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Rocker-Mord: Polizei fahndet mit Fotos nach Verdächtigen

Duisburg (dpa)

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, mögen sich die Ermittler denken: Nachdem der Mordverdächtige Ramin Y. am Freitagmorgen ein Selfie-Video mit breitem Grinsen veröffentlichte, wird nun mit einem ähnlichen Foto aus seinem Instagram-Account nach ihm gefahndet.

Von dpa

Das Symbol der «Bandidos Germany» (l) und das der «Hells Angels Germany». Foto: picture alliance /dpa/Archivbild

Die Polizei hat eine Fahndung mit Instagram-Fotos nach einem «Hells Angels»-Mitglied gestartet, das vor sieben Jahren den Rockers Kai M. (32) ermordet haben soll. Auch von einem zweiten «Hells Angel» wurden Fotos aus dessem eigenen Instagram-Account veröffentlicht. Er soll 2013 auf einen «Bandidos»-Rocker geschossen haben. Die Ermittler vermuten die Verdächtigen im Iran beziehungsweise in der Türkei.

Ramin Y. (33), gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Mordes besteht, hat bei Instagram 121 000 Abonnenten. Am Freitagmorgen hatte er noch mehrere Inhalte geteilt, in denen er sich über die Ermittler lustig machte. Auf weiteren Fotos und Videos zeigt er sein Leben im Iran. Die Polizei nutzt zwei Fotos des Mannes zur Fahndung, eins davon zeigt ihn mit Sonnenbrille und breitem Grinsen. Die Polizei nennt in der Fahndung auch den kompletten Namen des Rockers.

Im gleichen Zuge suchen die Ermittler nach Mustafa H. (31). Er sei «dringend verdächtigt» am 10. November 2013 auf den damaligen Vizepräsidenten der Rockergruppierung «Bandidos» in Oberhausen geschossen zu haben. «Der Geschädigte überlebte schwer verletzt. Es besteht ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes», heißt es in der Fahndung. Auch hier wird mit Fotos aus den Sozialen Medien nach dem Mann gesucht, der sich in die Türkei abgesetzt haben soll.

Im Fall von Ramin Y. hatte die Polizei bereits am Freitagmittag auf Anfrage mitgeteilt, dass sie die Social Media-Kanäle des Mordverdächtigen aufmerksam verfolge. Ob die Öffentlichkeitsfahndung im Zusammenhang mit seinen Instagram-Posts steht, blieb zunächst offen. Ramin Y. hatte am Morgen unter anderem das Foto eines Mannes im Klappstuhl auf dem Boden eines Pools geteilt und es mit «So sieht Abtauchen aus!» überschrieben. Danach lud er ein Selfie-Video hoch, auf dem er grinsend vor einem Swimmingpool mit Palmen sitzt.

Ramin Y. soll auch an dem Anschlag auf den «Bandidos»-Chef beteiligt gewesen sein. Wegen des Mordes an Kai M. war Ramin Y. schon lange im Visier der Ermittler. 2014 und 2016 hatten sie ihn jeweils mit einem Spezialeinsatzkommando (SEK) festgenommen, dann aber wieder laufen gelassen.

Fünf Personen, die am Donnerstag - neben zwei Verhafteten - vorläufig festgenommen wurden, sind nach Angaben der Polizei vom Freitag inzwischen wieder auf freiem Fuß. Man habe allen «Redeangebote» gemacht, die die meisten aber sofort «dankend abgelehnt haben», so eine Polizeisprecherin. Sie bestätigte, dass es im aktuellen Verfahren einen Kronzeugen gibt. Laut «Bild»-Zeitung hatte der Mann die Ermittler zum abgetrennten und einbetonierten Kopf des Mordopfers im Rhein-Herne-Kanal geführt.

Laut Polizei ist der Fund des Kopfes gut ein Jahr her. Man habe bei den Ermittlungen einen «langen Atem» bewiesen, der sich gelohnt habe, so die Sprecherin.

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