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Vorfälle bei Polizei: Sechs Polizisten unter Verdacht

Düsseldorf/Köln (dpa/lnw)

«Gerade einen umgeklatscht...», «Der ist hart geflogen»: Die jüngsten Polizisten-Chats in Köln haben für Entsetzen gesorgt. Inzwischen stehen sechs Polizisten unter Verdacht.

Von dpa

An der Tür von einem Streifenwagen steht der Schriftzug «Polizei». Foto: David Inderlied/dpa/Illustration

Wegen der brisanten Vorgänge bei der Kölner Polizei wird nun auch gegen einen sechsten Polizisten disziplinarrechtlich ermittelt. Auf seinem Handy entdeckte Text-Nachrichten deuteten bei ihm auf eine «Affinität zur Gewalt», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf dem Innenausschuss des Landtags.

Auf den Handys von Kölner Polizisten waren Chat-Nachrichten entdeckt worden, in denen Beamte sich über Gewalttaten ausgetauscht haben sollen. Gegen fünf von ihnen wird wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung im Amt sogar strafrechtlich ermittelt. Sie sind suspendiert.

Die neuen Erkenntnisse aus den sichergestellten Chats ließen die Vorgänge «in einem weitaus schlimmeren Licht erscheinen». «Das, was da in Köln-Ehrenfeld passiert zu sein scheint, geht überhaupt nicht», sagte Reul. Mit Prahlerei und Imponiergehabe junger Männer, wie es ein Anwalt interpretiert habe, sei das aus seiner Sicht nicht zu erklären.

Er zweifele ernsthaft an der inneren Haltung und Eignung der Polizisten, bekräftigte Reul. «Ein solches Dienstverständnis werde ich nicht dulden». Die Haltung, die sich dort andeute, habe bei der Polizei nichts zu suchen. Reul zitierte die Nachricht eines Polizisten: «Und gerade einen umgeklatscht...».

Die Kölner Polizei werde nun ein Interventionskonzept erarbeiten. Der Polizeipräsident habe einen Brief an die Mitarbeiter geschrieben, die Inspektionsleiterin persönliche Gespräche geführt.

Alle verdächtigen Polizisten stammten von der Wache in Köln-Ehrenfeld. Sie seien zwischen 24 und 40 Jahre alt. Vier von ihnen seien Polizisten auf Probe. Von ihnen werde man sich leichter trennen können, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Die Kölner Grünen-Abgeordnete Berivan Aymaz sprach von einem verheerenden Eindruck. «Die Polizei in NRW ist keine Schlägertruppe», sagte der FDP-Abgeordnete Marc Lürbke.

Die Ermittlungen waren nach dem Tod eines 59-Jährigen ins Rollen gekommen. Fünf Polizisten werden verdächtigt, am 24. April übermäßig gewalttätig gegen den Mann vorgegangen zu sein.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte bereits mitgeteilt, dass sich bei der Auswertung der Handys weitere Verdachtsmomente ergeben hätten. So gehe es bei den Ermittlungen auch um eine mögliche Verabredung zur Anwendung von Gewalt.

In den Chats, deren Inhalt der Deutschen Presse-Agentur bestätigt wurde, sollen sich zwei Beamte für eine gemeinsame Streifenfahrt vorgenommen haben, dabei «nehmen wir auf jeden Fall jemanden fest und machen jemanden kaputt».

Ein Polizist schrieb nach einem Einsatz: «Hätte ich das gewusst, dass der so ein Hurensohn ist, hätte der mehr kassiert.» Und: «Irgendwann kriegen wir den sicher noch mal.»

Er habe «dem Türken gestern ein Kick gegeben», soll einer der Polizisten nach einem Einsatz im Dezember 2020 geschrieben haben. «Im Ernst, der ist hart geflogen. Schicke Dir morgen mal Bilder von seiner Fresse.»

Im Nachgang der über 4,7 Millionen Einsätze, die die Polizei in Nordrhein-Westfalen 2020 absolviert habe, seien etwa 4500 Beschwerden über das Polizeihandeln eingegangen, berichtete Reul. Von diesen Beschwerden seien nach intensiver Prüfung in 370 Fällen Anhaltspunkte für disziplinar- oder strafrechtliches Verhalten gefunden worden.

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