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Landtagsabgeordneter Vincentz will AfD NRW anführen

Düsseldorf (dpa)

Die nordrhein-westfälische AfD will sich an ihrer Spitze verjüngen. Der Kandidat für den Landesparteivorsitz ist halb so alt wie der derzeitige Landesparteichef. Der Wechsel an der Parteispitze soll ohne einen Machtkampf über die Bühne gehen.

Von dpa

Martin Vincentz, AfD-Landtagsabgeordneter. Foto: David Young/dpa

Die nordrhein-westfälische AfD will einen Generationenwechsel an ihrer Spitze einleiten. Neuer Landesparteichef der rechtspopulistischen Partei will der 35 Jahre alte Mediziner und Landtagsabgeordnete Martin Vincentz werden. Das bestätigte Vincentz am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Zuvor hatte der amtierende Landeschef und Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen (70) in einem Schreiben an den Landesverband angekündigt, beim AfD-Landesparteitag am 5. und 6. Februar in Siegen nicht mehr zu kandidieren.

Er habe sich mit Lucassen und anderen Parteifunktionären «Gedanken gemacht, wer das passendere Gesicht nach außen sein könne», sagte Vincentz, der stellvertretender AfD-Fraktionschef im NRW-Landtag ist. «Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Generationswechsel an der Stelle vielleicht notwendig wäre.»

Anders als in der Vergangenheit solle es keine Kampfabstimmung in der AfD um den Führungsposten geben. Die AfD könne bei ihrer Außenwirkung «sicher noch einige Meter gutmachen», sagte Vincentz. Der aus Krefeld stammende Facharzt für Allgemeinmedizin ist auf Gesundheitsthemen spezialisiert. Vincentz sagte, auch der Bundestagsabgeordnete Fabian Jacobi, der vor längerer Zeit ebenfalls Interesse am Landesvorsitz bekundet hatte, wolle ihn unterstützen.

Lucassen hatte in einem am Montag verschickten Schreiben an die Mitglieder des NRW-Landesverbandes, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, geschrieben: «Nach reiflicher Überlegung habe ich die Entscheidung getroffen, nicht erneut als Ihr Landessprecher zu kandidieren.» Stattdessen wolle er den Weg für die nachfolgende Generation ebnen.

Er habe «große Hochachtung» vor dieser Entscheidung Lucassens, einen Generationenwechsel im Landesvorstand einzuläuten, sagte Kay Gottschalk, Bundestagsabgeordneter und ebenfalls Mitglied des NRW-Landesverbandes. Er persönlich halte Vincentz für einen guten möglichen Nachfolger an der Spitze des Landesverbandes. Vincentz sei vielen Mitgliedern durch seine fundierten Äußerungen zur Corona-Politik bekannt. Bei der Landtagswahl in NRW am 15. Mai steht Vincentz auf Platz zwei der AfD-Landesliste hinter Fraktionschef Markus Wagner.

«Mit meinen frei werdenden Ressourcen werde ich mich verstärkt meiner politischen Arbeit in Berlin widmen», fügte Lucassen in seinem Schreiben hinzu. Ob der Verteidigungspolitiker und Oberst a.D. damit seine Aufgaben im Bundestag meint oder womöglich Ambitionen mit Blick auf die in diesem Jahr ebenfalls anstehende Neuwahl des Bundesvorstandes, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Lucassen schrieb lediglich, er fühle sich darin bestätigt, «dass das Konzept der Einzelspitze aufgegangen ist». Diesen Weg sollte die AfD sowohl im Bund als auch in der Bundestagsfraktion verfolgen. Die AfD sei aus den Kinderschuhen heraus und sollte Zuständigkeiten deshalb «nicht ängstlich verteilen».

Die Bundestagsfraktion leiten aktuell Tino Chrupalla und Alice Weidel. An der Spitze der Bundespartei stehen Chrupalla und Jörg Meuthen. Meuthen, der sich in den vergangenen Jahren als Gegenspieler der Rechtsaußen-Strömung in der Partei positioniert hatte, will nicht mehr antreten.

Lucassen, der seit 2019 den Landesverband führt, ist in der NRW-AfD auch wegen seines Führungsstils nicht unumstritten. Kritisiert wird Lucassen in der Partei auch für seine Unterstützung des umstrittenen Dortmunder Politikers und stellvertretenden NRW-Landeschefs Matthias Helferich.

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