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Zugverkehr

Staatsschutz ermittelt zur Bahn-Sabotage: Ein Tatort in NRW

Berlin/Düsseldorf/Bochum (dpa/lnw)

Was steckt hinter dem Zug-Chaos vom Samstag? Polizei und Deutsche Bahn gehen von Sabotage aus. Auch in NRW wurden Kabel vorsätzlich gekappt. Doch über die Hintergründe lässt sich bislang nur spekulieren.

Von dpa

Reisende stehen am Hauptbahnhof und warten auf ihre Weiterfahrt. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Im Fall der folgenschweren Sabotage des Bahnverkehrs hat der Staatsschutz beim Berliner Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass es einen politischen Hintergrund gebe, ermittelt werde aber in alle Richtungen, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte «Der Spiegel» berichtet.

Unbekannte hatten am Samstag wichtige Kommunikationskabel der Deutschen Bahn in Berlin und auch in NRW zerstört und so für Chaos gesorgt. Über Stunden stand der Bahnverkehr in Norddeutschland größtenteils still - in der Folge ebenso auf vielen Fernverkehrsstrecken im Transitland NRW, das mitten in den Herbstferien getroffen wurde.

Zu den möglichen Tätern gibt es bislang keine offiziellen Informationen. Dass es ein gezielter Angriff war, scheint aber gesichert. «Wir haben einen Tatort in Berlin-Hohenschönhausen», sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin der Deutschen Presse-Agentur. «Ein weiterer befindet sich in Nordrhein-Westfalen.» Aus Sicherheitskreisen hieß es, es seien in Berlin und in Herne in NRW vorsätzlich so genannte Lichtwellenleiterkabel beschädigt worden. Auch das Backup-System sei damit ausgefallen.

Natürlich sei auch das Polizeipräsidium Bochum an den Ermittlungen vor Ort beteiligt, teilte ein Sprecher der auch für Herne zuständigen Behörde auf Anfrage der dpa in Düsseldorf mit. Einzelheiten nannte er nicht. Auch vom LKA NRW gab es zunächst keine Informationen.

Die Hiobsbotschaft für Reisende hatte am Samstagmorgen gelautet: «Es gibt derzeit keine Reisemöglichkeiten mit dem Fernverkehr von/nach Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen in/aus Richtung Kassel-Wilhelmshöhe, Berlin und NRW.» Konkret war beispielsweise der gesamte ICE-Verkehr zwischen Berlin, Hannover und NRW eingestellt, wie die Bahn in ihrem Internetauftritt mitgeteilt hatte.

Unzählige Reisende strandeten an den großen Bahnhöfen - unter anderem am Kölner Hauptbahnhof, wo viele vor den Anzeigentafeln standen und auf Informationen warteten, wie es weitergeht, wie ein dpa-Reporter berichtete. An Auskunftsschaltern bildeten sich lange Warteschlangen. Auch internationale Verbindungen waren von Zugausfällen betroffen ebenso wie der Regionalverkehr in Ostwestfalen.

Als Alternative schlug das Unternehmen Reisenden vor, Verbindungen des Fernverkehrs mit Umstieg in Erfurt und Frankfurt am Main zu nutzen. Viele, die etwa von Berlin nach NRW fahren wollten, folgten der Empfehlung der Bahn und nahmen den Umweg mit Umstieg in Frankfurt auf sich. Die Folge waren völlig überfüllte Züge, wie ein dpa-Reporter aus dem ICE 934 auf der Fahrt nach Frankfurt berichtete. «Kein Durchkommen in den Gängen, weil alles mit sitzenden oder dort stehenden Fahrgästen blockiert ist», erzählte er.

Im Laufe des Vormittags meldete die Bahn dann zwar, dass die Störung behoben sei, es aber weiter zu Beeinträchtigungen kommen könne. Seit Betriebsbeginn am Sonntagmorgen gebe es im Fernverkehr keine Beeinträchtigungen mehr, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. «Alles wieder normal.»

Zur Frage, wie der Sabotage-Akt konkret ausgesehen haben könnte, sagte der Sprecher: «Die Ermittlungen laufen noch, deswegen äußern wir uns dazu nicht. Da bitte ich um Verständnis.» Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gesagt, die Störungen gingen auf Sabotage an zwei Standorten zurück: «Es wurden Kabel mutwillig und vorsätzlich durchtrennt, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind.»

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