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Gewerkschaft Verdi ruft zu Warnstreiks auf

Flugpassagieren droht neues Chaos

Frankfurt/Greven

Im deutschen Luftverkehr geht das Chaos weiter. Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 20.000 Beschäftigten des Lufthansa-Bodenpersonals für diesen Mittwoch zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen aufgerufen, um den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen. Der Flughafen Münster/Osnabrück ist nur am Rande betroffen.

Von Christian Ebner und Jürgen Stilling

Lange Warteschlagen an den Flughäfen gab es in den vergangen Tagen oft, am Mittwoch steht nun auch noch ein Streik des Lufthansa-Bodenpersonals bevor. Foto: IMAGO/Christoph Hardt

Passagiere müssen sich auf erhebliche Einschränkungen gefasst machen. Wie viele Flüge gestrichen werden, konnte Lufthansa am Montag zunächst nicht sagen. Wie immer in Streiklagen wird ein Sonderflugplan ausgearbeitet.

Am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) in Greven arbeitet kein Lufthansa-Bodenpersonal. FMO-Sprecher Andres Heinemann konnte am Montag allerdings nicht ausschließen, dass Lufthansa-Flüge von und nach Frankfurt oder München von den Streiks betroffen seien. „Dann, wenn an den dortigen Airports Chaos herrschen sollte“, so Heinemann. Allerdings gibt es am Mittwoch lediglich eine Verbindung nach Frankfurt und drei nach München.

Flugausfälle und Verspätungen

Die Gewerkschaft rechnet deutschlandweit mit verstärkten Flugausfällen und Verspätungen. Zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen sind ganz unterschiedliche Beschäftigtengruppen wie das Schalterpersonal, Flugzeugtechniker oder die Fahrer der riesigen Schlepper, die Flugzeuge am Flughafen auf die richtigen Positionen schieben. Ohne diese Dienstleistungen können die Jets ebenso wenig abheben wie ohne Piloten oder Kabinenpersonal. Da die Dienste auch anderen Fluggesellschaften außerhalb des Konzerns angeboten werden, seien auch dort Ausfälle möglich, hieß es bei Verdi.

Aufgerufen sind Beschäftigte in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, München, Berlin, Bremen, Hannover, Stuttgart und Köln. Die Warnstreiks des Bodenpersonals sollen am Mittwoch, dem 27. Juli, um 3.45 Uhr beginnen und bis Donnerstag, 28. Juli, um 6.00 Uhr dauern. Verdi will in den laufenden Tarifverhandlungen bereits nach zwei Verhandlungsrunden den Druck erhöhen. Ein erstes Tarifangebot der Lufthansa hatte die Gewerkschaft abgelehnt, aber für den 3. und 4. August die Fortsetzung der Verhandlungen vereinbart.

Erster Streik nach Corona-Schock

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock kommt vor dem Hintergrund eines teilweise chaotisch verlaufenen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben schon ohne Streiks zu erheblichen Abfertigungsproblemen geführt. Verdi macht dafür vor allem Missmanagement bei Flughäfen und Airlines verantwortlich.

Die Lufthansa liegt damit mit zweien ihrer drei Gewerkschaften über Kreuz. Bei der „Vereinigung Cockpit“ läuft bereits die Urabstimmung über Piloten-Streiks bei den Airlines Lufthansa und Lufthansa Cargo, die am 31. Juli ausgezählt wird. Bei der als sicher eingeschätzten Zustimmung der Stammpiloten wäre die VC ab August voll streikfähig.

Kommentar: Unverschämt

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