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Amtsgericht Köln

Pochers als Zeugen vor Gericht: «Es ist so schlimm für mich»

Köln (dpa)

Amira und Oliver Pocher sind ein Paar, arbeiten beim Fernsehen - und wurden im Januar 2022 Opfer eines Einbruchs. Rund ein Jahr später urteilt nun das Kölner Amtsgericht über den Täter. Vor allem Amira Pocher schildert als Zeugin, welche Folgen die Tat für sie hatte.

Von Jonas-Erik Schmidt, dpa

Der Comedian Oliver Pocher und seine Frau Amira. Foto: Felix Hörhager/dpa

Die Lexikon-Seite Wikipedia listet für Oliver Pocher eine ganze Reihe von Berufen auf: Komiker sei er, aber auch Entertainer, Fernsehmoderator, Influencer und Schauspieler ist dort zu lesen. Pocher formuliert es weniger trennscharf, nachdem er am Mittwoch in einem fahl beleuchteten Saal des Kölner Amtsgerichts Platz genommen hat. Was er beruflich mache, will Richter Rolf Krebber dort von ihm wissen. «Joah», sagt Pocher. «Dies und das.»

Es ist für das Kölner Amtsgericht kein Prozess wie jeder andere - und das liegt unter anderem daran, dass die beiden Zeugen, die heute aussagen sollen, schon in etlichen TV-Shows, in Moderatoren-Funktion, in Podcasts oder auf Bühnen gearbeitet haben. Geladen sind Oliver Pocher (44) und seine Frau Amira Pocher (30), bekannt etwa aus der RTL-Promi-Tanz-Sendung «Let's Dance». Das Medien-Interesse ist sehr groß. Am Ende gibt Oliver Pocher an, er sei Comedian.

Die Sache, um die es geht, ist gleichwohl ernst. Bei den Pochers wurde im Januar 2022 eingebrochen. Angeklagt ist ein Mann, zu dem dem Gericht am Mittwoch irritierenderweise unterschiedliche Personalangaben vorliegen - einmal ist er 30 Jahre alt, einmal 28 Jahre. Mit gesenktem Kopf verfolgt er die Verhandlung.

An der Tat gibt es allerdings rasch keine Zweifel mehr. Anwalt Klaus Kirchner gibt eine Erklärung ab. Sein Mandant sei damals tatsächlich nach einem «Freundschaftsbesuch» zufällig und alleine an dem Haus in Köln vorbeigekommen. Nachdem er ein offenes Fenster bemerkt habe, sei er in das Haus «gelangt». Er habe unter anderem Schmuck mitgenommen und später «veräußert». Grund sei ein «finanzieller Engpass» gewesen.

Richter Rolf Krebber nimmt das zur Kenntnis, hat aber auch sichtliche Zweifel an den geschilderten Rahmenbedingungen. Etwa an der Zufälligkeit. Und daran, dass der Angeklagte damals, wie er behaupte, von einem Freund abgesetzt worden sei, um dann weiter zum Kölner Hauptbahnhof zu reisen. Krebber kennt die Wohngegend, in der der Einbruch geschah. «Das ist aber kein guter Freund», stellt er fest. «Das ist ein Stück bis zum Bahnhof.» Zeitweilig zieht er sich die Brille von der Nase und reibt sich die Augen.

Dann, um 9.42 Uhr, heißt es: «Frau Pocher, bitte in Saal 10 eintreten.» Amira Pocher berichtet, dass sie den Einbruch erst spät bemerkt habe. Im Haus seien ja eigentlich Leute gewesen, auch wenn sie selbst es zeitweilig wegen eines Termins verlassen habe. Unter anderem seien ihre Kinder im Haus gewesen.

«Ich putze meine Zähne und denke dann: Irgendwie sieht es hier leer aus», erinnert sie sich. Auf einmal habe sie dann eine leere Schmuckschatulle auf dem Bett entdeckt. Zunächst fragte sie demnach ihren Mann: Was hast du mit meinem Schmuck gemacht? Aber nein, es war ein Einbruch. Gestohlen worden sei etwa ihre «heiß geliebte» Uhr, die sie sich einst hart erarbeitet habe, sagt Amira Pocher. Der Wert wird auf mehrere Zehntausend Euro beziffert.

Aber das Materielle sei ihr mittlerweile «völlig wurscht», sagt sie. Es gehe um die ausgelöste Angst. «Ich habe zwei kleine Kinder. Und ich habe seitdem auch keine ruhige Nacht mehr», sagt sie. «Jedes Geräusch. Es ist so schlimm für mich.»

Über den Einbruch hatten die Pochers kurz nach der Tat selbst in einem Podcast berichtet. Nach Angaben des Gerichts fiel der Vorfall in eine Zeit, in der die Familie vorübergehend im Haus von Pietro Lombardi gewohnt hatte. Der Sänger und Freund hatte der Familie nach der Hochwasserkatastrophe sein Haus in Köln überlassen.

Irgendwann meldet sich Anwalt Kirchner und sagt: «Frau Pocher, er möchte sich entschuldigen.» Der Angeklagte sagt dann, dass es ihm sehr leid tue, vor allem auch wegen der Kinder. Er habe Geld gebraucht - sein Kind sei krank. Amira Pocher sagt zu ihm freundlich: «Alles Gute für die Familie.» Oliver Pochers Aussage fällt danach deutlich kürzer aus. Das Gericht hat genug gehört.

Verurteilt wird der Mann wegen Wohnungseinbruchdiebstahls zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Richter Krebber begründet das Strafmaß auch mit den psychischen Spätfolgen für die Pochers. «Der Schrecken? Bei Frau Pocher sitzt der heute noch in den Gliedern, das war deutlich zu merken», sagt er. Der Anwalt des Angeklagten will Berufung einlegen.

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