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Das Folkwang bittet zum Tanz: 120 Jahre «global groove»

Essen (dpa)

Von dpa

In Zeiten von 1,50 Meter Corona-Sicherheitsabstand präsentiert das Essener Museum Folkwang eine große Ausstellung zur Kulturgeschichte des Tanzes als einer Form der auch körperlichen Begegnung zwischen Fremden und Kulturen. Unter dem Motto «Global groove - Kunst, Tanz, Performance und Protest» zeigt das Haus von Freitag an (13.8.) bis 14. November in elf Räumen Fotos, Filme, Kostüme, Gemälde und Installationen zu 120 Jahren Tanz und Tanzgeschichte in Europa und den USA sowie in Asien, vor allem Japan.

In der Schlussinstallation lädt das Museum selbst zum Tanz: Die niederländische Fotografin Anouk Kruithof hat über Jahre hinweg im Internet Videos mit tanzenden Menschen im Alltag gesammelt und zeigt sie auf acht großen Bildschirmen in einem abgedunkelten Raum. Dazu bekommt der Besucher eine Tonspur mit eigens für die Installation geschaffener Musik in kräftiger Lautstärke über den Kopfhörer.

«Die Besucher können gerne mittanzen», sagte die Folkwang-Kuratorin Anna Fricke bei der Präsentation. «Wir können uns ja derzeit nicht die Hand geben, eng umschlungen tanzen erst recht nicht», sagte Museumsleiter Peter Gorschlüter bei der Vorbesichtigung. Dabei setze der Tanz Energie frei und verbinde. Die Ausstellung ist damit für Gorschlüter eine «Kulturgeschichte des Kontakts».

Sie zeigt Geschichten von Begegnungen über den Tanz - etwa das Treffen des berühmten Bildhauers Auguste Rodin (1840-1917) mit der Tänzerin Madame Hanako (1868-1945) in Marseille 1906 oder das Treffen von Kurt Jooss (1901-1979), dem Mitbegründer der Folkwangschule, der vor dem Nazi-Regime nach England floh und dort 1934 auf den indischen Choreografen und Tänzer Uday Shankar (1900-1977) traf.

Eine wohl einmalige Begegnung zwischen Tanz und Mode dokumentiert die Ausstellung in großformatigen Fotos des Fotografen Bernd Hartung: Zum 25. Jubiläum des Tanztheaters Wuppertal von Pina Bausch (1940-2009) hatte der japanische Modedesigner Yohyi Yamamoto 1998 eine Kollektion eigens für das Tanzensemble entworfen. Bei der Präsentation trat Yamamoto selbst als Karatekämpfer an und begegnete Bausch in einer kurzen Spontan-Performance auf der Bühne - einem Aufeinandertreffen von Kampfkunst und Tanztheater, das in Umarmungen endete.

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