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Wenn Kapelle, Wohnzimmer und Alm zum Wahllokal werden

Leverkusen/Marienmünster (dpa/lnw)

Millionen Menschen geben bei der Bundestagswahl am Sonntag ihre Stimme ab. Bei einigen Menschen in NRW wird der Gang zum Wahllokal besonders - sie wählen in einem Wohnzimmer, in einem Sportzentrum oder einer Schießhalle.

Von dpa

Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne. Foto: Michael Kappeler/dpa/Symbolbild

Ob im Wohnzimmer, vor dem Altar oder in der Reithalle: Einige Wählerinnen und Wähler in Nordrhein-Westfalen können ihre Stimme zur Bundestagswahl am Sonntag an ganz besonderen Orten abgeben. So verwandelt sich das Wohnzimmer von Familie Fabrizius am Sonntag in ein Wahllokal, inklusive Urne, Stimmkabine und Wahlhelfern.

Seit 2009 können die Wahlberechtigten im Bezirk 344 schon im Wohnzimmer der Familie wählen. Fabrizius und seine Frau Sybille packen am Sonntag selbst als Wahlhelfer mit an. Auch auf die Corona-Maßnahmen ist das Ehepaar eingestellt: «Wer seine Maske vergessen hat, bekommt hier eine», sagte Johannes Peter Fabrizius. «Und es geht durch die Haustür rein und die Terrassentür raus.»

In der Regel dienen Schulen, Vereinsheime und Rathäuser als Wahllokale - deutlich gemütlicher könnte die Stimmabgabe in Bergkamen bei Dortmund werden. Hier können die Menschen in uriger Atmosphäre auf der Bayernalm des Vereins «Bavaria» über die nächste Regierung entscheiden. Für die sportlichen Wählerinnen und Wähler wird in Nordrhein-Westfalen ebenfalls etwas geboten: Der Wahlbezirk 303 in Hamm wählt in einem Sportzentrum, in Blomberg werden die Stimmen in einer Schießhalle abgegeben und in Wickede wartet eine Reithalle auf die Wahlberechtigten des Wahlbezirks 40.

Seelischen Beistand bei der Stimmabgabe erhalten die Menschen im ostwestfälischen Marienmünster. Hier werden die Wahlzettel direkt vor dem Altar in einer katholischen Kapelle ausgefüllt. «Das ist aus der Not geboren», sagte ein Sprecher der Stadt. Das Feuerwehr-Gerätehaus, das in den vergangenen Jahren als Wahllokal gedient habe, werde umgebaut. Daher sei man in die Kapelle umgezogen.

Auch bei Familie Fabrizius in Leverkusen war das Wohnzimmer zunächst nur eine Notlösung. «Das sollte eigentlich ein Provisorium sein», sagte Johannes Peter Fabrizius. «Aber Provisorien halten erfahrungsgemäß sehr lange.» Nach und nach seien damals die eigentlichen Wahllokale weggebrochen, erinnert er sich. «Wir sind hier sehr ländlich strukturiert. Irgendwann ist alles weggefallen, Gaststätte, Kirche, Geschäfte.» Da sei ihm die Idee gekommen, die Leute zum Wählen zu sich nach Hause einzuladen. «Wir haben Fliesenboden, der ist leicht zu reinigen.»

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