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Mehr Menschen aus Einwandererfamilien im öffentlichen Dienst

Solingen (dpa/lnw)

Nordrhein-Westfalen leben besonders viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Bei der Integration sei einiges vorangekommen, sagen Experten bei einem Landeskongress. Aber das reiche nicht.

Von dpa

Joachim Stamp (FDP) bei einer Pressekonferenz. Foto: Roland Weihrauch/dpa/Archivbild

Im öffentlichen Dienst sollten Integrationsminister Joachim Stamp zufolge mehr junge Leute aus Familien mit Migrationsgeschichte beschäftigt werden. «Unsere vielfältige Gesellschaft bildet sich hier nicht ausreichend ab», sagte der FDP-Politiker am Freitag beim Landesintegrationskongress in Solingen. Der öffentliche Dienst im «offenen Einwanderungsland» NRW solle mit gutem Beispiel vorangehen.

In einer Kampagne werbe man daher für mehr Menschen aus Einwandererfamilien. «Wir wollen bewusst dazu einladen.» Oft bestehen nach Einschätzung des Ministers noch Hemmungen, sich für den öffentlichen Dienst zu bewerben. Es sei wichtig, «dass wir motivieren». Auch in den Ausländerämtern sollten künftig mehr Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten, meinte Stamp.

Zuwanderer seien ein wichtiger und bereichernder Teil der Gesellschaft, betonte der stellvertretende NRW-Ministerpräsident bei der Online-Tagung «Raum für Chancen» mit renommierten Experten aus Wissenschaft und Praxis. Vor allem der ersten Generation der sogenannten Gastarbeiter, die vor rund sechs Jahrzehnten nach Deutschland kamen, sei viel zu lange die nötige Wertschätzung vorenthalten worden. Statt «immer nur über Defizite zu sprechen», sollten die vielen guten Alltagsvorbilder stärker herausgestellt werden. Das blende nicht aus, dass es nach wie vor Rassismus, Alltagsdiskriminierung, Reibereien und Konflikte gebe.

Migrationsexpertin Yasemin El-Menouar sagte, bei allen Fortschritten müssten noch zentrale Integrationsbarrieren abgebaut werden. Vorurteile und Feindseligkeiten verhinderten gleichberechtigte Teilhabe. Bei gleicher Qualifikation würden Zugewanderte auf dem Arbeitsmarkt weiterhin benachteiligt, auch auf dem Wohnungsmarkt hätten sie es schwerer, schilderte die Wissenschaftlerin der Bertelsmann Stiftung.

Eine Unterscheidung in «Die und Wir» müsse überwunden werden, mahnte Robert Fuchs, Geschäftsführer des Migrations-Dokumentationszentrums DOMiD. Die Schule sei ein wichtiger Ort, um auch Migrationsgeschichte zu vermitteln und beim Abbau von Vorurteilen zu helfen.

Für gesellschaftlichen Zusammenhalt sei Zuhören und «Verstehen-Wollen» wichtig, sagte Stamp. Gerade in sozialen Netzwerken komme das oft zu kurz. Dort gehe es vielen nur ums «eigene Recht-Haben», es werde bewusst überspitzt und polarisiert, um Follower zu gewinnen.

Bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Austausch ging es diesmal auch um die Frage, ob Menschen mit Zuwanderungsgeschichte von Corona besonders stark getroffen sind. Stamp unterstrich, die tagtägliche Integrationsarbeit werde vielerorts durch die Pandemie erheblich erschwert.

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