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Gasspeicher-Füllstände: Essens OB in «großer Sorge»

Essen (dpa/lnw)

Die Stadtwerke Essen spielen schon mal durch, wie sich ausbleibende Gaslieferungen technisch auswirken würden. OB Kufen schickt daraufhin einen sorgenvollen Brief nach Düsseldorf. Andere Akteure weisen darauf hin, dass weiterhin Gas fließt.

Von dpa

Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU). Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Angesichts sinkender Gasspeicher-Füllstände hat Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen das NRW-Wirtschaftsministerium aufgefordert, sich für Versorgungssicherheit einzusetzen. Man beobachte mit großer Sorge, dass die deutschen Gasspeicher schon jetzt recht niedrige Füllstände aufwiesen, «und das, obwohl die kalten Monate erst noch vor uns liegen», schrieb der CDU-Politiker an Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Zuvor hatte die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» (Montag) über den Brief berichtet. Laut einer Übersicht der Speicherbetreiber lag der Füllstand der deutschen Speicher bei abnehmender Tendenz am Samstag bei knapp 42 Prozent und damit unter den Werten der Vorjahre für das gleiche Datum.

Anlass für sein Schreiben sei eine Meldung der Stadtwerke Essen, dass die Entwicklungen der vergangenen Wochen auf eine mögliche nationale Gasmangellage deuteten, schrieb Kufen. Im Fall einer weitergehenden Reduzierung der Liefermengen würde auch die Versorgung von geschützten Gasverbrauchern, das sind insbesondere Haushaltskunden, Krankenhäuser sowie Alten- und Pflegeheime, nicht mehr sichergestellt werden können. Kufen schrieb dem Minister, dass er ihn mit dem Schreiben «für diese wirklich ernstzunehmenden Prognosen» sensibilisieren wolle.

Ein Sprecher der Stadtwerke Essen sagte, dass man sich technisch auf Szenarien vorbereite, bei denen wenig oder gar kein Gas mehr geliefert werde. So spiele man durch, was passiere, wenn die Drücke im Gasnetz geringer würden. «Wir haben noch keine Anzeichen, dass wir kein Gas mehr kriegen», betonte er. Es gingen auch alle Beteiligten davon aus, dass erstmal nichts passiere. Sollte es aber doch so kommen, werde Essen nicht alleine betroffen sein. «Wenn es kommt, haben wir ein nationales Problem.»

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur sagte, dass die Speicher unter anderem zur Spitzenlastabdeckung an kalten Wintertagen benötigt würden. «Es erfolgt also keine Versorgung des deutschen Markts allein aus den Speichern.» Vielmehr ergänzten sie den laufenden Energiebezug aus dem Pipelineimport. «Die Langfristlieferverträge werden nach unseren Informationen eingehalten», sagte er. Am Spotmarkt gebe es aber weiter eine hohe Nachfrage. Die Speicher würden von Gashändlern und Lieferanten im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit genutzt. «Von der vor allem wirtschaftlichen Einschätzung der Speichernutzer hängt ab, inwieweit sie Speicher befüllen.»

Ein Sprecher des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper bewertete die Lage bei den Füllständen in Deutschland und Europas als «immer noch angespannt, aber noch nicht dramatisch». Viel hänge von der Temperaturentwicklung in diesem Winter ab. Er bestätigte die Einhaltung von Lieferverträgen durch den russischen Staatskonzern Gazprom. Diese Verträge liefen teilweise über 20 oder 30 Jahre. Uniper ist Deutschlands größter Gasspeicher-Betreiber. Auf das Unternehmen entfällt nach einer Übersicht der europäischen Speicherbetreiber rund ein Viertel der deutschen Speicherkapazität.

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