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Schneechaos 2021 macht Greifvögeln im Kreis Herford zu schaffen – Bestand stark eingebrochen

16 tote Schleiereulen

Herford

Dass die Populationen von Eulen von Jahr zu Jahr schwanken, es also mal mehr und mal weniger gibt, ist laut Peter Franzeck vom Herforder BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) normal und hängt überwiegend vom Nahrungsangebot ab. Da es sich dabei meist um Mäuse handelt, gibt es hier Jahre mit vielen Nachkommen – gute Mäusejahre – oder es werden weniger Nager geboren.

Kommt eine Schleiereule geflogen: Zu ihren auffälligsten Erkennungsmerkmalen gehören das herzförmige Gesicht sowie die verhältnismäßig kleinen, schwarzen Augen. Foto: dpa

Doch der kurze Wintereinbruch im vergangenen Februar hat zu einem starken Einbruch bei den Schleiereulen geführt, die durch die hohe Schneedecke nicht mehr an ihre Beute kamen. So erfuhr Peter Franzeck, der sich seit langem im Artenschutz für die „Krummschnäbel“ engagiert, nach und nach von 16 verendeten Schleiereulen. Diese Eulenart ist sehr empfindlich und kann kein Fett speichern. Auch sechs tote Bussarde musste er verzeichnen. Die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen.

Die vielen Tot-Meldungen haben selbst Franzeck überrascht, da es nur wenige Schneetage waren und in einem vergleichbaren Winter vor zehn Jahren kaum Hinweise auf verendete Vögel eingegangen waren. Im Laufe des Jahres konnte der Eulenfreund im Kreis noch hier und da einige Schleiereulen nachweisen.

Im Gegensatz dazu kamen viele Informationen über die Waldohreulen zusammen, die im Jahr 2021 stark vertreten waren. Diese Eulenart sieht mit ihren Federohren und den orangegelben Augen dem Uhu ähnlich, doch ist sie wesentlich kleiner. Den Bestand des Uhus, mit einer Spannweite von 1,70 bis 1,80 Meter die weltgrößte Eule, bezeichnet Franzeck als stabil. Bei wenigen dieser beeindruckenden Vögel sei es jedes Jahr schwierig und spannend, ihre Bruten nachzuweisen. „So können sie in einem Jahr in einem Greifvogelhorst, im nächsten am Boden unter einer Baumwurzel und das Jahr darauf gar auf einem Firmengebäude brüten und ihre Jungen aufziehen.“

Bemühungen um den Steinkauz

Der robuste Waldkauz mit den dunklen Augen ist flächendeckend im ganzen Kreis verbreitet. Wenn es in Fernsehkrimis spannend wird, ruft meist der Waldkauz sein „hu-huhuhu-hu“. Er wurde auch als Totenvogel bekannt, da die andere Lautäußerung, das „kuwitt“, wie „komm‘ mit“ klingt und danach Menschen gestorben sein sollen. Seit vielen Jahren wird versucht, auch die kleinste Eule der Region, den Steinkauz, wieder bei uns anzusiedeln. Sie braucht einen speziellen Lebensraum, der hier nur noch selten zu finden ist. Der Steinkauz mag Streuobstwiesen mit alten Bäumen und Dauergrünland, das möglichst durch Viehhaltung niedrig gehalten wird. Spezielle Nistkästen helfen dem Kauz als Brutplatz. 2021 konnten erstmals um die 17 bis 20 Reviere im nördlichen Kreisgebiet festgestellt werden – eine positive Entwicklung, die ohne den Steinkauz-Experten Erhard Nolte und seine Kollegen nicht möglich gewesen wäre.

Als Ansprechpartner für Eulen und Greifvögel erhielt Franzeck 2021 mit gut 20 Meldungen und Hinweisen auf verletzte oder schwache Vögel mehr als die Jahre davor. Entsprechend oft war er im Einsatz, begutachtete gemeldete Greife und brachte viele zur Bielefelder Auffangstation nach Olderdissen, mit der er schon lange zusammenarbeitet. Dort zeigte sich, dass seine Einschätzungen richtig waren und die zu schwachen und/oder verletzten Tiere mit Nahrung und tierärztlicher Fürsorge bedacht werden mussten. Die meisten dieser Vögel konnte er nach einiger Zeit wieder auswildern.

Beobachtungen und Hinweise zu Eulen und Greifen nimmt Franzeck unter 05221/348726 entgegen.

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