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Künstliche Intelligenz vollendet Sinfonie Beethovens

Bonn (dpa)

Was Ludwig van Beethoven zu Lebzeiten nicht mehr schaffte, hat Künstliche Intelligenz vollendet - die Welturaufführung von Beethovens 10. Sinfonie in Bonn sorgt für meist positive Reaktionen.

Von dpa

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Frau So-Yeon gehen über den roten Teppich. Foto: Roberto Pfeil/dp/dpa

Die Unvollendete ist vollendet - von Künstlicher Intelligenz. Die Welturaufführung einer Version der 10. Sinfonie von Ludwig van Beethoven fast 195 Jahre nach seinem Tod hat überwiegend positive Reaktionen hervorgerufen. Das Beethoven Orchester spielte das Stück am Samstagabend unter der Leitung des Chefdirigenten Dirk Kaftan erstmals öffentlich im Telekom Forum in Beethovens Geburtsstadt Bonn. Das Telekommunikationsunternehmen hatte das viel beachtete Projekt vor einigen Jahren initiiert.

Unter den Gästen waren auch Prominente wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Topmodel Toni Garrn, Schauspieler Benno Fürmann oder Moderator Johannes B. Kerner. «Man kann den Betroffenen ja nicht mehr fragen, ob er es genau so gemacht hätte», sagte Kerner zur Premiere. «Ich finde es ein tolles Projekt.» Und auch Klassik-Fan Fürmann war «total gespannt» auf das künstlerische und wissenschaftliche Experiment: «Da liegen Skizzen 210 Jahre rum. Ich glaube, nur den ersten Satz gibt es skizzenhaft. Dann sagt man, so klingt das Werk. Das ist schon eine gewagte These. Aber gewagte Thesen sind manchmal die geilsten.»

Beethoven hatte die 10. Sinfonie vor seinem Tod 1827 in Wien nicht mehr vollenden können und nur einige Skizzen und Notizen hinterlassen. Auf deren Grundlage hatte ein Experten-Team, zu dem Musikwissenschaftler und Programmierer gehörten, eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, um die Leerstellen zu füllen. Der Computer wurde dafür unter anderem mit vielen weiteren Beethoven-Stücken gefüttert, aber auch mit Musik seiner Zeitgenossen. Das Ziel: Die Maschine zu befähigen, wie Beethoven zu komponieren.

Am Ende machte die KI Vorschläge, wie bestimmte Stellen weitergeführt werden könnten. Die Experten schauten sich die Varianten an, wählten aus und spielten die Entscheidung zurück ins System. Am Samstagabend wurde die vermeintlich beste Version präsentiert. Die meisten Zuhörer und Gäste waren begeistert, es gab lang anhaltenden Applaus.

Die Beteiligten betonten, dass es sich um ein Experiment handelte und es nicht darum gehe, Beethovens Einzigartigkeit anzuzweifeln. Man wollte vielmehr aufzeigen, wie kreative Zusammenarbeit von menschlicher und Künstlicher Intelligenz funktionieren könne. Bonns Generalmusikdirektor und Dirigent Kaftan goss selbst ein wenig Wasser in den Wein und stellte klar: «Um es mal kurz zu machen: Das ist kein Beethoven.» Gleichwohl schufen Experten und Computer ein Stück, das so klang, als hätte es aus der Feder des Musik-Genies stammen können.

«Das Projekt ist eine Kollaboration zwischen Mensch und Maschine», sagte Matthias Röder, Direktor des Karajan Instituts (Salzburg), der das KI-Team geleitet hatte, vor der Uraufführung. Das Potenzial der Technologie sei für Komponisten faszinierend. «Man könnte auch eine Beatles-KI mit der melodischen KI von Mozart kombinieren - und die Harmonien dann selbst schreiben. Das Spektrum von Möglichkeiten ist exponentiell erweiterbar.»

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