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Hausärzten bereitet ablaufender Impfstoff ebenfalls Probleme

Köln (dpa/lnw)

Die Impfnachfrage ist kurz vor den Sommerferien gesunken. Viele Familien sind erst einmal im Urlaub. Unterdessen laufen die Impfstofflieferungen weiter. Auch Hausärzten bereitet das Probleme.

Von dpa

Eine Spritze mit einem Impfstoff. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Nachdem erstmals im zentralen Landeslager nicht länger haltbarer Corona-Impfstoff aus Impfzentren entsorgt werden muss, sehen auch Hausärzte ein Problem mit überschüssigen Dosen. Durch die Empfehlung einer Kreuzimpfung mit kombinierten Impfstoffen werde der Impfstoff von Astrazeneca kaum noch angenommen, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, der dpa.

Er rechne damit, dass landesweit etwa 100.000 Impfdosen zu verfallen drohten. «Das ist eine grobe Schätzung.» Es gebe keine Mechanismen für die Hausärzte, Impfstoff an den Bund zurückzuführen. Es gebe nur die vage Möglichkeit einer Abgabe an Impfzentren. Eine Weitergabe an Dritte sei nicht möglich, da es sich um Staatseigentum handele.

Die Impfnachfrage sei schon kurz vor den Sommerferien gesunken. Die Aufhebung von Reisebeschränkungen trotz der sich ausbreitenden Delta-Variante habe die Impfungen zu Ferienbeginn in den Hintergrund rücken lassen. «Der Urlaub ruft», verdeutlichte Funken die Stimmung.

Angesichts wieder steigender Infektionen begrüßte er, dass es für viele Reiseländer inzwischen Quarantänevorgaben bei der Rückkehr nach Deutschland gibt. Auch die Ankündigung der Bundesregierung, dass die kostenlosen Corona-Tests in absehbarer Zeit kostenpflichtig werden, sieht der Verbandschef im Kampf gegen eine vierte Welle positiv. «Das wird die Leute wieder mehr dazu bewegen, sich impfen zu lassen.»

In der Frage einer Impfempfehlung für die Altersgruppe 12 bis 17 dürfe es keine erneute chaotische Debatte geben. «Wir wünschen uns eine klare Regelung», betonte der Vorsitzende des regionalen Hausärzteverbandes im Rheinland. Wegen der Hochwasser-Katastrophe sei die Ständige Impfkommission aber auch in der Frage gefordert, ob die Corona-Impfungen parallel zu Standardimpfungen möglich seien.

Leute, die in den Hochwassergebieten im Schlamm gestanden haben, sollten nach seiner Ansicht gegen Tetanus sowie Hepatitis A und B geimpft sein. «Tetanus und Hepatitis A und B geht», erklärte Funken. Zu einer parallelen Impfung gegen Corona gebe es bislang keine Erfahrungen.

Laut NRW-Gesundheitsministerium lief am vergangenen Wochenende die Haltbarkeit von 350 Dosen Astrazeneca ab, die kurzfristig aus den Impfzentren ins Zentrallager des Landes zurückgegeben worden seien. Damit müssten zum ersten Mal abgelaufene Dosen, die von einem Impfzentrum zurückkamen, im Landeslager entsorgt werden.

Bei den 2,3 Millionen Impfdosen, die unverteilt im Bestand des Zentrallagers sind, sei kein Impfstoff verfallen. Das Ministerium prüft, ob auch das Land NRW nicht benötigte Corona-Impfdosen aus seinen Beständen an den Bund zurückgibt. Mehrere andere Bundesländer haben das bereits angekündigt oder prüfen den Schritt. Der Bund beliefert die Hausärzte mit Impfstoff sowie die Länder für die Versorgung der Impfzentren.

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