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Prozess

Gefängniswärter wegen Gewalt gegen Häftling vor Gericht

Düsseldorf (dpa/lnw)

Zwei Gefängniswärter müssen sich wegen des Vorwurfs der Gewalt gegen einen psychisch kranken Häftling vor Gericht verantworten. Die beiden 48 und 50 Jahre alten Männer sollen im Düsseldorfer Gefängnis auf den 29-jährigen Untersuchungshäftling eingetreten und eingeschlagen haben, obwohl dieser laut Anklage schon zusammengekrümmt auf dem Boden lag und keine Gegenwehr mehr leistete.

Von dpa

Ein Stacheldrahtzaun umzäunt das Gelände einer Justizvollzugsanstalt Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Beamten gefährliche Körperverletzung im Amt vor. Im Fall einer Verurteilung zu mehr als einem Jahr Haft droht ihnen der Verlust des Beamtenstatus und ihrer Pensionsansprüche. Über ihre Verteidiger bestritten beide Angeklagten am Dienstag die Vorwürfe am Düsseldorfer Amtsgericht und schwiegen ansonsten. Ein Rechtsgespräch hinter geschlossenen Türen blieb ohne Ergebnis.

Der psychisch kranke und zu Gewalt neigende Häftling war am 6. Juni 2020 in einer videoüberwachten Zelle untergebracht. Weil er die dortige Kamera verdeckt hatte, waren fünf Justizvollzugsbeamte in die Zelle gegangen, um den Häftling unter seiner Matratze hervorzuholen und die Videokamera wieder freizumachen.

Dabei war die Situation einem beteiligten Beamten zufolge eskaliert. Der 50-jährige Vollzugsbeamte habe dem Häftling mehrfach mit der linken Faust ins Gesicht geschlagen und der 48-Jährige ihm mehrfach in den Bauch getreten, obwohl der Vorgesetzte zu beiden gesagt habe: «Schluss, es reicht jetzt.»

Die beiden Angeklagten kommentierten die Aussage des Kollegen wiederholt mit Kopfschütteln. Der 35-Jährige war damals noch in der Ausbildung zum Vollzugsdienst. Er hatte sich nach dem Vorfall seinem Ausbildungsleiter anvertraut und so die Ermittlungen gegen seine Kollegen ins Rollen gebracht.

Der damalige diensthabende Vorgesetzte sagte aus, der Inhaftierte habe «einen Angriff gestartet als wir in den Haftraum kamen. Dann wurde er niedergerungen und das war es». Ansonsten habe er an Details wenig oder kaum Erinnerungen, sagte der 37-Jährige. «Ich kann nicht mehr sagen, wer wann was gemacht hat.» An Schläge und Tritte könne er sich nicht erinnern.

Dass der Vorfall nicht dokumentiert wurde, erklärte er der Richterin damit, dass er damals ganz neu und als diensthabender Vorgesetzter alleine gewesen sei. «Ich habe gedacht, dass das ein anderer machen würde.» Der Prozess wird am 7. Februar fortgesetzt.

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