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Tochter von NSU-Opfer: «Kein Schlussstrich unter das Thema»

Dortmund/Karlsruhe (dpa/lnw)

Von dpa

Nach der zurückgewiesenen Revision gegen die lebenslange Haftstrafe der NSU-Terroristin Beate Zschäpe hat die Tochter des Dortmunder NSU-Opfers Mehmet Kubasik weitere Ermittlungen gefordert. «Diese Entscheidungen sind aber, wie schon das Urteil in München, kein Schlussstrich unter das Thema NSU» erklärte die Tochter des 2006 in Dortmund ermordeten Einzelhändlers, Gamze Kubasik, am Donnerstag über ihren Anwalt Sebastian Scharmer. «Meine Familie und ich werden erst dann wieder zur Ruhe kommen, wenn alle Helfer und Täter des NSU ermittelt sind.»

Am Donnerstag hatte der Bundesgerichtshof (BGH) Zschäpes Revision mit schriftlichem Beschluss verworfen und nur eine Einzelstrafe gestrichen. «Die lebenslange Gesamtfreiheitsstrafe und die festgestellte besondere Schuldschwere sind hiervon jedoch unberührt geblieben», hieß es.

Zschäpe hatte mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fast 14 Jahre im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die Männer acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin. 2011 nahmen sie sich das Leben, um der drohenden Festnahme zu entgehen. Zschäpe zündete die gemeinsame Wohnung an, verschickte ein Bekennervideo und stellte sich.

2018 hatte das Oberlandesgericht (OLG) München Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, als Mittäterin verurteilt - auch wenn es keinen Beweis gibt, dass sie selbst an einem der Tatorte war. Angesichts der Rechtskraft des Urteils forderte Kubasik nun Zschäpe auf, umfangreich auszusagen. «Sie hat nun nichts mehr zu verlieren», erklärte Kubasik. «Wenn sie jemals wieder rauskommen will, sollte sie nun kompromisslos bei der Aufklärung helfen.» Mehmet Kubasik war am 4. April 2006 in seinem Kiosk in Dortmund erschossen worden.

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