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Kohlegegner demonstrieren mit «Feuerlinie» in Lützerath

Lützerath (dpa/lnw)

Erneut haben Kohlegegner für den Erhalt des Dorfes Lützerath am Tagebau Garzweiler demonstriert. Sie fordern einen schnelleren Kohleausstieg. Die bedrohliche Klimakrise stellten sie mit einer «Feuerlinie» dar.

Von dpa

Aktivisten sind in den Garzweiler Tagebau eingedrungen und wurden von Polizisten umstellt. Foto: David Young/dpa/Archivbild

Mindestens 1000 Kohlegegner haben am Sonntag in Lützerath friedlich gegen den Braunkohleabbau im Rheinischen Revier protestiert. Fridays for Future, Greenpeace und andere Gruppen hatten zu der Demonstration vor einem zum Abriss vorgesehenen Bauernhof in der Nähe des Tagebaubetriebs Garzweiler aufgerufen. Der Bauernhof, der ganze Ort und weitere Dörfer sollen nach den Planungen für den Kohleabbau weichen. Die Polizei sprach von «über 1000» Teilnehmern, die Organisatoren von 5000.

«Wer die Klimakrise bremsen will, darf die Zerstörung von Dörfern für den Klimakiller Braunkohle nicht mehr zulassen», sagte Greenpeace-Klimaexperte Bastian Neuwirth laut einer Mitteilung. Die Ampel-Parteien in Berlin müssten den Kohleausstieg verbindlich auf spätestens 2030 vorziehen, forderte er. Bisher ist das Jahr 2038 als Ausstiegsdatum festgelegt.

Greenpeace-Mitglieder legten ein 150 Meter langes Banner mit der Aufschrift «1,5 Grad-Limit» auf einer Straße vor dem Hof aus und entzündeten entlang des Banners am frühen Morgen ein Feuer. Die «Feuerlinie» stehe für die 1,5-Grad-Grenze bei der Klimaerwärmung und solle als symbolische rote Linie zwischen dem Tagebau Garzweiler und dem Ort Lützerath stehen, teilte Greenpeace mit.

Die Aktion sei friedlich verlaufen und das Feuer nach kurzer Zeit wieder aus gewesen, bestätigte ein Polizeisprecher noch am Morgen. Später zogen die Demonstranten von Lützerath zum benachbarten Dorf Immerath und wieder zurück. Zwischenzeitlich hätten sich Personen aus der Demonstration allerdings zur Tagebaukante und damit in Lebensgefahr begeben, twitterte die Polizei am Abend.

Auch Fridays for Future demonstrierte vor Ort und monierte, dass die fortgesetzte Förderung von Braunkohle nicht mit der so dringend erforderlichen Energiewende vereinbar sei. Der nordrhein-westfälische BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht kritisierte die Landesregierung am Sonntag scharf. Sie habe keine Antworten auf die zwei großen existenziellen Krisen dieser Zeit: die Klimakrise und die Biodiversitätskrise. «In beiden Themenfeldern war die Politik der Regierung Laschet vollständig ambitionslos. Der neue Ministerpräsident Hendrik Wüst hat jetzt noch die Chance, das Bild ein wenig zu korrigieren.»

Ein Sprecher der Organisation «Alle Dörfer bleiben» hatte vorab die Teilnehmerzahl auf 2000 bis 3000 geschätzt. Der Energiekonzern RWE als Betreiber des Tagebaus hat bereits angekündigt, vorerst auf Abrissarbeiten zu verzichten. Man wolle zunächst eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Münster abwarten. Das Gericht soll über die Rechtmäßigkeit eines Hof-Abrisses entscheiden.

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