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Trockenheit

Dürre in NRW: Bauern hoffen auf Regen, Brandgefahr wächst

Recklinghausen/Bonn (dpa/lnw)

Knochentrockene Böden, seit Monaten zu wenig Regen. Und die drei Dürre-Sommer 2018 bis 2020 hat die Natur noch lange nicht verdaut. Bauern, Forstwirte und die Feuerwehr spüren die Folgen der Trockenheit.

Von Rolf Schraa, dpa

Ein Landwirt erntet mit seinem Mähdrescher auf einem Feld. Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild

Tief ausgetrocknete Böden nach drei Dürresommern, sorgenvolle Blicke der Land- und Forstwirte zum Himmel - und ergiebiger Regen vorerst nicht in Sicht. Der Sommer hat NRW fest im Griff, zu Wochenbeginn werden in NRW Temperaturen teils deutlich über 30 Grad erwartet. Auch wenn die Situation nicht so bedrohlich ist wie in den heißen Extrem-Sommern 2018, 2019 und 2020, bringen die hohen Temperaturen und der Niederschlagsmangel Probleme und Gefahren für Nordrhein-Westfalen.

Die Lage:

Nach einem viel zu trockenen Herbst und Winterbeginn 2021 gab es auch im Frühjahr dieses Jahres (März bis Mai) in NRW mit rund 130 Litern Regen pro Quadratmeter zu wenig Niederschlag. Das langjährige Jahresmittel liegt bei 205 Litern. Mitte Mai zogen kräftige Gewitter über das Land und sorgten örtlich für Überschwemmungen und massive Tornadoschäden. Den bis in die Tiefe ausgetrockneten Böden nützen solche heftigen Regengüsse nicht, weil das Wasser so schnell gar nicht aufgenommen werden kann, sagt Wilhelm Deitermann vom NRW-Landesumweltamt.

Wo ist es am schlimmsten?

Der «Dürremonitor» des renommierten Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung konstatiert derzeit außerordentliche Dürre - die höchste von fünf Stufen - vor allem in den Regierungsbezirken Münster, Detmold und Arnsberg. Das bezieht sich auf Bodentiefen bis 1,80 Meter, aus denen Baumwurzeln das Wasser ziehen. Schaut man auf die Wasservorräte in niedrigerer Tiefe bis 25 Zentimeter, die von Pflanzen aufgenommen werden können, so leiden laut dem Monitor auch weite Gebiete im Rheinland an Trockenstress oder bekommen so gut wie kein frisches Wasser.

Sieht man das in der Natur?

Das Forschungszentrum dokumentiert auf seiner Seite «Dürrefotos» aus den vergangenen Jahren: Etwa eine völlig vertrocknete Wiese vor dem Aachener Weiher in Köln, ausgedehnte tote Fichtenbestände im Bergischen Land, den Rhein bei Düsseldorf mit extrem niedrigem Wasserstand und einen fast völlig ausgetrockneten Bach Heve, einen Zufluss des Möhnesees. Das könnte sich wiederholen, wenn es weiter deutlich zu wenig regnet. Schon in der zu Ende gehenden Woche musste in Dortmund das THW ein großes Wasserrückhaltebecken künstlich mit Sauerstoff versorgen, weil dort Fische wegen Hitze und Trockenheit verendet waren.

Was sagen die Bauern?

Die Bauernverbände im Rheinland und Westfalen-Lippe sind mit der Getreideernte - die Gerste ist weitgehend eingebracht - bisher recht zufrieden. Aber um den Mais, die Zuckerrüben und Kartoffeln machen sie sich Sorgen, falls nicht mehr Regen fällt. Vor allem der Mais sei wichtig für die Landwirte - für Biogasanlagen und für Rinder- und Schweinefutter, sagt der westfälisch-lippische Verbandssprecher Hans-Heinrich Berghorn. Im Rheinland hätten einige Bauern sogar damit begonnen, ihre Maisfelder zu beregnen, sagt seine Rheinland-Kollegin Simone Kühnreich.

Und die Wälder?

In den NRW-Wäldern sind seit 2018 durch den Dreiklang aus Sturmschäden, Dürre und Borkenkäferbefall mehr als ein Zehntel der Bäume abgestorben, sagt der Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, Friedrich Louen. Vielfach wird neu angepflanzt - und die zarten Neubäume brauchen dringend Wasser. «Wir sind für jeden Tropfen Wasser dankbar, der nicht als Starkregen herunterkommt», sagt Louen, «für die Akutversorgung der Bäume und für das Auffüllen der Wasserreserven im Wald».

Haben wir denn genug Trinkwasser für den Sommer?

Die Trinkwasserversorgung für den Sommer ist trotz der anhaltenden Hitze gesichert. Die Füllstände der Talsperren seien ausreichend, sagt die Geschäftsführerin der NRW-Wasserwirtschaftsverbände, Jennifer Schäfer-Sack. Dass die meisten Talsperren derzeit deutlich mehr Wasser abgeben, als zufließt, sei jahreszeitlich bedingt und normal. Dennoch gelte, dass mit Trinkwasser sparsam umgegangen werden solle. Der Wupperverband hatte vor kurzem dazu aufgerufen.

Und die Brandgefahr?

Die Waldbrandgefahr ist im Moment durch Hitze, Wind und Trockenheit extrem, warnt der Düsseldorfer Branddirektor Ulrich Cimolino. Das gelte unter anderem im Grenzbereich zum Harz sowie in der Eifel und im Sauerland. «Gefährdet sind vor allem Waldgebiete, die durch Borkenkäfer und frühere Stürme schon vorgeschädigt sind», sagt der Fachmann, der in der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) Experte für Vegetationsbrände ist. Oft entstünden Feuer auch bei der Ernte durch Probleme mit Maschinen. «Ein kleiner Funke reicht aus, um zum Beispiel eine Strohballenpresse in Brand zu setzen.»

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