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Gladbach-Pleite bei Union, Sieger Kruse: «Luft nach oben»

Berlin (dpa)

Union Berlin überlässt Gladbach meist den Ball, die Tore schießen aber die Eisernen. Das war der erste Ligasieg für den Europapokalteilnehmer in dieser Saison. Einer, der dem neuen Mönchengladbacher Trainer aber wehtun dürfte.

Von Jens Marx, dpa

Berlins Taiwo Awoniyi (l) und Teamkollege Paul Jaeckel klatschen sich ab. Foto: Andreas Gora/dpa

Gladbachs Trainer Adi Hütter musste sich kurz aufrichten und gratulierte dann seinem siegreich-glückseligen Kollegen Urs Fischer. Die frustrierten Spieler von Borussia Mönchengladbach schleppten sich in die Kurve und ließen sich von ihren Fans ein bisschen aufrichten. Als die Ein-Punkt-Borussen den Platz nach dem 1:2 (0:2) beim 1. FC Union Berlin um den Ex-Gladbacher Max Kruse verlassen hatten, gingen die stolzen Sieger im Stadion an der Alten Försterei auf die Ehrenrunde und ließen sich im Stimmungstempel von Köpenick frenetisch feiern.

Angeführt von Kruse machte Union den Fehlstart von Hütter in der Fußball-Bundesliga perfekt. Niko Gießelmann in der 22. Minute und Taiwo Awoniyi (41.) erzielten die Tore für die Berliner. Der Treffer der Gäste durch Jonas Hofmanns erstes Saisontor in der Nachspielzeit (90.+1) kam zu spät. So wurde es mit der Wiedergutmachung nach der 0:4-Pleite vor einer Woche gegen Bayer Leverkusen bei den Borussen nichts. Gladbach steht mit seinem neuen Coach Hütter nach drei Spielen mit gerade mal einem mickrigen Punkt da.

«Das war wichtig für uns. Wir haben eine ordentliche Leistung gebracht, aber trotzdem haben wir noch viel Luft nach oben», sagte Kruse im DAZN-Interview. «Im Moment funktioniert aber das ganze Team hervorragend. Unsere Tugenden haben wir auf den Platz gebracht, das machen wir in jedem Spiel», meinte der 33-Jährige. «Wir wissen was wir können.» Torschütze Hofmann war dagegen bedient. «Wir gucken beim 0:2 nur zu und haben teilweise viel zu naiv verteidigt», monierte er.

Union hingegen - seit nunmehr 18 Spielen daheim unbesiegt - feierte nur drei Tage nach dem Einzug in die Gruppenphase der Conference League die nächste Jubelparty. Die Eisernen kletterten mit fünf Punkten in die vordere Tabellenhälfte der Fußball-Bundesliga, ihre Taktik war vollkommen aufgegangen.

Union-Trainer Fischer brachte vor 11.006 Zuschauern vier frische Kräfte im Vergleich zum 0:0 am Donnerstagabend im Berliner Olympiastadion gegen Kuopio PS aus Finnland. Und gleich zwei waren an der Führung maßgeblich beteiligt. Kruse, vor dem Spiel noch geehrt, eroberte den Ball rund 30 Meter vor dem Gladbacher. Der 33-Jährige war es auch, der Genki Haraguchi auf der rechten Angriffsseite sah - unbeachtet indes von der Gladbacher Abwehr, die nach dem Fehler im Spielaufbau nicht hinterherkam. Haraguchi flankte in den Strafraum, wo Gießelmann - schon vor einer Woche Auftakttorschütze der Unioner beim 2:2 gegen die TSG Hoffenheim - den Ball aus vollem Lauf mit dem Kopf ins Gladbacher Tor wuchtete.

Die Union-Festung bebte. Auch weil Keeper Andreas Luthe hellwach war, als er bei Gladbachs größter Chance in den ersten 45 Minuten gefordert wurde. Beim Flachschuss von Hannes Wolf - einer von drei neuen Spielern in der Startelf der Gladbacher - tauchte er blitzschnell ab (35.). Unmittelbar zuvor hatte sein Gegenüber Yann Sommer gegen Awoniyi hervorragend pariert.

Geschlagen war der Schweizer Nationalkeeper etwas später. Im herrlichen Zusammenspiel mit Kruse erzielte er Awoniyi das 2:0. Wenig begeistert stapfte Hütter beim Halbzeitpfiff Richtung Kabine, den so wichtigen Anschlusstreffer vergaben Sekunden zuvor Jonas Hofman und Florian Neuhaus. Auf der anderen Seite hatte Levin Öztunali nach der Pause sogar das 3:0 für die Eisernen auf dem Fuß, er traf aber den Ball nicht sauber und setzte ihn am Tor vorbei (67.).

Zu wenig zeigte Hütters Mannschaft, die zudem recht fahrlässig mit ihren zahlreichen Chancen umging. Allerdings waren die Gäste durch die Ausfälle von Matthias Ginter (Corona-Infektion), Stefan Lainer (Fraktur des Sprunggelenks) und Marcus Thuram (Innenbandriss am Knie) auch gebeutelt.

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