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Das blaue „F“ ist bis heute Markenzeichen der Porzellanmanufaktur in Holzminden-Fürstenberg

275 Jahre gelebte Tradition an einem Ort

Holzminden/Fürstenberg

„Keine Zukunft ohne Herkunft“ – dieser Leitsatz trifft in besonderer Weise auf die Manufaktur an der Weser zu. Genau vor 275 Jahren, im Januar 1747, ordnete Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel die Gründung der Porzellanmanufaktur auf dem Jagdschloss in Fürstenberg an.

Von Harald Iding

Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg feiert in diesem Jahr das 275-jährige Bestehen. Foto: Harald Iding

Zu dieser Zeit blühte der Porzellanimport aus Ostasien. Könige und Fürsten sammelten Porzellan und wollten unbedingt ihr eigenes „Weißes Gold“ herstellen, um von den asiatischen Importen unabhängig zu werden. Die Gründung der Porzellanmanufaktur in Fürstenberg war aber auch Wirtschaftsförderung. So wurden neue Arbeitsplätze geschaffen, der Solling lieferte große Mengen Brennholz und die abgeschiedene Lage schützte das Produktionsgeheimnis.

„Wir sind die zweite Porzellanmanufaktur im deutschsprachigen Raum, die kontinuierlich bis heute produziert“, so das Unternehmen. 1750 gelang es, aus den Bestandteilen Quarz, Feldspat und Kaolin einen annehmbaren Scherben in Serie zu brennen. 1753 verfügte der Herzog, alle Porzellanstücke zukünftig mit dem blauen „F“ zu versehen, das bis heute Markenzeichen der Manufaktur ist. Vasen aus Fürstenberg waren in der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts echte Verkaufsschlager. Als einzige Manufaktur neben KPM durfte Fürstenberg eine Verkaufsniederlassung in Berlin betreiben. Über die Jahrhunderte entstanden in Fürstenberg viele Porzellanklassiker zeitgemäßer Tischkultur, die bis heute nichts an Faszination verloren haben.

Es gibt einige Ikonen. So ist „Herzog Ferdinand“ mit seiner zylindrisch-ovalen Grundgestalt und den eckigen Henkeln eine typische klassizistische Service-Form. Sie wird noch heute produziert. 1859 wurde die Herzögliche Manufaktur an Privatleute verpachtet, um schließlich 1888 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt zu werden. Aktuell hält das Land Niedersachsen 98 Prozent Anteile an der AG. Die Manufaktur gehörte in den 1930er-Jahren zu den wenigen Manufakturen, die einen radikalen Umbruch in der Formgestaltung konsequent umsetzten. Wagenfeld ist als Bauhaus-Form immer noch Bestandteil der Kollektion. Die Manufaktur gab in ihrer Blütezeit (wie in 1958) mehr als 530 Menschen einen Arbeitsplatz.

„275 Jahre gelebte Handwerkskunst sind ein hohes Kulturgut, auf das alle Porzelliner in Fürstenberg zu Recht stolz sind. Unsere Kunden dürfen sich auf Neuheiten freuen, die unsere Tradition der Porzellanserien mit dem Potenzial zum Klassiker weiterführen“, betont Geschäftsführer André Neiß.

Den Auftakt der Aktionen im Jubiläumsjahr machen die „Weißen Wochen“ im Manufaktur Werksverkauf auf dem Schlossgelände. Noch bis zum 6. März kann man dort verschiedene weiße Artikel in zweiter Wahl zu attraktiven Preisen shoppen. Auf 600 Quadratmetern bietet der Manufaktur Werksverkauf darüber hinaus die komplette Porzellankollektion von Fürstenberg und Sieger by Fürstenberg an.

Einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres wird der „Tag der offenen Manufaktur“ im August sein. Porzellanfans, Designliebhaber und Familien sind eingeladen, die sogenannte Weißfertigung zu besichtigen und den Porzellinern bei ihrem faszinierenden Handwerk über die Schulter zu schauen. Auf dem Schlosshof findet ein Sommerfest mit Live-Musik, Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene, Clownerien und Walk-Acts sowie verschiedenen kulinarischen Stärkungen statt. Ein Firmensprecher: „Weitere Aktionen im Rahmen des 275. Jubiläums sind abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie und noch in der Planung.“

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