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Landschaftsverband beteiligt sich an neuer Gedenkstätte

Schloß Holte-Stukenbrock (dpa/lnw)

Die sowjetischen Kriegsgefangenen aus dem «Erinnerungsschatten» zu holen, forderte 2015 der damalige Bundespräsident Joachim Gauck. Im «Stalag 326» in Schloß Holte-Stukenbrock soll dazu in den nächsten Jahren eine neu konzipierte Gedenkstätte aufgebaut werden.

Von dpa

Die geplante Weiterentwicklung der Gedenkstätte Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock zu einem Gedenkort von nationaler Bedeutung ist am Freitag ein Stück vorangekommen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beschloss eine millionenschwere Beteiligung an Investitions- und Betriebskosten, sofern sich Bund, Land und Kommunen ebenfalls mit bestimmten Beträgen beteiligen.

In dem früheren Kriegsgefangenenlager Stalag («Stammlager») 326 am Rande des Teutoburger Waldes waren von 1941 bis 1945 mehr als 300.000 Menschen interniert, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene. Rund 65.000 von ihnen sollen in der Senne gestorben sein. Das sogenannte «Russenlager» diente vor allem der Bereitstellung von Zwangsarbeitern unter anderem für das Ruhrgebiet.

Mit rund drei Millionen Toten stellen die sowjetischen Kriegsgefangenen nach den europäischen Juden laut LWL die zweitgrößte Opfergruppe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dar. «Die Dimensionen dieses Verbrechens haben in der Erinnerungs- und Gedenkstättenlandschaft der Bundesrepublik bis heute keinen angemessenen Ausdruck gefunden», heißt es in der Beschlussvorlage. Es sei daher an der Zeit für eine Gedenkstätte, die die Geschichte der sowjetischen Gefangenen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücke.

Die erweiterte Gedenkstätte soll an das Leid der Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und anderen Nationen erinnern und ein würdiges Totengedenken ermöglichen. Sie soll die Geschichte des Stalag 326 greifbar machen und einen großen Besucherkreis ansprechen, wie es in der Vorlage weiter heißt. Seit 1996 gibt es in der ehemaligen Arrestbaracke auf dem Gelände bereits eine Dauerausstellung zur Geschichte des Stalag 326.

Als Investitionskosten für die neukonzeptionierte Gedenkstätte werden 60 Millionen Euro veranschlagt. Bund und Land wollen sich daran mit jeweils 25 Millionen Euro beteiligen. Der LWL beschloss am Freitag, zehn Millionen Euro beizusteuern. Übernehmen will der LWL auch mehr als Hälfte der jährlichen Betriebskosten, sofern sich Land und Kommunen beteiligen. Nach jetzigem Planungsstand läge der LWL-Anteil damit bei rund 3,1 Millionen Euro im Jahr. Träger der zukünftigen Gedenkstätte soll eine Stiftung bürgerlichen Rechts sein. Sie soll 2022 gegründet werden.

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