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Sexismus-Debatte

Millionenspektakel Rheinkirmes ohne Partysong «Layla»

Düsseldorf (dpa)

Nach dem Volksfest in Würzburg untersagt auch die riesige Kirmes in Düsseldorf den Partyhit «Layla». Der Veranstalter - ein traditionsreicher Schützenverein - zeigt sich entsetzt über den Inhalt des Liedes. Nicht alle sind einverstanden.

Von Oliver Auster und Frank Christiansen, dpa

Karussellpferde stehen auf der Rheinkirmes. Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Rheinkirmes ohne «Layla»: Der umstrittene Partysong, immerhin derzeit Nr. 1 der Charts, soll nicht auf der am Freitag beginnenden Düsseldorfer Kirmes gespielt werden. Die ist mit erwarteten vier Millionen Besuchern eines der größten Volksfeste Deutschlands. Die Entscheidung traf der Chef des Schützenvereins St. Sebastianus, der die Kirmes traditionell ausrichtet.

«Ich bin der Meinung, dass dieses Lied überall hingehört - nur nicht auf unseren Festplatz», sagte Schützen-Chef Lothar Inden der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt Düsseldorf wegen «Layla» bei den Veranstaltern vorgesprochen.

Nachdem die Schützen zugesagt hätten, dass das Lied in Festzelten und Fahrgeschäften unterbunden werden soll, habe man vonseiten der Stadt keinen Anlass für ein Verbot gesehen, so eine Sprecherin. Man habe als Verwaltung dafür aber «auch keine Rechtsgrundlage» gesehen. Ein Verbot durch die Stadt sei «weder geplant noch gewollt» gewesen, betonte die Gleichstellungsbeauftragte am Mittwoch.

Kirmes-DJ Marc Pesch (47) ist über die Entscheidung alles andere als begeistert. Er legt bei der «Mallorca-Party» zur Kirmes-Eröffnung auf: «Das Stück ist immerhin die Nr. 1 in Deutschland und die erwarten die Menschen zu Recht», sagt er. Pesch sieht sich als DJ im Dilemma: «Das ist wie Fußball, wenn man kein Tor schießen darf.»

Dabei gebe es schlimmere Mallorca-DJs mit sehr viel schlimmeren Texten, sagt Pesch: «Dagegen ist "Layla" ein Lied für die Kirchweihe.»

Kirmes-Organisator Thomas König erläutert, dass das Verbot des Schützenvereins für das Festzelt der Schützen gelte und an die Schausteller lediglich eine Empfehlung gegangen sei, das Lied nicht zu spielen. Warum an diesem Stück jetzt ein Exempel statuiert werden soll, erschließe sich ihm persönlich nicht ganz, bekennt er. «Der Gangster-Rap ist deutlich frauenfeindlicher. Meine Kinder haben mich für bekloppt erklärt.»

Die Schausteller und Bierzeltbetreiber zeigten sich unterdessen kooperativ, was «Layla» angeht: «Ist eh' nicht in unserem Programm», «Passt gar nicht in unser Musikkonzept», «Können wir gut mit leben» bis «Wir wollen ja wiederkommen dürfen», sagten sie am Mittwoch auf Nachfrage.

Schützen-Chef Inden sagte der dpa, er habe das Lied vorher nicht gekannt und sich dann mit dem Inhalt beschäftigt. Der Text entspreche in keiner Weise den Gepflogenheiten seines Traditionsvereins.

In dem Ballermann-Hit von DJ Robin & Schürze, zurzeit auf Platz 1 der deutschen Charts, heißt es unter anderem: «Ich hab' 'nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler (...) Die schöne Layla, die geile Layla. Das Luder Layla, unsre Layla (...).»

Zu Wochenbeginn war bekanntgeworden, dass «Layla» auf dem Würzburger Kiliani-Volksfest auf Drängen der Stadt nicht gespielt werden darf. Die Düsseldorfer Kirmes startet an diesem Freitag nach zwei Jahren Pandemie-Zwangspause mit mehr als 20 Neuheiten. Bis zum 24. Juli werden vier Millionen Menschen erwartet.

Mit dabei ist die Weltneuheit «Escape», die die Fahrgäste zwar um verschiedene Achsen wirbelt, dafür aber erstaunlich magenfreundlich sein soll. Auch Schausteller kennen Lieferkettenprobleme: «Auf einige Elektronikbauteile haben wir bis zum letzten Moment gewartet», berichtete Betreiber Lutz Köhrmann.

Remco Kriek aus Amsterdam ist mit seinem 62 Meter hohen propellerbetriebenen Riesenkreisel «Gladiator» zum ersten Mal auf der Rheinkirmes: «Wir haben uns jahrelang beworben. Die Rheinwiese ist das Schönste, was man haben kann. Für Schausteller sind das die besten neun Tage der Welt. Ich erwarte, dass die Hölle abgeht. Die Leute haben die Kirmes wirklich vermisst.»

Kirmes-DJ Pesch hat unterdessen eine Idee, wie er dem «Layla»-Dilemma entgehen kann. Er will eine Instrumental-Version des Partyhits spielen.

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