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Mathilde-Anneke-Schule in Münster

Drohanrufer soll erst 15 Jahre alt sein – SEK durchsucht Elternhaus

Münster/Osnabrück/Düsseldorf

Die Drohanrufe gegen eine Schule in Münster und einen Düsseldorfer Weihnachtsmarkt sollen nach Erkenntnissen der Behörden von einem Minderjährigen gekommen sein. Ein Sondereinsatzkommando durchsuchte die Wohnung der Familie.

Von Ralf Repöhler

Der Tatverdächtige soll 15 Jahre alt sein und am 5. Dezember telefonisch Straftaten unter anderem an dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt sowie an der Mathilde-Anneke-Schule in Münster angedroht haben. Foto: Matthias Ahlke

Mit so einem Besuch hatte die Familie kurz vor dem Jahreswechsel nicht gerechnet: Polizeikräfte eines Sondereinsatzkommandos (SEK) durchsuchten am Freitag eine Wohnung im Raum Osnabrück, in der unter anderem ein 15-jähriger Jugendlicher lebt, der für mehrere anonyme Drohanrufe, unter anderem in Münster, von Anfang Dezember 2022 verantwortlich sein soll.

„Wir hatten Hinweise, worauf wir die Einsatzintensität abgebildet haben“, erklärt ein Sprecher der Polizei Düsseldorf gegenüber unserer Redaktion das Vorgehen. Möglicher Beweismittel wie Kommunikationsgeräte wurden mitgenommen, heißt es.

Hohe Schadenersatzansprüche

Die in den Ermittlungen federführende Staatsanwaltschaft Celle geht davon aus, dass der Schüler aus Niedersachsen unter anderem einen vermeintlichen Anschlag auf die Düsseldorfer Weihnachtsmärkte angekündigt haben soll. Daraufhin sind die Plätze in der Landeshauptstadt geräumt worden. Auf den Jugendlichen könnten hohe Schadenersatzansprüche zukommen. Er wohnt weiterhin bei seiner Familie, bestätigt der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Celle, Oberstaatsanwalt Bernd Kolkmeier, unserer Redaktion.

„Einen Grund für eine Inhaftierung gibt es derzeit nicht. Wir gehen nicht von einer terroristischen Anschlagsplanung aus“, sagt er. Da der Tatverdächtige minderjährig ist, teilen die Behörden keine Details zu den laufenden Ermittlungen mit. Für ihn gilt das Jugendstrafrecht.

Die Düsseldorfer Polizei hatte am Nachmittag des 5. Dezember alle Weihnachtsmärkte in der Innenstadt und der Altstadt aufgrund einer Bedrohungslage geräumt und mit schwer bewaffneten Einsatzkräften gesichert. Erst am Abend gaben die Einsatzkräfte Entwarnung. Nach Medienberichten soll ein Anrufer damit gedroht haben, mit einem Laster auf den Weihnachtsmarkt am Düsseldorfer Rathaus zu fahren.

Bei Verurteilung droht sogar Arrest

Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen, ob es einen Zusammenhang mit zwei weiteren Drohanrufen vom selben Tag gibt. Neben einer Schule in Düren hatte ein Anrufer der Mathilde-Anneke-Gesamtschule in Münster mit Schüssen gedroht. Zivile Polizei war daraufhin vor Ort. Ein Strafverfahren gegen Unbekannt ist Anfang Dezember eingeleitet worden. Die drei Telefonanrufe sollen nach Medienberichten von der gleichen, wenn auch veränderten Nummer ausgegangen sein. Ob die Orte zufällig gewählt waren, ist unter anderem zu klären.

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt weniger wegen Terrorismus-Verdachts, allerdings konkret wegen der Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung einer Straftat. Dem Jugendlichen drohen bei einer Verurteilung eine Vielzahl möglicher Sanktionen von Auflagen bis zum Arrest.

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