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Stadtbibliothek Paderborn als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet – Besonderes Lob von Laudatorin Lissy Ishag

„Alle im Team mit Herzblut dabei“

Paderborn

Für die gesamte Stadt, aber vor allem für die Stadtbibliothek ist es eine ganz besondere Auszeichnung: Die Paderborner Stadtbibliothek ist am Sonntagabend als „Bibliothek des Jahres 2021“ ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde ihre zukunftsorientierte Bibliotheksarbeit. Der Preis, der zum 22. Mal verliehen wurde, ist mit 20.000 Euro dotiert und wird vom Deutschen Bibliotheksverband und von der Deutsche-Telekom-Stiftung verliehen.

Von Matthias Band

Standing Ovations bei der Auszeichnung „Bibliothek des Jahres“ vom Publikum im Heinz-Nixdorf-Museumsforum (vorne, von links): Petra Büning vom Vorstand des Bibliotheksverbandes, Bibliotheksleiterin Katrin Stroth, Bürgermeister Michael Dreier und Thomas de Maizière von der Deutsche-Telekom-Stiftung. Foto: Stadt Paderborn/Besim Mazhiqi

Die Paderborner Stadtbibliothek vereine Digitalität, Nachhaltigkeit, Innovation und Kooperation und sei ein wichtiger außerschulischer Medienpartner, sagte Thomas de Maizière für die Telekom-Stiftung bei dem Festakt im Heinz-Nixdorf-Museumsforum. Sie sei einstimmig aus einem hervorragenden Teilnehmerfeld ausgewählt worden, betonte der ehe­malige CDU-Bundes­verteidigungs- und Innen­minister, der auch die Angebote der Bücherei für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik hervorhob.

„Seit Jahren beweist die Bibliothek immer wieder, wie schnell und flexibel sie auf die Bedarfe der Nutzer und Nutzerinnen aller Generationen eingeht“, lobte Petra Büning vom Vorstand des Bibliotheksverbandes. Die Bibliothek stelle den Menschen in der Vordergrund und sei ein sehr kreativer Lernort geworden. Biblio­theken komme in der digitalen Transformation eine wesentliche Rolle zu. „Sie versöhnen Buch und Tablet und schulen im Umgang mit Medien“, sagte Büning, die allerdings auf gesellschaft­liche Veränderungen verwies, denen auch Bibliotheken Rechnung tragen müssten. Büning: „Eine Sonntagsöffnung muss für Bibliotheken möglich sein.“

Zauberer David Wedegärtner beeindruckte im Rahmenprogramm auch Thomas de Mai­zière mit seinen Tricks. Foto: Besim Mazhiqi

Bürgermeister Michael Dreier sprach angesichts des Aufstiegs der Dolphins in die Zweite Football-Bundesliga, der Herbstlibori-Eröffnung und dem Fest zum 25-jährigen Bestehen des Heinz-Nixdorf-Museumsforums von einer einzigartigen Auszeichnung für die Bibliothek als „Krönung des Wochenendes“. „Unsere Bibliothek nimmt schon seit längerer Zeit eine Vorreiterrolle in Bezug auf technische Ausstattung und digitale Angebote ein. Und bei den Digitalisierungsprojekten in der Bibliothek liegt der Fokus darauf, dass der Mensch im Mittelpunkt allen Handels steht“, sagte Dreier, der auch auf den Umbau und die Sanierung einging, die vor zwei Jahren begonnen hatte. Das sei für alle „ein großer Kraftakt“ gewesen, sagte der Bürgermeister, der allen Beteiligten für die großartige Umsetzung dankte.

Gerade in der Corona-Pandemie habe die Bibliothek ihre Flexibilität bewiesen und schnell neue Ideen umgesetzt. Die Bibliothek verfügt mittlerweile über einen Gaming-Raum zum Computerspielen, über eine Refill-Wasser-Station und ein Food-Sharing-Regal. Dreier lobte zudem die zahlreichen Projekte zur Sprach- und Leseförderung und verwies auf weitere Projekte, wie die geplante Kinderbibliothek in der neuen Stadtverwaltung und die Open Library im Adam- und Eva-Haus.

Besondere Wohl­fühlatmosphäre

ZDF-Moderatorin Lissy Ishag aus Paderborn, die selbst häufig mit ihren Kindern in der Bibliothek zu Gast ist, lobte, dass die Einrichtung möglichst viele Menschen in der Stadt erreichen wolle. Selbst ihre 76-jährige Mutter, sagte Ishag, sei als Neu-Paderbornerin Kundin der Bibliothek. „Das ist eine Einrichtung, die ganz, ganz viel richtig macht. Und zwar, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch über den Tellerrand gucken“, sagte die ZDF-Moderatorin.

In dem herrschaftlichen Gebäude mitten in der Stadt sei eine besondere Wohl­fühlatmosphäre geschaffen worden. „Bei allen Alltagsfragen ist immer jemand da“, sagte Ishag, die betonte, dass „alle im Team mit Herzblut“ dabei seien. Die Kinder lernten dort sehr schnell, dass Bibliothek nicht „etwas Verstaubtes“ sein müsse.

Bibliotheksleiterin Katrin Stroth bedankte sich herzlich bei der Telekom-Stiftung und dem Deutschen Bibliotheksverband sowie vor allem bei den Kunden: „Dieser Preis ist nicht nur für uns ganz wichtig, sondern für alle Bibliotheken in Deutschland, weil wir dadurch in den Medien ganz anders vertreten sind als normalerweise. Wir hatten jetzt das ZDF und Radiosender im Haus“, sagte Stroth, die bedauerte, dass die Arbeit der Bibliotheken in Deutschland nicht ausreichend wertgeschätzt werde.

Lob an die Mitarbeiter

„Wir haben das auch an der Corona-Schutzverordnung gemerkt. Alle waren drin, Museen, Schulen, Bordelle, nur die Bibliotheken kamen nicht vor“, sagte Stroth, die den Preis und den Erfolg der Stadtbibliothek vor allem auf ihre ehren- und hauptamt­lichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückführte und die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung ausdrücklich lobte: „Wir lieben unseren Beruf, egal was wir machen. Wir lernen ständig etwas Neues, aber das machen wir gerne.“

Dieser Sonntagabend sei für die Stadtbibliothek nicht nur wegen der Auszeichnung ein besonderer Abend: „Das ist heute sozusagen unser ‚Freedom Day‘. Es ist das erste Mal nach eineinhalb Jahren, dass alle Mitarbeitenden zusammenkommen und ein bisschen feiern können. Das ist richtig schön.“

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