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Landwirte sorgen sich um Akzeptanz ihrer Arbeit

Münster/Isernhagen (dpa/lni)

Landwirte stehen unter Druck und sorgen sich, dass die Tierhaltung in Deutschland keine Zukunft mehr hat. Die Forderung an die Politik lautet: Sorgt für Lösungen unserer Probleme.

Von dpa

Schweine stehen in einem Maststall. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild

Sorgen über die politische und gesellschaftliche Akzeptanz haben die am Donnerstag stattfindenden Mitgliederversammlungen der Schweinehalter und der Milchviehhalter geprägt. «Insbesondere mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit steht die Milch in bestimmten Kreisen immer wieder in der Kritik», sagte der Vorstandsvorsitzende der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, Jan Heusmann, bei der Mitgliederversammlung in Isernhagen.

In Münster forderte der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Heinrich Dierkes, die Politik zur Lösung lang aufgeschobener Probleme auf: «Wer sich Aufbruch und Erneuerung auf die Agenda schreibt und den Umbau der Tierhaltung fordert, der muss auch gleichzeitig umfassende Lösungen dafür liefern, wie die Schweinehalter das umsetzen können - fachlich wie auch wirtschaftlich.»

Es gehe darum, dass es auch künftig Schweinefleisch in Deutschland unter den hohen hiesigen Standards erzeugt werden könne und nicht aus Ländern mit geringeren Erzeugerstandards importiert werde, sagte Dierkes.

Die Anzahl der Schweinehalter sei in den vergangenen zehn Jahren von 30.900 Betriebe im Jahr 2011 auf 19.800 Betriebe im Mai 2021 gesunken, hieß es von der ISN mit Bezug auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Auch die Anzahl der gehaltenen Schweine sank mit 24,7 Millionen Tiere auf den niedrigsten Stand seit 1997.

Hingegen hätten die spanischen Produzenten ihren Tierbestand seit 2013 von 24,7 Millionen Tiere auf 32,4 Millionen Tiere aufgestockt und träten im europäischen Wettbewerb zunehmend als preisaggressiver Konkurrent auf.

Bei den Milchviehhaltern machen derzeit extrem hohe Kosten für Energie, Dünger und Futtermittel große Sorgen, erklärte LVN-Geschäftsführer Frank Feuerriegel. Zwar seien die Milchpreise in diesem Jahr mit durchschnittlich 35,5 Cent pro Liter wieder recht gut. «Das wird durch die Kostensituation im Moment aber massiv aufgezehrt.»

LVN-Vorstandsvorsitzender Heusmann wies darauf hin, dass die Milchbranche schon seit Jahren beim Thema Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz engagiert sei. So gebe in der gesamten Kette von der Erzeugung bis zur Verarbeitung zahlreiche Anstrengungen, um die Klimaauswirkungen der Milchproduktion zu reduzieren. Der CO2-Fußabdruck der deutschen Milcherzeugung gehöre zu den geringsten im weltweiten Vergleich. Allerdings lasse sich der Ausstoß von CO2 in der Milchproduktion nicht komplett auf Null reduzieren.

Auf der LVN-Mitgliederversammlung wurde das Projekt «Klimabilanz Milchviehbetriebe» vorgestellt. Ziel sei es, dass Landwirte sowohl ihren individuellen CO2-Fußabdruck erfassen und auch sehen können, wie sie im Vergleich mit anderen dastehen.

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