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Schlechteste Ernte seit 1998 – Steigende Energiekosten und Mindestlohn belasten Branche

Erdbeerbauern bangen um ihre Zukunft

Düsseldorf

Erst war die Ernte die schlechteste seit 24 Jahren – jetzt kündigen Erdbeerbauern aus NRW an, ihre Produktion noch weiter zurückzufahren. Ein Grund: hohe Energiekosten.

Von Edgar Fels und dpa

Die Zeit des Selberpflückens neigt sich dem Ende oder ist bereits – wie etwa in Werther - beendet. Foto: Markus Scholz/dpa

„Immer mehr Obstbauern wollen und können immer weniger an den Handel liefern. Wir werden uns zunehmend auf die Direktvermarktung konzentrieren“, sagt der Vorsitzende des Landesverbands Obstbau Westfalen-Lippe, Stefan Kraege. Die Früchte gewinnbringend oder auch nur kostendeckend in Deutschland anzubauen, werde schwierig.

Insbesondere die Betreiber von Gewächshäusern werden von den steigenden Energiekosten getroffen. Aber die anstehende Erhöhung des Mindestlohns ab Oktober wird wegen der aufwendigen Ernte – unabhängig von der Anbaumethode – im kommenden Jahr am meisten ausmachen.

In diesem Jahr wiederum macht das Kaufverhalten der Menschen den Erzeugern das Leben schwer: Im Zeichen von Krieg und Inflation schauen die Leute aufs Geld und geben es offenbar weniger für verhältnismäßig teures heimisches Obst aus. Preislich könne man mit der Konkurrenz aus Ländern, in denen bei niedrigeren Löhnen und Auflagen viel billiger angebaut werde, ohnehin nicht mithalten.

Die Erdbeerbauern erwarten in diesem Jahr auf den Feldern eine Menge von 91.300 Tonnen. Nur das Jahr 1998 sei mit 81.500 Tonnen noch schlechter ausgefallen.

Die „deutliche Zurückhaltung“ der Verbraucher treffe ebenfalls das Edelgemüse Spargel, aber auch Blumen und Zierpflanzen, verlautet aus dem NRW-Landwirtschaftsministerium. Bei verderblichen Produkten führte das dann zu Preisdruck – die Ware muss raus, und sei es unter Wert.

Die Spargelernte 2022 wird auf 113.100 Tonnen geschätzt – knapp zehn Prozent weniger als im Schnitt der vergangenen sechs Jahre und fünf Prozent weniger als 2021, so das Statistische Bundesamt. Die Anbaufläche im Freiland ging im Vergleich zu 2021 um vier Prozent auf 21.400 Hektar zurück. Regional am meisten Spargel gestochen wurde in Niedersachsen (26.100 Tonnen), es folgten Bayern (21.100 Tonnen) und Nordrhein-Westfalen (19.300). Auch bei Spargel wirke sich eine möglicherweise sinkende Nachfrage aus. Zugleich sind die heimischen Erzeuger mit Dumping-Importen konfrontiert gewesen, wie etwa drei Euro für ein Kilogramm Spargel aus Italien. So könne man nicht produzieren, hatte denn auch der Bauernverband erläutert. Die Folge sei, dass einzelne Betriebe Teilflächen auch schon vorab aus der Ernte genommen haben.

Probleme mit steigenden Kosten haben allerdings nicht nur die Erdbeerbauern. „Die Preise für Stickstoffdünger haben sich seit 2020 verdreifacht“, teilt die Landwirtschaftskammer NRW weiter mit. Früher habe eine Tonne Kalkammonsalpeter, ein gängiger Stickstoffdünger, etwa 250 Euro gekostet. Heute liege man bei 750 Euro, erklärt Sprecherin Natascha Kreuzer.

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