männer eigentlich Nichtraucher seien. Der Wirt des Stammlokals in Münster-Albachten schweigt. Der Kegelclub hatte bei ihm ein Abschlussessen am Ende des Malle-Trips bestellt. "Mit allem Drum und Dran."

Startseite
ANZEIGE