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Ministerin: Brand hat Anwohner nicht geschädigt

Düsseldorf (dpa)

Nach der Explosion in einem Leverkusener Chemieunternehmen fanden Anwohner in ihren Gärten schwarze Rußpartikel. Diese sind aber nach Erkenntnissen der Landesregierung nicht gefährlich.

Von dpa

Eine dunkle Rauchwolke steigt nach einer Explosion über dem Chemiewerk auf. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Die schwere Explosion in einer Leverkusener Sondermüllverbrennungsanlage hat nach Angaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung nach derzeitigem Kenntnisstand zu keiner Gesundheitsgefährdung der Anwohner geführt. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte am Montag im Düsseldorfer Landtag in einer Sondersitzung des Umweltausschusses, dass das NRW-Landesumweltamt (LANUV) bei Luftmessungen am Tag des Geschehens keine Auffälligkeiten festgestellt habe.

Bodenproben mit Rußpartikeln, die nach dem Brand in der Umgebung niedergegangen waren, hätten «nur geringe Gehalte» von Schadstoffen ergeben. «Diese Ergebnisse bieten keinen Anhaltspunkt für eine relevante Erhöhung des Gesundheitsrisikos im untersuchten Bereich», folgerte Heinen-Esser.

Die Ministerin kritisierte, dass das Unternehmen zunächst nur zögerlich Informationen geliefert habe. Dies sei allerdings wohl eher auf vorübergehende Überforderung und nicht auf eine bewusste Verzögerungstaktik zurückzuführen.

Bei dem Unglück waren Ende Juli sechs Menschen ums Leben gekommen, eine weitere Person wird vermisst. 31 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht bekannt. «Die Aufklärung der Ursachen dieses Unglücks hat für uns höchste Priorität», versicherte Heinen-Esser.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte in der vergangenen Woche kritisiert, die Entwarnung für die Anwohner komme zu früh. Greenpeace hatte selbst 20 Proben genommen und auswerten lassen. In zwei Proben seien leicht erhöhte Werte der krebserregenden Stoffe Dioxin und PCB gefunden worden, teilte die Umweltschutzorganisation mit. In Gärten und anderswo herumliegende Rußpartikel müssten deshalb fachgerecht eingesammelt und entsorgt werden.

Dazu sagte LANUV-Präsident Thomas Delschen am Montag in der Ausschusssitzung: «Die wesentlichen Ergebnisse der Greenpeace-Untersuchung bestätigen ja eigentlich unsere Einschätzung.» So seien bei allen Wischproben keine Dioxine gefunden worden, und auch bei den Proben der Rußpartikel-Niederschläge seien nur in zwei Fällen erhöhte Werte festgestellt worden. Es bleibe dabei, dass nach derzeitigem Kenntnisstand keine Schadstoffe in gesundheitsschädigendem Umfang freigesetzt worden seien.

Der umweltpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion, Norwich Rüße, kritisierte hingegen, es habe sich gezeigt, «dass Ursachen und Folgen des Chempark-Unglücks bislang vollkommen unzureichend aufgearbeitet» worden seien. «Sehr irritiert hat die Schilderung der Ministerin, dass das Unternehmen die Information, welche Stoffe in den betroffenen Tanks gelagert wurden, erst am Freitag - also drei Tage nach der Explosion - zur Verfügung stellte.» Hier sei wichtige Zeit verloren gegangen, sagte Rüße.

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