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Keine Schulschließungen in NRW: Maskenfreiheit auf Prüfstand

Düsseldorf (dpa/lnw)

Die Corona-Zahlen steigen in NRW rasant an - jetzt scheint Schulministerin Gebauer im Maskenstreit an den Schulen beizudrehen. Die Maskenpflicht im Klassenraum könnte wieder eingeführt werden.

Von dpa

Yvonne Gebauer (M) sitzt zwischen Andreas Pinkwart (l) und Joachim Stamp während einer Pressekonferenz. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Trotz der auch in Nordrhein-Westfalen stark ansteigenden Corona-Zahlen will die Landesregierung weder Schulen schließen noch die Anwesenheitspflicht aussetzen. Auch eine Verlängerung der Weihnachtsferien sei nicht geplant, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf. Auf dem Prüfstand steht jetzt aber doch die umstrittene Maskenfreiheit im Klassenraum. Das Kabinett werde am Dienstag nach Auswertung neuer Infektionszahlen in den Schulen über weitere Präventionsmaßnahmen beraten, sagte Gebauer. «Dazu würde eine Maskenpflicht gehören.»

Noch am Dienstag hatte Gebauer gesagt, Schulen trügen mit strikten Tests und Hygienemaßnahmen dazu bei, die Verbreitung des Virus zu bremsen. Am Freitag sagte sie, das Infektionsgeschehen nehme auch in NRW «spürbar» zu. Das registriere das Ministerium auch bei den wöchentlichen Erhebungen in den Schulen.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW forderte aufgrund der Zunahme der Infektionen und der Quarantänefälle, dass die Maskenpflicht am Platz wieder eingeführt werde. «Beobachtet worden ist die Lage lange genug, jetzt gilt es, zu handeln», sagte der Vorsitzende Stefan Behlau. Die Landeselternschaft der Gymnasien NRW nannte das Tragen von Masken eine «leicht umzusetzende Option für die Sicherung des Unterrichts». Viele Schüler machten davon schon freiwillig Gebrauch. Der NRW-Philologenverband (PhV NRW) forderte Gebauer auf, die Maskenpflicht im Unterricht so schnell wie möglich wieder einzuführen. «Es ist höchste Zeit, die Entscheidung zu korrigieren», sagte die Vorsitzende Sabine Mistler.

Die Maskenpflicht im Unterricht war in NRW Anfang November ausgesetzt worden. Schülerinnen und Schüler müssen aber weiterhin den Mund-Nasen-Schutz im übrigen Gebäude tragen und wenn sie ihren festen Sitzplatz verlassen. Für den Außenbereich war die Maskenpflicht schon vor längerer Zeit abgeschafft worden.

In den Kitas seien derzeit keine zusätzlichen Corona-Schutzmaßnahmen wie Gruppentrennungen oder die Reduzierung der Betreuungszeiten geplant, sagte FDP-Familienminister Joachim Stamp. Die Wissenschaft warne aber vor Virus-Mutationen aus Südafrika. «Insofern wäre es fahrlässig, irgendetwas für die Zukunft auszuschließen.» Er werde mit Ministerin Gebauer aber darauf achten, «dass die Kinder die Letzten sind, die jetzt in Mitleidenschaft gezogen werden», sagte Stamp, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist. «Wir werden die Bildungsrechte verteidigen.»

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach sich am Freitag gegen Schul- und Kitaschließungen aus. «Es muss jetzt unser oberstes Ziel sein, Kitas und Schulen offen zu halten», sagte er in einer Video-Ansprache zum 10. Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf.

Kinder und Jugendliche hätten zu Beginn der Pandemie einen hohen Preis zahlen müssen, um ältere Menschen zu schützen. Schulschließungen hätten dazu geführt, dass gerade die Schülerinnen und Schüler, die es beim Lernen ohnehin etwas schwerer hätten, weiter zurückgefallen seien. «Und wir wissen inzwischen auch, dass viele junge Menschen bis heute unter körperlichen und seelischen Folgen von Isolation und Einsamkeit leiden», sagte der Bundespräsident. «Es ist jetzt an uns, die junge Generation vor weiteren Schäden zu schützen.»

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