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Energielieferstopp

Industrie warnt vor drastischen Folgen bei Energie-Embargo

Düsseldorf (dpa)

Der Vorstandsvorsitzende des Evonik-Konzerns, Christian Kullmann, hat vor drastischen Folgen eines möglichen russischen Energielieferstopps für die deutsche Volkswirtschaft gewarnt. «Die Situation ist ernst», sagte der Präsident des Verbandes der chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch im Radiosender WDR 5. Die deutsche Industrie und besonders die chemische Industrie müssten sich im Fall eines russischen Energie-Embargos «auf ein drastisches, auf ein dramatisches Szenario» vorbereiten. Dann könne die Volkswirtschaft «nicht überleben», sagte Kullmann.

Von dpa

Gerade die chemische Industrie sei sehr energieintensiv. «Wenn wir von der Energieversorgung abgeklemmt werden sollten, dann stehen wir hier innerhalb von wenigen Tagen still», sagte Kullmann. In der Folge würden weitere Branche wie die Bau-, Auto - und Verpackungsindustrie nicht mehr produzieren können.

Im äußersten Fall, also wenn die dritte Stufe des Notfallszenarios der Bundesregierung eintrete, müssten die großen Werke innerhalb von drei Stunden abgestellt werden, sagte Kullmann. Das würde bedeuten, dass Hunderttausende oder sogar Millionen Beschäftigte innerhalb kürzester Zeit «auf Kurzarbeit Null» gesetzt werden müssten. Es gäbe dann zum Beispiel keine Dämmstoffe, keine Autolacke und keine Verpackungen mehr für Medikamente.

Aber es sei derzeit noch nicht abzusehen, welches Krisenszenario die Industrie treffen könne. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte am Mittwoch die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Die Versorgungssicherheit sei weiter gewährleistet.

Gleichwohl stehe die deutsche Industrie geschlossen hinter der Politik der Bundesregierung gegenüber Russland, betonte Kullmann. Die Industrie unterstütze die scharfen Sanktionen gegen Russland in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und wünsche, «dass der Kurs so beibehalten wird».

Russlands Präsident Putin hatte vergangene Woche verkündet, dass Russland Gas an Deutschland und weitere «unfreundliche Staaten» nur noch gegen Zahlung in Rubel liefern werde. Bis zum morgigen Donnerstag sollen die Modalitäten dafür ausgearbeitet werden. Die Europäische Union lehnt Zahlungen in Rubel für Gas ab.

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