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Paderborner Prof. Dr. Karl Hengst ist im Alter von 82 Jahren verstorben

Abschied vom Kulturnadel-Träger

Paderborn

Nach längerer Krankheit ist der ehemalige Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek und emeritierte Professor für die Paderborner Bistumsgeschichte an der Theologischen Fakultät Dr. Karl Hengst verstorben.

Von Michael Pavlicic

Der renommierte Theologe Karl Hengst ist gestorben. Foto:

Im alten Hochstiftsdorf Bühne bei Borgentreich erblickte er am 5. Januar 1939 das Licht der Welt. Seine bäuerliche Herkunft und eine daraus resultierende Bodenständigkeit waren ein wesentlicher Faktor dafür, dass Hengst der Geschichte des alten geistlichen wie auch weltlichen Landes Paderborn sehr zugetan war.

Nach dem Abitur am Theodorianum studierte er Theologie in Paderborn und München und wurde 1964 zum Priester geweiht. Stationen seiner Seelsorge­tätigkeit waren Lütgendortmund und Bad Driburg. 1974 promovierte Hengst mit dem Thema „Kirchliche Reformen im Fürstentum Paderborn unter Dietrich von Fürstenberg“. Danach war er einige Jahre als Privatdozent an der Ruhr-Universität Bochum tätig. 1980 erfolgte seine Habilitation über das Thema „Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten“.

1980 ernannte ihn der damalige Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt zum Professor für Kirchengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Paderborner Bistumsgeschichte. 1984 wurde Hengst außerdem die Leitung der Akademischen Bibliothek übertragen. Diese Position bekleidete über viele Jahre der legendäre Historiker Prof. Dr. Klemens Honselmann.

In relativ kurzer Zeit gelang es dem Verstorbenen, eine Reihe beachtenswerter Publikationen, zumeist unter Mitwirkung seines Freundes und Kollegen Prof. Dr. Hans Jürgen Brandt, herauszubringen. Dazu zählen wissenschaftliche Festschriften und Ortsmonographien, Bücher über die Paderborner Bischöfe und Weihbischöfe sowie das ­Liborifest.

Sein Fleiß und Können führten dazu, dass Hengst 1983 in die Historische Kommission, eine der sechs wissenschaftlichen Institute des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), berufen wurde. Hier waren die Herausgabe eines mehr­bändigen Westfälischen Klosterbuches sowie des Handbuches der Jüdischen Gemeinschaften in West­falen und Lippe, speziell für den Regierungsbezirk Detmold, Schwerpunkt seiner Tätigkeit.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Brandt gelang es ihm, vier umfangreiche Bände zur Geschichte des Bistums – seit 1930 Erzbistums – Paderborn zu verfassen. Dieses umfangreiche Werk ­löste eine 1820 von Georg Joseph Bessen herausgebrachte, nach heutigen Maßstäben veraltete Publikation ab.

Ein Förderverein zur Restaurierung alter Buchbestände der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek wurde 1987 auf seine Initiative gegründet und hat inzwischen beachtliche Erfolge aufzuweisen.

Das unermüdliche kulturhistorische Engagement des Professors Hengst wurde mit der Verleihung der „Kulturnadel der Stadt Paderborn“ an ihn im Jahr 2013 belohnt.

Professor Karl Hengst wird am Samstag, 4. September, in seinem Heimatort Bühne beigesetzt. Beginn des Seelenamtes in der St.-Vitus-Pfarrkirche ist um 11 Uhr.

Trauer an Theologischer Fakultät

Auch die Theologische Fakultät Paderborn trauert um Professor em. Dr. theol. Karl Hengst. Es sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, die Zeugnisse einer eindrucksvollen Kulturgeschichte des Paderborner Raumes „nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für alle Interessierten aus der Bevölkerung zu erschließen und erfahrbar zu machen“, heißt es in einem Nachruf. Die Fakultät werde ihn als prägende Persönlichkeit und begeisternden Lehrer in Erinnerung behalten, der sein Auditorium – der Kreis sei weit über die Studierenden hinausgegangen – vor allem mit der Geschichte der Kirche von Paderborn vertraut machte. Am Montag, 11. Oktober, 9 Uhr, will die Fakultät des verstorbenen Mitglieds in besonderer Weise beim Gottesdienst zur Eröffnung des akademischen Jahres 2021/22 in der Universitäts- und Marktkirche gedenken.

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