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Wirtschaftskriminalität

Corona-Subventionsbetrug: Rund 53 Millionen Euro Schaden

Düsseldorf (dpa/lnw)

Schnelle Hilfe ermöglicht oft auch schnellen Betrug. Zig Millionen Euro an Corona-Hilfen wurden von Subventionsbetrügern angezapft.

Von dpa

Eine Frau holt Eurobanknoten aus einer kleinen Geldkassette. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Viele Wirtschaftskriminelle haben unbürokratische staatliche Corona-Hilfen zum Subventionsbetrug missbraucht. Allein in den ersten beiden Pandemiejahren 2020 und 2021 summierte sich in Nordrhein-Westfalen der Schaden durch solche Delikte auf rund 53 Millionen Euro. Das geht aus dem «Lagebild Wirtschaftskriminalität NRW 2021» hervor, das das Landeskriminalamt (LKA) am Dienstag veröffentlicht hat. Die Bilanz für 2022 liegt noch nicht vor. Mit weiteren Fällen sei aber zu rechnen, bilanzierte das LKA.

«Mit den Corona-Hilfen haben wir Menschen, die aufgrund der Pandemie in finanzielle Schieflagen gekommen sind, schnell und unbürokratisch unterstützt», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. «Leider sahen darin auch Kriminelle manche Tür für ihren Betrug geöffnet.» Dieser Subventionsbetrug trübe die Zahlen zu Wirtschaftskriminalität im Jahr 2021.

«Das ist besorgniserregend, aber nicht unheilbar», betonte Reul. «Unsere Ermittler sind diesen Betrügern nämlich auf den Fersen.» Allein in einem Subventionsbetrugskomplex, der über Scheinfirmen organisiert worden sein soll, seien jüngst 40 Tatverdächtige ermittelt und mehrere Haftbefehle vollstreckt worden. «Die Verdächtigen sollen Corona-Soforthilfen in Millionenhöhe erschwindelt haben», berichtete Reul.

Insgesamt sind die Fallzahlen zur Wirtschaftskriminalität in NRW von 2020 auf 2021 um rund 22 Prozent auf 6540 Delikte gesunken. «Das ist der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre», heißt es im Lagebild. Der Anteil der Wirtschaftskriminalität an der Gesamtzahl aller rund 1,2 Millionen in der Kriminalstatistik für 2021 erfassten Delikte liege nur bei 0,54 Prozent.

Viel höher ist demgegenüber mit rund 38 Prozent oder fast 530 Mi1lionen Euro der Anteil am Gesamtschaden (rund 1,4 Milliarden Euro) aller Straftaten. Die Aufklärungsquote liegt dem Bericht zufolge in der Wirtschaftskriminalität bei rund 82 Prozent. Der durchschnittliche Schaden pro Delikt beträgt hier 80 836 Euro.

«Kennzeichnend für Wirtschaftskriminalität sind komplexe Sachverhalte mit internationalen Bezügen», erklärte das LKA. Die Verfahrensdauer betrage in der Regel mehrere Jahre. Deshalb erschließe sich die Entwicklung der Wirtschaftskriminalität nur bei Betrachtung eines längeren Zeitraums.

So habe sich etwa der Schaden durch Wirtschaftskriminalität 2021 gegenüber dem Vorjahr zwar um rund 57 Prozent deutlich verringert. Allerdings sei er 2020 aufgrund herausragender Strafverfahren überproportional stark angestiegen.

Den größten Anteil an allen Wirtschaftsstraftaten machte 2021 mit rund 56 Prozent der Komplex Betrug aus. In diesen Bereich fielen auch über 87 Prozent aller Wirtschaftskriminalitätsdelikte mit Tatmittel Internet.

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