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Fußball

Völler über Carro: Vom «Quereinsteiger» zum «Glücksgriff»

Leverkusen (dpa/lnw)

In Rudi Völler hat Bayer Leverkusen am Saisonende ein wichtiges Gesicht verloren. Der bisherige Sport-Geschäftsführer ist abgetreten. Doch Bayer fühlt sich gut aufgestellt. Mit Völler-Nachfolger Simon Rolfes. Und Club-Chef Fernando Carro.

Von Holger Schmidt, dpa

Fernando Carro, Geschäftsführer von Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen, lächelt. Foto: Marius Becker/dpa/Archivbild

Als Fernando Carro im Juli 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bayer Leverkusen wurde, sei er «zunächst durchaus skeptisch gewesen», gab Rudi Völler dieser Tage rund um seinen Abschied als Sportchef des Bundesligisten zu. Völler hatte 40 Jahre im Profi-Fußball erlebt und nun wurde dieser «Quereinsteiger aus der Wirtschaft» sein Chef, der zuvor Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Tochter Arvato war. Mit dem Wissen von heute, so sagte Völler nun, habe sich Carro «als echter Glücksgriff erwiesen».

Er kenne Völlers Meinung, sagt Carro im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, «und es macht mich ein wenig stolz, wenn er sie in dieser Form publik macht». Die Zusammenarbeit sei «eng und gut gewesen. Ganz allgemein hat es mich am Anfang aber immer geärgert, wenn ich dem Klischee begegnet bin, dass man nicht in der Lage sei, einen Verein zu führen, wenn man aus der Wirtschaft kommt.»

Carro hat die Zweifel zerstreut. Er hat sich in die Fußball-Materie reingebissen und in nur vier Jahren bis in den Vorstand der European Club Association (ECA) hochgearbeitet. Er ist intern sehr fordernd. Schon bei seinem Amtsantritt sprach er davon, mit dem seit 1993 wartenden Club Titel gewinnen zu wollen. Auch wenn das seitdem nicht passiert ist, sieht er eine Entwicklung. Und die wollte er erreichen. Es gehe ihm nicht plump um Titel, betont Carro. «Mir geht es vielmehr um eine gestiegene Erwartungshaltung an uns selbst.» Die abgelaufene Saison mit Rang drei wertet er vor allem wegen der guten Rückrunde als zufriedenstellend. «Aber als Top-Vereine in Deutschland haben Dortmund, Leipzig, wir oder jetzt auch Frankfurt, die Aufgabe, diese Liga spannender zu machen», sagt er: «Ich würde gerne Meister werden, ja. Aber wenn wir das nicht können, würde ich mir zumindest wünschen, dass wir in der Lage sind, die Liga länger spannend zu halten.»

Er habe eigentlich auch «fest daran geglaubt, dass wir dieses Jahr die Europa League gewinnen können». Doch dann verletzten sich im Spiel gegen Köln zwischen den Achtelfinals gegen Atalanta Bergamo Florian Wirtz und Jeremie Frimpong, Bayer schied aus und am Ende holte Frankfurt den Titel. Die Europa League oder der DFB-Pokal bleiben das Haupt-Augenmerk, doch in der Liga bleibt der große Traum. «Irgendeinem wird es irgendwann gelingen, die Serie der Bayern zu brechen», sagt er: «Ich hoffe, dass es möglichst früh passieren wird. Und ich hoffe, dass wir es sein werden. Dafür arbeiten wir hart.»

Den Club sieht er auch nach dem Rückzug von Sport-Geschäftsführer Rudi Völler gut aufgestellt. Zum einen habe sich Völler «schon in den letzten Wochen und Monaten mehr und mehr aus den täglichen Themen zurückgezogen. Er hat das mit Weitsicht sehr gut vorbereitet». Zum zweiten bleibt der Weltmeister von 1990 Mitglied des Gesellschafter-Ausschusses. «Wenn wir seine Ratschläge brauchen, wird er da sein», sagt Carro: «Wir brauchen sie vielleicht nicht jeden Tag, aber in entscheidenden Situationen können wir drauf zurückgreifen.»

Drittens und vor allem wurde der Nachfolger im bisherigen Sportdirektor Simon Rolfes ja schon jahrelang ausgebildet. «Simon hat die unersetzliche Erfahrung als Profi und ein exzellentes Fachwissen. Er ist intelligent und analytisch, denkt strategisch und vorausschauend», schwärmt Carro. Rolfes' erste Amtshandlung als Boss war die Vertrags-Verlängerung mit dem europaweit begehrten Torjäger Patrik Schick bis 2027. Dafür, ihm noch einen Sportdirektor zur Seite zu stellen - so wie es Völler unter Reiner Calmund war und Jonas Boldt und Rolfes unter Völler - sieht Carro «aktuell keinen Bedarf».

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