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Stamp: Erste Evakuierte aus Afghanistan in NRW

Berlin (dpa/lnw)

NRW ist bereit für die schnelle Aufnahme vieler Menschen aus Afghanistan. Inzwischen sind die ersten Flüchtlinge nach der Machtübernahme der Taliban angekommen. Sie sollen über die zentralen Landeseinrichtungen in den Kommunen kommen.

Von dpa

Joachim Stamp (FDP), stellvertretender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht im Landtag. Foto: Federico Gambarini/dpa

In Nordrhein-Westfalen ist zu einer schnellen und zusätzliche Aufnahme von evakuierten Flüchtlingen aus Afghanistan bereit. «Aufgrund der schnellen Machtübernahme der Taliban hat sich die Lage eben noch einmal dramatisch verschlechtert und deswegen wollen wir sehen, dass wir so viel wie möglich unterstützen können, das was dort an Evakuierung vorgenommen wird», sagte Joachim Stamp (FDP), der Vize-Ministerpräsident und NRW-Integrationsminister ist, am Dienstag nach einer auswärtigen Kabinettssitzung in Berlin. In NRW seien die ersten 39 Evakuierten aus Afghanistan Dienstagmorgen in einer zentralen Aufnahmeeinrichtung in Viersen aufgenommen worden.

Nordrhein-Westfalen sei bereit, über den üblichen Verteilschlüssel der Bundesländer von etwas mehr als 20 Prozent hinaus weitere Menschen aus Afghanistan aufzunehmen, wenn das für die kurzfristige Versorgung erforderlich sei und bereits familiäre Verbindungen nach NRW bestünden. Das Bundesland werde sein Engagement verstärken, sagte Stamp mit Verweis auf die Aufnahmen in den vergangenen Jahren. In den Jahren 2013 bis 2020 seien schon rund 700 Ortskräfte aus Afghanistan mit Familienangehören in NRW aufgenommen worden. In diesem Jahr seien es bisher rund 420 Menschen gewesen - 81 Ortskräfte mit Familien.

Die Landesregierung hatte in der vergangenen Woche bereits erklärt, bis zu 800 Plätze zur vorübergehenden Unterbringung in Unterkünften des Landes für afghanische Ortskräfte und deren Familienangehörigen bereitzustellen. Diese seien bezugsfertig, betonte Stamp. «Das heißt, wir können sofort entsprechend unterbringen.» Den 39 Evakuierten, die zunächst angekommen seien, gehe es nach Auskunft des Leiters der zentralen Einrichtung in Viersen den Umständen entsprechend gut. Geplant sei eine kurze Zwischenunterbringung in den Einrichtungen des Landes und eine schnelle Weiterleitung in die Kommunen.

Neben den Ortskräften gebe es weitere Personengruppen, die besonders gefährdet seien. Stamp bekräftige, dass das Land weitere 1000 Plätze für schutzbedürftigen Personen zur Verfügung stellen wolle, insbesondere Frauen wie bedrohten Bürgerrechtlerinnen, Menschenrechtsaktivistinnen, Künstlerinnen und Journalistinnen.

Die aus Afghanistan geflohene Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari war am Montagabend in Deutschland eingetroffen. Laut Staatskanzlei landete sie mit Familienmitgliedern am Flughafen Köln/Bonn. Anschließend traf sie in Düsseldorf den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU).

Der NRW-Regierungschef nannte sie nach einem Gespräch «eine der engagiertesten Frauen Afghanistans». «Wir müssen das Schicksal der Frauen in Afghanistan im Bewusstsein halten», hatte Laschet gesagt. «Wir müssen darüber reden, wir müssen Druck machen auf die Taliban. Und wir müssen noch mehr Frauen in den nächsten Tagen, so vielen wie möglich, helfen, das Land zu verlassen.» Nach Angaben der Düsseldorfer Staatskanzlei war die Politikerin bei ihrer Ernennung 2018 mit 26 Jahren die jüngste Bürgermeisterin Afghanistans und eine der wenigen weiblichen Stadtoberhäupter des Landes gewesen.

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