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Fragen und Fakten zur Varusschlacht

Wendepunkt der römisch-germanischen Geschichte

Bramsche

Die legendäre Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. und ihr Ort zählt zu den spannendsten Fragen und Themen der römisch-germanischen Geschichte. Wir listen die wichtigsten Fakten und Folgen dieser Schlacht auf.

Die Karte zeigt Standorte römischer Legionen zu Beginn des 1. Jahrhundert. Foto: Museum Kalkriese

Die Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. zählt zu den bedeutendsten historischen Marken der antiken Geschichte zwischen Römern und Germanen. Als Schlacht am Teutoburger Wald wurde sie an vielen Orten lokalisiert und vermutet.

Was geschah bei der Schlacht?

In der Varus-Schlacht, die auch Hermannsschlacht oder Schlacht im Teutoburger Wald genannt wird, erlitten in der zweiten Hälfte des Jahres 9 n. Chr. drei römische Legionen samt Hilfstruppen und Tross unter Publius Quinctilius Varus in Germanien eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung des Arminius („Hermann“), eines Fürsten der Cherusker.

Wer war Varus?

Publius Quinctilius Varus, geboren um 47/46 v. Chr in Cremona, gestorben 9 n. Chr. in Germanien, war Senator und Feldherr in der Zeit des Kaisers Augustus. Kaiser und Feldherr waren in der Absicht verbunden, die Germanen vom Rhein bis zur Elbe hin zu unterwerfen. Das scheiterte. „Varus, gib die Legionen zurück!“, soll Kaiser Augustus verzweifelt ausgerufen haben, als er von der vernichtenden Niederlage erfuhr. Ob es diesen Ausruf tatsächlich gegeben hat, ist nicht gesichert. Von Varus wird in den antiken Quellen berichtet, dass er sich noch auf dem Schlachtfeld aus Verzweiflung über die Niederlage das Leben nahm.

Wer war sein Gegenspieler Arminius?

Arminius, geboren um 17 v. Chr, gestorben um 21 n. Chr., war ein Fürst des germanischen Teilstammes der Cherusker, der den Römern im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht mit der Vernichtung von drei Legionen eine ihrer verheerendsten Niederlagen beibrachte. Die antiken Quellen bieten nur wenige biografische Angaben zu Arminius. Unser heutiges Bild des Cheruskerfürsten ist vor allem durch den antiken Schriftsteller Tacitus geprägte. Ebenso wie sein Bruder Flavus diente Arminius als junger Mann als Führer germanischer Verbände längere Zeit im römischen Heer und wurde so mit dem römischen Militärwesen vertraut. Auch erwarb er sich das römische Bürgerrecht sowie den Rang eines Ritters und erlernte die lateinische Sprache. Ursprünglich ein treuer Verbündeter Roms, wandte sich Arminius von Rom ab und verriet dabei auch seinen römischen Vertrauten Varus. Arminius gelang es, die Stämme der Marser, Chatten, Angrivarier und Brukterer zu einem Bündnis zu bewegen. Arminius wurde in der Neuzeit zum Helden der deutschen Geschichte hochstilisiert. Das Hermannsdenkmal aus dem 19. Jahrhundert auf dem Kamm des Teutoburger Waldes bei Detmold ist Symbol dieser Heldenverehrung. Der Name „Arminia“ bei manchen Sportclubs erinnert ebenfalls an Arminius.

Wie verlief die Schlacht?

Forscher sprechen heute von einem mehrtägigen Gefecht, bei dem die Römer auf ihrem Weg zu Lippe und Rhein von den aufständischen Germanen in unwegsames Gelände gelockt und immer wieder in Guerilla-Taktik angegriffen und zerrieben wurden. Forscher gehen ferner davon aus, dass der Zug der Streitmacht, die drei Legionen XVII, XVIII, XIX, drei Alen (Reitereinheiten) und sechs Kohorten mit insgesamt 15.000 bis 20.000 Soldaten, dazu 4000 bis 5000 Reit-, Zug- und Tragtiere umfasste, 15 bis 20 Kilometer lang gewesen sein muss. Der ausführlichste Bericht über die Schlacht befindet sich bei dem antiken Historienschreiber Cassius Dio, der diesen weit über 200 Jahre später verfasste.

Welche Theorien für den Ort der Schlacht gibt es?

Die Suche nach dem Ort der Varusschlacht drehte sich 500 Jahre lang im Kreis. Der Teutoburger Wald stand im Zentrum, vor allem Amateur-Forscher brachten auch den Arnsberger Wald oder die Beckumer Berge im Münsterland ins Spiel. Teilweise mit großem Eifer bis hin zum Fanatismus. Auch Kalkriese am Wiehengebirge wurde im 19. Jahrhundert von dem damals schon renommierten Historiker Theodor Mommsen als Ort der Schlacht vorgeschlagen. Seine These konnte jedoch erst über 100 Jahre später langsam unterfüttert werden. Seit 1989 wird die Region Kalkriese systematisch archäologisch erforscht. Tausende von römischen Funden sprechen, wie die Forscher in Kalkriese betonen, eine klare Sprache: Hier sind römische Truppen vernichtend geschlagen worden. Vieles spricht dafür, dass dies in der Varusschlacht geschah.

Welche historischen Folgen hatte die Schlacht?

Die Schlacht, in der ein Achtel des Gesamtheeres des Römischen Reiches vernichtet wurde, leitete das Ende der römischen Bemühungen ein, die rechtsrheinischen Gebiete Germaniens bis zur Elbe (Fluvius Albis) zu einer Provinz des Römischen Reiches zu machen. Dies war nämlich eigentlich das Ziel der Germanenkriege zur Zeit des Augustus. Die Römer zogen sich an den Rhein zurück. Während dort, zumal in den großen Städten, Kultur und später die Christianisierung voranschritt, versank der Rest Germaniens für Jahrhunderte wieder im Dunkel der Geschichte.

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