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Neonazi-Demo und Gegenveranstaltungen verlaufen friedlich

Dortmund (dpa/lnw)

Vor knapp einer Woche stirbt der bekannte Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt. Die rechtsextreme Szene versammelt sich am Samstag in Dortmund deswegen zu einer Demo. Es gibt drei Gegenveranstaltungen. Nun zieht die Polizei Bilanz.

Von dpa

Ein Teilnehmer der Kundgebung trägt nach dem Tod von Neonazi Siegfried Borchardt einen Kranz. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Eine Kundgebung von Rechtsextremisten und drei Gegenveranstaltungen in Dortmund sind weitgehend friedlich und störungsfrei verlaufen. Die Dortmunder Polizei, die die Demos am Samstag mit starken Kräften begleitete, zog eine positive Bilanz. Sie sprach von bis zu 500 Teilnehmern an der rechtsextremen Versammlung, für die 250 angemeldet worden waren. «Diese Zahl erschien uns von Anfang an unrealistisch», sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange. «Wir haben uns daher auf wesentlich mehr vorbereitet. Die Zahl von bis zu 500 Teilnehmenden liegt weit unter der von uns erwarteten Zahl.»

Nach dem Tod des Dortmunder Neonazis Siegfried Borchardt hatte ein rechtsextremistischer Anmelder zu der Versammlung aufgerufen. Borchardt war als «SS-Siggi» bundesweit bekannt. Daher war die Anreise von Anhängern der Szene auch über NRW hinaus erwartet worden.

Lange sagte, dank der intensiven Vorbereitung auf den Großeinsatz sei dieser «erfolgreich» verlaufe. Es zeige sich, «dass die rechte Szene in Dortmund geschwächt und überregional zu keiner größeren Mobilisierung mehr fähig» sei. Bei einem Teilnehmenden aus dem rechtsextremen Spektrum fanden Beamte «ein paar Quarzhandschuhe und eine Vermummungsmaske». Die Gegenstände stellten die Polizisten sicher. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet.

Die Rechtsextremen versammelten sich gegen 14.00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz, um etwa 15.15 Uhr setzte sich der «Trauermarsch» durch die City bis zum Stadtteil Dorstfeld in Bewegung, in dem Borchardt zuletzt gewohnt hatte. Einige Teilnehmer trugen schwarze Fahnen. Zahlreiche Straßen in dem betroffenen Gebiet waren vorübergehend gesperrt. Der Verkehr wurde teilweise umgeleitet. Dadurch kam es zu einigen Staus im Stadtgebiet. Auch zwei U-Bahnlinien fuhren für die Dauer des Aufzugs nicht. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Stadt.

Zu Gegenprotesten hatten unter anderem die Dortmunder Grünen und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen. Hinzu kam eine Eil-Anmeldung aus der linksextremen Szene. Die Antifa hatte bereits im Vorfeld für eine Kundgebung mobil gemacht. Auch bei diesen Protesten mit laut Polizei insgesamt 200 Teilnehmern gab es keine Zwischenfälle. «Der Gegenprotest war lautstark, bunt und friedlich. Alle Gegendemonstrationen waren gegen 17.15 Uhr beendet», teilte die Polizei mit.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Borchardt vor knapp einer Woche im Alter von 67 Jahren gestorben war. «SS-Siggi» galt als einer der Köpfe der Dortmunder Rechtsextremen-Szene, die mittlerweile als geschwächt gilt. Er saß für «Die Rechte» 2014 kurzzeitig im Dortmunder Stadtrat, legte das Mandat aber nach zwei Monaten nieder. Er hatte ein langes Vorstrafenregister und verbüßte mehrere Haftstrafen - unter anderem wegen Volksverhetzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung.

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