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NRW-Regierung verteidigt Krisenmanagement in Flutkatastrophe

Düsseldorf (dpa/lnw)

Es gab Warnungen. Aber in der Hochwasserkatastrophe übertrafen die Wasserstände kleiner Flüsse die schlimmsten Befürchtungen. Die NRW-Landesregierung meint nun, die Vorhersage des Wetterdienstes sei in einem Punkt nicht präzise gewesen.

Von dpa

Autos liegen nach der Flutkatastrophe in NRW auf der Seite. Foto: David Young/dpa/Archivbild

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat sich gegen den Vorwurf verteidigt, die Gefahr der Hochwasserkatastrophe im Juli falsch eingeschätzt zu haben. In einem Bericht des Umweltministeriums für den Landtag wird auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) in die Verantwortung genommen. Die Angaben des DWD am 12. und 13. Juli seien «bei aller fachlichen Qualität der Vorhersage» in einem relevanten Punkt «nicht präzise» gewesen, heißt es in dem am Dienstag öffentlich gewordenen Bericht.

Dem Ministerium zufolge hatte der DWD den Zeitraum des Niederschlags vor Mittwoch, 14. Juli, mit «bis Donnerstag früh» und «nächste 48-60 Stunden» benannt. Dies sei so bewertet worden, dass der Regen über diesen Zeitraum verteilt fallen werde. Am 12. Juli habe die Meldung auch noch von einer «Aufsummierung» gesprochen. «Damit war zwar ein Hochwasser wahrscheinlich, aber nicht das tatsächlich eingetretene Ereignis.»

Tatsächlich sei die «meteorologische Situation als stationäres Tief eine unbekannte Konstellation» gewesen, die mindestens seit Jahrzehnten nicht aus den Messdaten bekannt gewesen sei. Außerdem seien die Regenmengen nicht binnen mehrerer Tage gefallen, sondern teils binnen 14 Stunden. Wie in den Wochen zuvor sei vor allem von räumlich eingegrenztem Starkregen auszugehen gewesen, heißt es weiter.

Durch die Flut entstand dem Bericht zufolge ein Schaden von rund 52 Millionen Euro an Hofstellen in der Landwirtschaft sowie an Äckern und Grünland. Auf etwa 15.000 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche sei ein Totalausfall der Ernte zu verzeichnen. Zudem entstünden Kosten für die Beseitigung von Ablagerungen - etwa angespültes Geröll und Treibgut - sowie die Herstellung geschädigter Kulturflächen, heißt es in dem Bericht.

«Durch die Überschwemmung wird in NRW von 250 betroffenen Hofstellen ausgegangen», teilte das Ministerium dem Ausschuss mit. Wirtschaftsgebäude, Maschinen und Geräte, Tierbestände, Futtervorräte sowie landwirtschaftliche Kulturen seien auf den überschwemmten Flächen zerstört, beschädigt oder in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das Hochwasser-Risikomanagement bleibe eine «herausfordernde Daueraufgabe», erklärte das Ministerium. Trotz aller Maßnahmen verbleibe ein Restrisiko. Ein wesentliches Problem sei der Verlust von Freiräumen und versickerungsfähigen Böden. Etwa ein Zehntel der Landesfläche sei versiegelt.

Die Grünen im Landtag fordern einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Hochwasserkatastrophe mit fast 50 Toten. Das Handeln der Behörden vor und während des Hochwassers müsse aufgearbeitet werden, teilte Fraktionschefin Verena Schäffer mit. Es seien immer noch viele Fragen zur Kommunikation und zum Informationsfluss innerhalb der Landesregierung sowie der Landesbehörden offen.

Bei der Flutkatastrophe Mitte Juli starben in Nordrhein-Westfalen nach bisherigem Stand 49 Menschen. Es entstanden nach ersten Schätzungen Schäden in Höhe von 13 Milliarden Euro.

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