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Großrazzia nach Rockermord mit zerstückelter Leiche

Duisburg (dpa)

900 Polizisten durchsuchen Wohnungen, Gefängniszellen und ein Vereinsheim der Rockergruppe Hells Angels. Es geht um einen brutalen Mord aus dem Jahr 2014 mit einer zerstückelten Leiche.

Von Rolf Schraa und Dorothea Hülsmeier, dpa

Polizisten gehen auf eine gesprengte Tür einer Autovermietung zu. Foto: -/dpa

Sieben Jahre nach dem Mord an einem Hells-Angels-Rocker in Duisburg hat die Polizei bei einer Großrazzia in Nordrhein-Westfalen Bandenmitglieder festgenommen und Beweismittel beschlagnahmt. Bei dem gleichzeitigen Zugriff in neun NRW-Städten mit insgesamt 900 Beamten - darunter zahlreiche Spezialkräfte - und einem gepanzerten Fahrzeug wurden zwei Haftbefehle vollstreckt und fünf weitere Rocker festgenommen. «Mit dem heutigen Einsatz haben wir den Rockern gezeigt, dass wir am Ende nach langer Zeit den längeren Atem haben», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Der Mord an dem damals 32 Jahre alten Rocker passierte laut Polizei im Januar 2014. Ein 33-jähriger Hells Angel - laut «Bild»-Zeitung der Chef der Rockerbande in Oberhausen - soll das Opfer zusammen mit einem 34 Jahre alten Mittäter in Mönchengladbach erschossen haben. Sie hätten ihn verdächtigt, Geheimnisse der Rockergang verraten zu haben, so die Polizei. Der 33-Jährige ist ins Ausland geflohen, der 34-Jährige sitzt bereits wegen Drogendelikten in Haft und muss sich nun zusätzlich wegen der Mordvorwürfe verantworten.

Die Leiche des erschossenen Hells-Angels-Rockers soll 2014 ein heute 42 Jahre alter Mann zerstückelt und entsorgt haben. Spaziergänger hatten den abgetrennten tätowierten Arm des Toten im Februar 2014 im Rhein bei Duisburg entdeckt. Durch einen DNA-Abgleich und anhand der Tätowierungen konnte der Arm mit dem vermissten Rocker in Verbindung gebracht werden. Zwei Monate später wurde auch der Torso im Rhein gefunden, Polizeitaucher bargen im Mai 2020 den Schädel des Toten aus dem Rhein-Herne-Kanal an der Duisburger Stadtgrenze.

Der bereits vorliegende Haftbefehl gegen den 42-Jährigen wurde am Donnerstagfrüh in Mönchengladbach vollstreckt. Laut «Bild-Zeitung» trug der Mann nur eine rote Turnhose und ein Goldkettchen, als ihn Spezialeinsatzkräfte abführten.

Bei dem Großeinsatz durchsuchten die Beamten 24 Objekte - darunter Vereinsheime der Hells Angels, Gefängniszellen in verschiedenen JVAs und Bordellbetriebe, teilten die Polizei und Staatsanwaltschaften Duisburg und Mönchengladbach mit. Sie hätten unter anderem Datenträger, Drogen und eine scharfe Schusswaffe sichergestellt.

«Der Einsatz von heute basiert auf jahrelangen intensiven Ermittlungen in den abgeschotteten Strukturen der organisierten Rockerkriminalität», sagte Reul. Laut dem «Bild»-Bericht hatte auch ein Kronzeuge der Polizei wichtige Hinweise gegeben.

Hintergrund ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft eine Auseinandersetzung der Hells Angels mit der verfeindeten Rockergruppe Bandidos, die Mitte Juli dieses Jahres NRW-weit verboten worden war. Ein 31-jähriges Hells-Angels-Mitglied soll Ende 2013 in Oberhausen auf ein Bandidos-Mitglied geschossen und den Mann schwer verletzt haben. Auch dieser Beschuldigte hat sich ins Ausland abgesetzt und wird international gesucht.

«Das waren schlicht und einfach Rockerkriege, die da auf unseren Straßen ausgetragen worden sind», sagte Reul. «Null Toleranz» gelte auch in der Rockerkriminalität und für länger zurückliegende Straftaten.

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