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Impfzentren schließen: Neues Konzept vor Bewährungsprobe

Düsseldorf (dpa/lnw)

Mehr als zwei Drittel der NRW-Einwohner sind vollständig geimpft. Allerdings hatte das Impftempo schon mit Beginn der Sommerferien nachgelassen. In den auf Massenansturm ausgerichteten Impfzentren gehen die Lichter aus. Hausärzte und mobile Impfteams sind gefragt.

Von dpa

Eine Mitarbeiterin eines Impfteams überprüft eine Spritze mit einem Impfstoff gegen Covid-19. Foto: Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild

Es ist das Ende der Impfzentren, aber nicht das Ende des Impfens: Nach knapp acht Monaten Betrieb schließen die noch aktiven Corona-Impfzentren von NRW an diesem Donnerstag. So ist in Bochum die letzte Dosis im Impfzentrum als Auffrischung für einen 100-Jährigen vorgesehen, der auch der erste war, der im Februar dort eine Spritze bekommen hatte. Auch das Duisburger Impfzentrum in einem ehemaligen Theater oder das Impfzentrum des Kreises Steinfurt am Flughafen Münster-Osnabrück stellen mit Ablauf des 30. September den Betrieb ein. Einige der landesweit 53 Impfzentren schlossen schon vor Tagen oder Wochen. Für das Impfzentrum Düsseldorf im Fußballstadion der Landeshauptstadt war der Mittwoch als der letzte Tag geplant.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte von einer neuen Phase der Corona-Impfkampagne gesprochen. Die Impfungen würden ab dem 1. Oktober überwiegend von niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten übernommen. Außerdem sollen verstärkt mobile Impfteams vor Ort unterwegs sein. Für deren Organisation finanziere das Land den Kreisen und kreisfreien Städten bis zu eineinhalb Stellen. Zudem stehe eine gewisse Ärztezahl für die mobilen Impfteams bereit. «Die Impfzentren sind nicht überall nah am Volk», hatte Laumann im Landtag bereits Anfang des Monats argumentiert. Mobile Teams könnten hingegen in Altenheime, in Fachzentren oder an Bahnhöfe gehen - überall, «wo es sich lohnt, aus kommunaler Sicht, ein Impfangebot zu machen».

Das Land finanziert über den 30. September hinaus keine Impfzentren mehr, die bisher jeden Monat in der Summe 91 Millionen Euro gekostet haben. Allerdings haben einzelne Kreise und kreisfreie Städte Anträge auf das Einrichten kleiner stationärer Impfangebote gestellt. «Die Städte Krefeld, Düsseldorf, Duisburg, Wuppertal und Köln sowie der Kreis Düren haben eine solche Ausnahmegenehmigung angefordert», sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der dpa. Diese Anträge seien genehmigt worden. Das benötigte Personal und die Sachkosten würden analog zu mobilen Impfungen vom Land beziehungsweise Bund finanziert. So setzt die Stadt Düsseldorf unter anderem auch auf zwei dezentrale Impfstellen am Hauptbahnhof und am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee.

Nach Ansicht des Städtetages steht die Bewährungsprobe für das neue Konzept jedoch noch aus. «Das neue Impfkonzept des Landes legt die Verantwortung für die Impfungen in die Hände der niedergelassenen Ärzte», sagte der Geschäftsführer des Städtetages NRW, Helmut Dedy, der dpa. Im Herbst und Winter, wenn Erkältungszeit und Grippeimpfungen anstünden, dürfe die Corona-Impfkampagne nicht ins Stocken geraten. Noch habe man nicht alle Menschen erreicht. Und es sei offen, ob Auffrischungsdosen nicht zu vollen Wartezimmern führen werden.

«Nun ist klar: Sind die Impfzentren weg, gibt es kein schnelles Zurück mehr zu Massenimpfungen. Vielleicht wäre es klüger gewesen, einige Impfzentren als Backup weiterzuführen?», gibt Dedy zu bedenken. Ein gutes Signal vom Land sei, dass die niedrigschwelligen und kreativen Angebote der Städte weiterlaufen könnten: Mobile Impfbusse, Impfaktionen in Fußgängerzonen, bei Sportveranstaltungen oder nach der Arbeit liefen erfolgreich. Das Land werde diese Aktionen auch weiter finanzieren und mit Personal unterstützen. Die Impfzentren selbst bezeichnete Dedy als kommunale Erfolgsgeschichte.

Der Virologe Christian Drosten hält die derzeitige Beruhigung der bundesweiten Corona-Infektionszahlen für ein vorübergehendes Phänomen. Es sei schon zu sehen, dass in ostdeutschen Bundesländern die Inzidenz offenbar unabhängig vom Ferienende wieder Fahrt aufnehme. «Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden», sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Dienstagabend in einem Auszug aus dem Podcast «Coronavirus-Update» bei NDR-Info.

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